Hoch hinaus will dieses Kaninchen beim Hürdensprung. | Foto: Krato

Experten aus Bermersbach

Kaninhop: Wer hopst, gewinnt

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Hürdenläufe, Pferdespringen, Hundeparcours: Der Mensch scheut keine Mühen, sich und seinen tierischen Begleitern Hindernisse in den Weg zu stellen. Frei nach dem Motto: Spaß macht, was übersprungen wird. Seit einigen Jahren hat sich ein weiterer Trend entwickelt – Kaninhop. Kaninchen, vom knopfäugigen Zwerg bis zum Deutschen Riesen, hüpfen dabei an einer Leine über Stangen und Wassergraben. Das schnellste und fehlerfreieste Langohr hat bei Wettbewerben die Mümmelnase vorn. Hildegard Weber kennt sich damit aus. Von 2009 bis 2017 war die Bermersbacherin Kaninhop-Schiedsrichterin. Ehemann Karl-Heinz ist Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins. Beide betonen: „Es ist wichtig, dass die Tiere aus freiem Willen springen.“

100 Kaninchen im eigenen Garten

Züchterin aus Leidenschaft: Die Bermersbacherin Hildegard Weber war viele Jahre Schiedsrichterin im Kaninhop. | Foto: Körner

Wer ihren Garten betritt, erkennt schnell: Die Webers haben eine Schwäche für Kaninchen. 100 Tiere hält das Ehepaar, darunter weiße Riesen, gescheckte Schlappohren und schwarze Fellnasen. Und weil alle kräftig Appetit haben, lassen sich die begeisterten Züchter ihr Hobby ein bisschen was kosten. 400 Euro investiert das Paar monatlich in seine Kaninchen, allein 200 Kilogramm Trockenfutter braucht es. „Andere geben Geld für Sport oder ihr Motorrad aus, wir für unsere Tiere“, sagt Karl-Heinz Weber schmunzelnd.

Züchtern geht der Nachwuchs aus

Die Zahl der Züchter, da ist auch Bermersbach keine Ausnahme, nimmt stetig ab. Im Schwarzwalddorf sind es mittlerweile nur noch acht. Um den Nachwuchs für die Kaninchenhaltung zu begeistern, hatte der Kleintierzuchtverein bereits 2014 eine Kaninhop-Vorführung ausgerichtet – mit mäßigem Erfolg. „Die Menschen waren begeistert“, sagt Karl-Heinz Weber zwar, „aber dabei geblieben ist leider niemand.“ Aus seiner Sicht sind nicht die Kinder und Jugendlichen das Problem, sondern deren Eltern. „Mein Eindruck ist: Viele scheuen die Verpflichtung, sich um ein Tier zu kümmern.“

Hopsende Langohren

Kaninhop ist noch immer eine kuriose Trendsportart. Das Kaninchen springt an Leine und Geschirr über bis zu einen halben Meter hohe Hindernisse, wie beim Pferdesport werden Zeit und Fehler notiert. Damit das Tierwohl nicht gefährdet wird, gelten strenge Regeln: Das Kaninchen muss aus freien Stücken springen; wer an der Leine zieht, wird disqualifiziert.

Bis zu dreimal darf der Halter sein Tier durch sanftes Anheben des Hinterteils zum Sprung animieren, dann ist Schluss. Bei Wettkämpfen ist oft ein Tierschutzbeauftragter vor Ort. „Kaninchen sind außerordentlich springfreudig, der Hindernisparcours kommt also ihrem Naturell entgegen“, sagt Karl-Heinz Weber. Warum dann eine Leine? „Mit sehr viel Training geht es auch ohne“, erklärt Ehefrau Hildegard, „aber die meisten Kaninchen würden abhauen.“

Zwergwidder lernen am schnellsten

Acht Jahre lang war sie Schiedsrichterin im Kaninhop und kennt die Tiersportart aus dem FF. Einmal wöchentlich muss trainiert werden. Zunächst steht die Gewöhnung an die Leine im Vordergrund, erst danach geht es in den Parcours. Grundsätzlich kommen alle Arten für Kaninhop in Frage, wobei Karl-Heinz Weber empfiehlt, früh mit dem Training zu beginnen. Bei Wettbewerben müssen die Tiere mindestens fünf Monate alt sein. „Am besten eignen sich Zwergwidder“, sagt er, „sie sind gutmütig und lernwillig.“ Entscheidend sei ohnehin der Mensch: „Man braucht Geduld und Verständnis, denn Kaninchen springen nur aus Spaß.“

Hoffnung bleibt

Bei den Traditionalisten im Verein sei Kaninhop, das einst aus Schweden nach Deutschland kam und besonders im Raum Bruchsal betrieben wird, zu Beginn auf wenig Gegenliebe gestoßen. „Die meisten Teilnehmer sind Jugendliche, die nicht mehr als zwei bis drei Tiere haben“, erklärt Hildegard Weber, „das Züchten steht hier also nicht im Vordergrund.“ Noch immer ist das Ehepaar offen für Interessenten. „Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben“, sagt Karl-Heinz Weber mit Blick auf die Nachwuchssorgen der Kleintierzüchter: „Vielleicht bekommen wir durch Kaninhop noch einmal frischen Schwung rein.“

Kontakt: Hildegard und Karl-Heinz Weber, Telefon (07228)2478