Frühlingsbote in rosa: Im Murgtal blühen bereits die ersten Kirschbäume. Wenn es nachts kalt wird, können die Blüten allerdings erfrieren.
Frühlingsbote in rosa: Im Murgtal blühen bereits die ersten Kirschbäume. Wenn es nachts kalt wird, können die Blüten allerdings erfrieren. | Foto: Günter Schwarz

Frost färbt Blüten braun

Wetterumschwung gefährdet die Ernte auf den Murgtäler Streuobstwiesen

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Was Spaziergänger freut, bereitet den Obstbaumbesitzern Sorgen. Bereits im März blüht im Murgtal so manche Kirsche. Das sieht schön aus in der ansonsten kargen Landschaft und weckt Frühlingsgefühle. Aber für die spätere Ernte verheißt es nichts Gutes.

„Frost zu dieser Jahreszeit ist nicht ungewöhnlich“, weiß Jürgen Maier-Born vom Obst- und Gartenbauverein Bad Rotenfels. Das Problem ist, dass die Pflanzen durch die warmen Temperaturen im Winter früher blühen als normalerweise. So kommt es, dass manche Apfelbäume bereits jetzt in voller Blüte stehen.

Auch Beeren wie beispielsweise frühe Johannisbeeren sind betroffen. Friert es nachts, sterben die Blüten ab. „Ich habe schon mehrere Kirschbäume mit braunen Blüten gesehen“, sagt Maier-Born. Früchte werden diese Pflanzen kaum tragen.

Eispanzer bietet den Blüten Schutz

Damit die Blüten nicht absterben, spritzen manche Obstbauern Wasser auf die Blüten. Wenn das gefriert, wird Wärme freigesetzt. So bleiben die Blüten auch bei Minustemperaturen warm. Da die Wärme aber immer nur dann freigesetzt wird, wenn das Wasser gefriert, müssen die Blüten die ganze Nacht über kontinuierlich benetzt werden.

„Für Streuobstwiesen oder für den heimischen Garten ist das zu aufwendig“, erklärt Maier-Born. Diese Herangehensweise lohne sich nur für Obstbauern, die von ihren Einkünften leben.

Daher empfiehlt Maier-Born, im eigenen Garten verschiedene Bäume zu pflanzen – welche, die früh und welche, die spät blühen. So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wenigstens eine Pflanze Früchte trägt. In besonders kleinen Gärten könnte ein Baum, der mit verschiedenen Sorten veredelt ist, verwendet werden, meint Maier-Born.

In Gaggenau gibt es zu wenig Bienen

Für eine gute Ernte sind allerdings genügend Bienen zum Bestäuben notwendig. Daran mangelt es im Murgtal. „Pro Hektar braucht man etwa ein bis eineinhalb Bienenvölker zum Bestäuben“, sagt Klaus Gerstenlauer, Vorsitzender des Bezirks-Imkervereins Gaggenau. Rund um Gaggenau kommt ihm zufolge aber nur ein Bienenvolk auf vier Hektar.

„Wir versuchen, mehr Imker auszubilden“, berichtet er. Und tatsächlich, die Mitgliederzahlen des Imkervereins sind in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen. Aber: „Früher hatte ein Imker zehn Völker, heute eher vier bis fünf“, erzählt Gerstenlauer.

Varroamilbe schadet Bienen mehr als das Wetter

Gerstenlauer selbst hat aktuell noch zehn Völker. Es waren allerdings mehr. Knapp zehn seiner Völker sind in diesen Winter der Varroamilbe zum Opfer gefallen.

Dieser Bienenschädling ist für die fleißigen Insekten schwerwiegender als der aktuelle Frost. Der ist für die Bienen laut Gerstenlauer nicht schlimm. Die Sommerbienen sind noch nicht ausgewachsen, könnten große Blütenmengen also ohnehin noch nicht bestäuben. Und die Winterbienen kümmern sich im Stock um den Nachwuchs.

Gerstenlauer vermutet, dass die Sommerbienen ab Ostern fliegen. Bis dahin erholen sich die von der Varroamilbe geschwächten Völker.