Natürlicher Abstand: Beim Sprinttraining im Traischbachstadion ist ohnehin ausreichend Raum zwischen den Sportlern des TB Gaggenau. Doch auch für alle anderen Disziplinen, bei denen sonst mehr körperliche Nähe üblich ist, gelten die Corona-Regeln. | Foto: Philipp Kungl

Zu Gast beim TB Gaggenau

Wie funktioniert ein Leichtathletik-Training mit Corona-Regeln?

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Beim TB Gaggenau trainieren Leichtathleten unter strengen Corona-Regeln: Geräte desinfizieren, Abstand halten, bloß nicht abklatschen, und auch die Hilfestellung der Trainer ist nicht möglich. Doch auf dem Platz ergibt sich der Abstand von allein, die Pandemie rückt in den Hintergrund.

Dass ihm kein gewöhnliches Training bevorsteht, merkt man Bernd Wildersinn nicht an. Zielstrebig lädt er die verschiedenen Sportgeräte in seine Schubkarre. Erst die Sprungseile, dann noch Kugeln und Schleuderbälle. Der Leichtathletik-Abteilungsleiter des TB Gaggenau macht sich für den Sportabzeichentreff im Traischbachstadion bereit – wie schon viele Male zuvor. „Unsere Sportler treffen sich jeden Dienstag. Viele legen noch im hohen Alter das Sportabzeichen ab“, erzählt Wildersinn und wirkt dabei völlig entspannt. Von Nervosität keine Spur.

Nur das Desinfektionsspray deutet auf die besondere Situation hin

Erst als seine Frau Constanze Desinfektionsspray und Einwegtücher aus dem Kofferraum holt, wird die besondere Situation deutlich: Wegen der Corona-Pandemie darf zwar auf Sportanlagen im Freien wieder trainiert werden – aber nur unter strengen Auflagen.

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„Nach jeder Benutzung müssen wir die Geräte gut desinfizieren“, erklären die Wildersinns, ehe sich die beiden auf den Weg ins Stadion machen. Dort haben sich bereits die ersten Teilnehmer versammelt. „Alle Wiederholungstäter“, sagt der Abteilungsleiter lachend.

Zusammen ist es eben doch schöner.

Yvonne Ritter (85), will noch einmal das Sportabzeichen schaffen

Und die Vereinstruppe ist bestens gelaunt: Von den beiden Schülerinnen Elisa und Fabienne (beide 15) bis zur 85-jährigen Yvonne Ritter, die dieses Jahr unbedingt noch einmal das Sportabzeichen machen möchte. Während des Lockdowns hat sie sich zuhause fit gehalten. „Aber zusammen ist es eben doch schöner.“ Das sehen auch die anderen so. 13 sind es an der Zahl, als Wildersinn das Training um 18 Uhr beginnt.

Aber bevor bei frühsommerlichen Temperaturen geschwitzt wird, erklärt er seinen Schützlingen zunächst die neuen Corona-Regeln: Immer Abstand zueinander halten, Niesen vermeiden und bloß nicht Abklatschen oder gemeinsam Jubeln – selbst dann nicht, wenn man einen neuen Rekord aufgestellt hat. Die Sportler lächeln, akzeptieren die Auflagen aber. Dann kann es endlich losgehen. Doch funktioniert das Leichtathletik-Training unter diesen Bedingungen überhaupt?

Der Abstand beim Leichtathletik-Training ergibt sich im Stadion wie von selbst

Aufgeteilt in Fünfergruppen laufen sich die Teilnehmer und Übungsleiter warm. Der nötige Abstand ergibt sich im großen Traischbachstadion quasi von alleine. Ähnlich sieht es danach bei der kurzen Dehn- und Gymnastikphase aus.

Jede Gruppe sucht sich einen Platz, ohne den anderen in die Quere zu kommen. Bei Sit-ups und anderen Übungen müssen die Trainer allerdings gut erklären oder aber anschaulich vormachen: Hilfestellung? Ist nicht.

Während der Übungen scheint das Coronavirus ganz weit weg

Dann geht es an die Disziplinen, etwa Kugelstoßen, Ausdauerlauf, Schleuderball oder Weitsprung. Und auch hier scheint das Coronavirus ganz weit weg. „Welche Zeit muss ich schaffen?“ oder „Wie viele Meter brauche ich?“ lauten die Fragen, die die Sportler beschäftigen.

Mit großem Einsatz kämpfen sie um Punkte: Yvonne Ritter schleudert den Ball gleich im ersten Versuch auf 19 Meter (elf hätte sie benötigt), Elisa und Fabienne tasten sich nach dem Seilspringen an den Weitsprung heran.

Das Vereinsleben funktioniert auch mit Abstand.

Bernd Wildersinn, Leichtathletik-Abteilungsleiter TB Gaggenau

Es wird zusammen gescherzt und gelacht. An die außergewöhnliche Situation, so scheint es, erinnern sich die Leichtathleten höchstens, wenn sie Sprungseile und Kugeln desinfizieren. „Im Prinzip war es wie immer. Das Vereinsleben funktioniert auch mit Abstand“, lautet denn auch Wildersinns Fazit nach 90 Minuten Training.

Andere Abteilungen haben es nicht so leicht

Etwas seltsam sei es mit den Abstandsregeln zunächst schon gewesen, geben Elisa und Fabienne zu. „In den Fünfergruppen war das Training aber ziemlich effektiv. Und Spaß hat es auch gemacht“, sagen die beiden. Bernd Wildersinn freut sich über die gute Resonanz, merkt aber auch an, dass es andere Abteilungen nicht so leicht haben.

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Turnen sei etwa ohne Hilfestellung nur schwer möglich. Und dazu sei eben körperliche Nähe notwendig. „Deswegen brauchen wir unbedingt eine Verordnung für den Breitensport.“ Voraussichtlich nach Pfingsten will er den Treff wieder für Jedermann öffnen – dann zwar weiter mit Abstand, aber dafür mit viel Einsatz und Spaß.