Beim Papierwerk Glatfelter in Gernsbach wird für die Absatzmärkte in Osteuropa sowie dem Mittleren und Nahen Osten in absehbarer Zeit kein nennenswertes Wachstum erwartet. Auch aus diesem Grund werden 20 Stellen abgebaut. Foto: Fieting

Papierwerk Glatfelter

„Wir passen uns den Märkten an“

Schwarze Wolken über der Papierfabrik Glatfelter in Gernsbach? Nichts deutet äußerlich auf irgendwelche Turbulenzen innerhalb des Werkes hin, dennoch haben sich seit jüngster Zeit Gerüchte ihren Weg in die Öffentlichkeit gebahnt. Von Kurzarbeit ist die Rede und von Stellenstreichungen.
Glatfelter-Geschäftsführer Martin Rapp bestätigt auf BNN-Anfrage: „Ja, da ist was dran.“ Im Dezember bei der Betriebsversammlung habe er den Mitarbeitern mitgeteilt, dass es möglich sein könnte, am Ende des ersten Quartals einen Block Kurzarbeit einschieben zu müssen. Voraussetzung dafür müsse allerdings sein, das die Märkte schwach bleiben. Besonders im Nahen und Mittleren Osten und in Osteuropa sehe man kein Wachstum.

20 Stellen werden abgebaut

„Weil wir keine Lagerbestände produzieren wollen, werden wir 2017 und 2018 unsere Kapazitäten anpassen“, informiert Martin Rapp. Deshalb müssten sowohl in der Produktion als auch aus der Verwaltung jeweils zehn Stellen gestrichen werden. „Es tut mir um jeden Arbeitsplatz weh“, sagt Martin Rapp. Es werde aber keine betriebsbedingten Kündigungen geben, sondern „wir werden versuchen, zum Beispiel über Vorruhestandsregelungen die Stellenreduzierung zu erreichen.“ Die wirtschaftliche Lage des Werkes sei stabil und das Unternehmen Glatfelter glaube weiterhin an den Standort Gernsbach.
Keine Dramatik sieht auch Karsten Rehbein von der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie in den Vorgängen bei der Firma Glatfelter. Der Konzern, so Rehbein, sei in einer Phase der Umstrukturierung, der Stellenabbau gehe über die natürliche Fluktuation vonstatten. Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten hätten, so Rehbeins Einschätzung, zum Beispiel den Markt für Teebeutelpapier einbrechen lassen. Es sei insgesamt eine schwierige Zeit für die Branche.

Stagnierender Markt im Nahen- und Mittleren Osten

Seit dem Erwerb der Papierfabrik Schoeller & Hoesch GmbH & Co. KG durch Glatfelter im Jahr 1998 habe die Konzerngruppe all ihre Geschäftsaktivitäten umgewandelt, um sich näher am Kunden auszurichten und letztendlich Glatfelters Vision zu verwirklichen, der weltweit führende Anbieter von Spezialpapieren und technischen Spezialprodukten zu werden, heißt es im Internetauftritt des Werkes.
Glatfelter Gernsbach sei heute Weltmarktführer bei Teebeutel- und Overlaypapieren sowie eine international anerkannte Adresse für metallisierte Papiere. Der Standort verfüge über drei Schrägsieb- und zwei Langsieb-Papiermaschinen, alle auf dem neuesten Stand, die von einem hoch qualifizierten Personal rund um die Uhr bedient werden.

Weltmarktführer bei Teebeutel- und Overlaypapieren

Viele der Glatfelter-Spezialpapiere werden aus Langfasern gefertigt, die größtenteils aus Manilahanf, einer jährlich nachwachsenden Pflanze, gewonnen werden, so die Werksinformation weiter. Der Produktionsprozess von Langfasern erfordere eine ausgereifte Schrägsiebtechnologie wie der hoch entwickelte wet-laid Herstellungsprozess. Die neueste Schrägsieb-Papiermaschine im Werk in Gernsbach ist weltweit eine der schnellsten und modernsten Maschinen dieses Typs. Ein weiteres Erzeugnis des Hauses seien metallisierte Produkte Dabei wird eine hauchdünne Aluminiumschicht auf Spezialpapiere und Folien aufgedampft.