Zwei, die sich schätzen: Mit Betriebsratschef Michael Brecht (rechts) hat Matthias Jurytko viele Entscheidungen für den Standort auf den Weg gebracht.
Zwei, die sich schätzen: Mit Betriebsratschef Michael Brecht (rechts) hat Matthias Jurytko viele Entscheidungen für den Standort auf den Weg gebracht. | Foto: Dorscheid

Leitungswechsel bei Mercedes

„Wir sind gerüstet für die Zukunft“

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Von der Murg an den Rhein – nicht nur der Fluss wird größer, wenn Matthias Jurytko zum 1. April die Standortleitung im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau (6 800 Beschäftigte) abgibt und in gleicher Funktion ins pfälzische Wörth wechselt. Es ist auch der Wechsel von der weltweit ältesten noch produzierenden Automobilfabrik, die aber schon länger kein eigenes Fahrzeug mehr herstellt, in das weltweit größte Lkw-Montagewerk mit über 10 500 Beschäftigten.

Standortstrategie erarbeitet und umgesetzt

Fast acht Jahre hat Jurytko das Werk Gaggenau geleitet und darf für sich verbuchen, zusammen mit Betriebsratschef Michael Brecht eine Standortstrategie erarbeitet und umgesetzt zu haben, die unter dem Strich Gaggenau mit seiner Produktpalette breiter und auf die Zukunft gerichtet aufgestellt hat. An der Murg werden wichtige Teile sowohl für die Pkw als auch die Nutzfahrzeuge der Marke Mercedes-Benz hergestellt; auch der Elektroantrieb spielt zunehmend eine Rolle. Im Gespräch mit den BNN zieht Jurytko Bilanz. Redakteur Thomas Dorscheid hat ihn gebeten, die vorgegebenen Sätze zu Ende zu formulieren.

Einer, der anpackt: Matthias Jurytko im Dezember 2018 bei der Eröffnung des neuen Gesundheitszentrums.
Einer, der anpackt: Matthias Jurytko im Dezember 2018 bei der Eröffnung des neuen Gesundheitszentrums. | Foto: Daimler

Das Besondere am Standort Gaggenau unter den mir bekannten Werken des Konzerns ist …

Jurytko: … Erfindergeist, badische Herzlichkeit, begeisterte Menschen, tiefes Know how – und ein Standort, der Veränderungen selber gestaltet.

Persönlich war mein schönstes Erlebnis in Gaggenau …

Wir haben 2011 ,100 Jahre Benz-Werk‘ gefeiert.

Jurytko: … da gibt es viele. Wir haben wunderschöne Produktjubiläen gehabt wie etwa „Fünf Millionen schwere Getriebe“, wir haben 2011 „100 Jahre Benz-Werk“ gefeiert. Ich denke gerne an die Ausbildungsnächte oder die Führungskräfteveranstaltungen zur Standortkultur zurück. Besonders emotional war für mich der vergangene Dienstag, an dem mich Menschen nach der Betriebsversammlung in den Arm genommen haben und sagten: „Schade, dass Sie gehen“.

Die größte Herausforderung am Standort Gaggenau war für mich …

Jurytko: … die Umsetzung der Standortstrategie. Warum? Es galt, die Veränderungsenergie von 2013 bis 2018 aktiv zu gestalten, die Menschen zu begleiten und an den Veränderungen zu beteiligen, mit dem Einzelnen so zu gestalten, als wenn es nur ihn gäbe.

Die vom Daimler-Konzern jüngst in einer Pressemitteilung so formulierte „Erfolgsstory des Mercedes-Benz-Werks Gaggenau“ besteht darin …

Jurytko: … eben in der Umsetzung der Standortstrategie, in der Vorbereitung des Standortes für die Zukunft – gemeint sind die Vorbereitungen für die E-Mobilität, auch für Industrie 4.0, und dabei immer die Wirtschaftlichkeit und die Komplexität des Standortes in Balance zu halten.

Mit dem Betriebsratsvorsitzenden Michael Brecht durfte ich wichtige Entscheidungen für den Standort in harten persönlichen Verhandlungen auf den Weg bringen. An Michael Brecht schätze ich …

Wir haben uns immer an der Sache orientiert.

Jurytko: … Offenheit, Klarheit, Kreativität, eine gute Streitkultur. Wir haben uns immer an der Sache orientiert.

Das Besondere am Benz-Werk Gaggenau ist wohl auch, dass der Betriebsrat nicht nur reagiert, sondern selbst auch die Initiative ergreift. So hat sich Michael Brecht öffentlich für Gaggenau als Standort einer Batteriefabrik ausgesprochen. Hierzu denke ich …

Jurytko: … dass wir in Gaggenau weiter an der Standortstrategie arbeiten werden.

Viele Beschäftigte in der Automobilindustrie sorgen sich mit Blick auf Umwälzungen wie Dieselprobleme, E-Mobilität oder autonomes Fahren um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze in der nahen Zukunft. VW und Ford haben angekündigt, in Deutschland jeweils mehrere tausend Arbeitsplätze abzubauen. Den Daimler-Beschäftigten sage ich …

Wir werden schneller und flexibler.

Jurytko: … wir sind gerüstet für die Zukunft. Weil mit dem „Projekt Zukunft“ der richtige Weg eingeschlagen worden ist – mit einer neuen Struktur und mit neuen Divisionen. Damit sind wir auf die individuellen Herausforderungen der Märkte vorbereitet, wir werden schneller und flexibler.

Ab 2020 sollen im Murgtal im Rahmen des Pilotprojekts „eWayBW“ Oberleitungs-Lkw auf der Bundesstraße zwischen Kuppenheim und Gernsbach im Realbetrieb fahren. Nach meiner Meinung ist dieses Projekt …

Jurytko: … Ich sage nur so viel: Ich freue mich auf den Konzeptvergleich (ein batterieelektrischer E-Actros von Daimler wird für eine Spedition in der Region im Realbetrieb fahren, damit wird ein direkter Vergleich mit den Oberleitungs-Lkw möglich sein, Anmerkung der Redaktion).

Im Nachhinein ist man bekanntlich immer klüger. In der Rückschau hätte ich anders gemacht …

Ich würde es nochmal so machen.

Jurytko: … Ich durfte zehn Jahre am Standort sein, durfte zehn Jahre Themen treiben wie Produktportfolio, Technologieentwicklung, Integration des Standortes in ein internationales Netzwerk, Verantwortung für die Region und vieles mehr. Ich durfte sehen, wie sie sich entwickeln und darf sagen: Ich würde es nochmal so machen.

Im Lkw-Werk Wörth erwarten mich …

Jurytko: … begeisternde Produkte, bestimmt viele neugierige Menschen, die wissen wollen, wer da kommt, ferner eine Mannschaft mit Innovationskraft und hohem Teamgeist, die wie in Gaggenau einen Stolz hat für die Region und den Stern. Und denen begegne ich mit viel Respekt.

In meiner Freizeit bin ich am Liebsten …

Jurytko: …. draußen an der frischen Luft, und das am liebsten mit meiner Familie.