Im Höhengebiet des Murgtals ist dieser Wolf in eine Fotofalle getappt. Frische Spuren weisen daraufhin, dass er noch immer durch die Region streift. Wahrscheinlich handelt es sich bei ihm um das Tier, das im April mehrere Schafe in Bad Wildbad riss. | Foto: FVA Baden-Württemberg

Frische Spuren im Murgtal

Wolf tappt in Fotofalle

Anzeige

Die Entdeckung am 23. März beseitigt letzte Zweifel: Im Gernsbacher Forst stößt Martin Hauser, Wildtierbeauftragter des Landkreises Rastatt, auf Knochenreste einer Hirschkuh. Am Halsband des Tieres, das zu Forschungszwecken einen Sender trug – tiefe Bissspuren. Hausers Verdacht, dass ein Wolf zugeschlagen hat, bestätigt sich im Labor: Die DNA-Spuren sind zweifelsfrei dem Rüden „GW852m“ zuzuordnen, der nachweislich auch für den Angriff auf eine Schafherde Ende April in Bad Wildbad verantwortlich ist, bei dem 44 Tiere starben. Nun hat das Tier frische Spuren im Murgtal hinterlassen.

Wolf streift durch das Höhengebiet

Die Wolfshinweise im Murgtal häufen sich. Vermehrt wurden in den vergangenen Monaten mögliche Risse, Fährten, Sichtungen und Losungsfunde dokumentiert. Sie alle laufen bei Hauser zusammen. Nach seiner Einschätzung streift bislang nur ein einzelner Wolf durch die Wälder auf den Höhen zwischen Murg- und Enztal – „GW852m“. Zuletzt konzentrierten sich die Sichtungsmeldungen auf die Gemarkung Forbach. Den BNN gewährt Martin Hauser nun exklusiv einen Einblick in das Wolfsmonitoring des Landkreises.

 

Dass der Wolfs ins Murgtal zurückgekehrt ist, gilt als gesichert. Beleg dafür sind zahlreiche Nachweise aus diesem Jahr. Der erste gelingt am 13. Februar mit einem Losungsfund – Urin im Schnee – im Gernsbacher Höhengebiet. Sechs Tage später kann auf derselben Gemarkung eine Wolfsfährte im Schnee bestätigt werden. Weitere Losung (Kot), die zweifelsfrei von einem Wolf stammet, wird auf Forbacher und Gernsbacher Gemarkung entdeckt. Der letzte Fund ist laut Hauser nur wenige Tage alt.

Tier löst Fotofalle aus

„Wölfe setzen ihren Kot häufig direkt auf Wegen und Wegkreuzungen ab“, erklärt der Experte. Er enthalte viele Haare, große Knochensplitter und andere Reste, zum Beispiel Zähne, von Beutetieren. Hinzu kommt: Allein im Juni entstehen vier Aufnahmen eines Wolfes durch sogenannte Fotofallen, mit denen die Bewegungen des Rotwildes erfasst werden sollen – vermutlich war es wieder „GW852m“.

DNA-Spuren an Wildriss

Auch DNA-Spuren werden gefunden: Nachdem bereits im Dezember 2017 im Landkreis Freudenstadt Rotwild nachweislich von einem Wolf gerissen worden ist macht Hauser am 23. März den Fund im Gernsbacher Forst, auf den man durch GPS-Daten aufmerksam geworden war. Das mit einem Sender ausgestattete Rotwild bewegt sich lange nicht mehr, weshalb eine Todesmeldung ausgelöst wird. Ein Jagdhund erschnüffelt den Kadaver, von dem nur noch wenige Knochen übrig sind. Am Halsband des Senders entdeckt Hauser tiefe Bissspuren. Die DNA-Analyse ergibt: Der Angreifer ist erneut „GW852m“.

Angriff in Bad Wildbad

GW steht für hierbei den europäischen Grauwolf, 852 ist eine fortlaufende Probennummer des untersuchenden Labors und „m“ markiert sein Geschlecht. Der junge Rüde war aus Niedersachsen in den Nordschwarzwald eingewandert und hatte Ende April für bundesweites Aufsehen gesorgt, als bei seinem Angriff auf eine Schafherde in Bad Wildbad 44 Tiere starben.

Bei einem Wolfsangriff in Bad Wildbad kamen im April 44 Schafe zu Tode. Der Wolf hält sich weiter in der Region auf. | Foto: Schmidt

Er wird darüber hinaus mit dem Riss von drei Schafen in Huzenbach (Landkreis Freudenstadt) in Verbindung gebracht, die am 30. Juli tot aufgefunden wurden (die BNN berichteten). „Einen Beweis dafür gibt es aber nicht“, so Hauser. Da sich auch ein Fuchs an den Kadavern zu schaffen gemacht habe, seien die DNA-Spuren zu stark kontaminiert. Er geht davon aus, dass „GW852m“ der Region vorerst nicht den Rücken kehrt: „Solange er ausreichend Nahrung findet, dürfte er hier bleiben.“ Denkbar sei allerdings auch, dass der Wolf, der am Tag bis zu 50 Kilometer zurücklegen kann, auf der Suche nach einem Weibchen abwandere.

Hintergrund: Wolfsprävention
Als Reaktion auf den Wolfsangriff in Bad Wildbad hatte das baden-württembergische Umweltministerium die „Förderkulisse Wolfsprävention Nordschwarzwald“ ins Leben gerufen. Innerhalb des 3 700 Quadratkilometer großen Gebiets, dem auch das Murgtal angehört, übernimmt das Land 90 Prozent der Kosten, die Schaf-, Ziegen- und Gehegewildhaltern bei der Anschaffung von Materialien für Herdenschutzmaßnahmen entstehen. Hierzu zählt eine lückenlose Umzäunung mit Elektrozäunen. Ferner fördert das Land den Einsatz von Herdenschutzhunden ab einer Mindestgröße von 60 Muttertieren mit einer jährlichen Pauschale für die Ausbildung und den Unterhalt der Hunde in Höhe von 1 950 Euro.
Viehhalter kritisierten die Maßnahmen. So hatte Hans-Jörg Wiederrecht, Vorsitzender der Ziegenfreunde Bermersbach, im BNN-Interview angeprangert, die Wolfsprävention gehe „komplett an der Realität vorbei“. Der Verein verfüge nicht über das notwendige Personal, um die mehr als 20 Kilometer langen Zäune an seinen Weiden zu installieren.

Ministerium will Wolfsnachweise veröffentlichen

Hauser spricht sich für einen transparenten Umgang mit Wolfshinweisen aus. Der Wildtierbeauftragte sieht darin einen „wichtigen Baustein für die Akzeptanz des Wolfes derer, die von der Rückkehr des Wolfes betroffen sind.“ Er ist Ansprechpartner für Jäger, Förster, Nutztierhalter und die gesamte Öffentlichkeit. In Abstimmung mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) mit Sitz in Freiburg überprüft der 58-Jährige Wolfshinweise aus dem Landkreis Rastatt. Die als gesichert geltenden Nachweise werden vom Umweltministerium an die betroffenen Landkreise gemeldet. Wie Hauser im BNN-Gespräch mitteilt, sollen die Wolfsnachweise künftig auf der Internetseite des Ministeriums einsehbar sein.

Sichtung in Forbach gemeldet

Mit Hauser können Bürger in Kontakt treten, die einen Wolf gesehen haben wollen. Telefonisch erfasst der Wildtierbeauftragte wesentliche Daten zur möglichen Sichtung – etwa Ort, Tageszeit und Sichtverhältnisse – und versucht, Verwechslungen mit Hunden auszuschließen. Der Wolfsexperte fragt unter anderem die Größe, Schwanzhaltung und das Verhalten des gesichteten Tieres ab. „Als sicherer Nachweis gelten die Beobachtungen aber nicht“, betont Hauser, dem erst kürzlich eine Wolfssichtung auf Forbacher Gemarkung gemeldet wurde – allerdings aus einer Entfernung von rund 300 Metern. Dabei könne es sich auch um einen Hund gehandelt haben.

Kontakt & Infos: 
Infoveranstaltungen zum Wolf: Montag, 10. September, 19 Uhr, Trinkhalle Bad Wildbad, Veranstalter ist das Umweltministerium; Donnerstag, 13. September, 19.30 Uhr, Murghalle Forbach: „Der Wolf ist da – Konsequenzen für die Tierhalter“; Sonntag, 23. September, „Tag der offenen Tür“ im Landratsamt Rastatt (weitere Informationen folgen), am gemeinsamen Stand des Forstamtes und des Infozentrums Kaltenbronn; Im Infozentrum ist derzeit auch eine Wolfsausstellung zu sehen. Hinweise zum Umgang mit dem Wolf gibt es auf www.landkreis-rastatt.de unter der Suchfunktion zu „Hinweise zum Wolf“.
Ansprechpartner für Hinweise oder Fragen zum Wolf: Martin Hauser, Wildtierbeauftragter des Landkreises Rastatt, Telefon (07085)7216 oder (0175)2232698