Landschaftspfleger Christian Striebich mit dem getöteten Schaf. Für ihn ist klar: "Das war kein Fuchs." | Foto: BNN

„Das war kein Fuchs“

Wolfsangriff in Forbach? – Schafe und Ziege getötet

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Bereits am Freitag wurden auf einer Weide von Sven Strobel im Nachbarortsteil Langenbrand vier Schafe gerissen. Nun sind ein Schaf und eine Ziege aus Forbach tot. War es der Wolf, der unter der Bezeichnung GW852m registriert ist und der im Nordschwarzwald bereits mehrfach zugeschlagen hat?

Von unserem Mitarbeiter Georg Keller

Der Anblick ist nichts für zart besaitete Gemüter: Neben einen Bach im Forbacher Ortsteil Gausbach liegt ein gerissenes Schaf mit Kehlbiss. Magen und Gedärme hängen heraus, das Tier war trächtig, das ungeborene Lamm ist ebenfalls tot. Wenige Meter entfernt liegt eine Ziege. Sie war so schwer verletzt, dass Landschaftspfleger Christian Striebich sie erlösen musste.

Für die beiden betroffenen Tierhalter Christian Striebich und Sven Strobel steht der Übeltäter fest: Es muss ein Wolf gewesen sein. „Das war kein Fuchs, ein Fuchs greift vielleicht mal ein junges an, aber kein ausgewachsenes Schaf“, ist Striebich überzeugt.

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Hunger kann nicht der Antrieb gewesen sein

Entdeckt wurden die toten Tiere am Samstagmorgen von Jägern und Treibern bei den Vorbereitungen für eine Drückjagd. Dass es sich um jagende Hunde gehandelt haben könnte, schließen sie aus, da diese noch nicht vor Ort waren.

Inzwischen war auch der Wildtierbeauftragte des Landkreises Rastatt, Martin Hauser, vor Ort. Seine Einschätzung: „Ein Wolfsangriff ist in beiden Fällen nicht auszuschließen.“ Die gerissen Tiere und DNA-Spuren werden untersucht.

Der mutmaßliche Wolfsangriff erfolgte nicht etwa in einem weit abgelegenen Bereich: Die Herde aus 40 Walliser Schwarznasenschafen stand im Gewann Tennet, nur 100 Meter entfernt von der Wohnbebauung. Die Weide liegt an einem von Spaziergängern stark frequentierten Weg, auch der Radweg Tour de Murg verläuft direkt daran vorbei. Durch die Stresssituation lammte ein weiteres Schaf ab, das Jungtier überlebte und befindet sich mittlerweile im sicheren Stall.

„Das ist nicht üblich für einen Wolf, der gestern vier Schafe getötet hat, dass er weiter jagt“, sagt Christian Striebich. Hunger kann nicht der Antrieb gewesen sein, zumindest wenn beiden Angriffe auf das Konto des selben Wolfes gehen: Zwei der in Langenbrand gerissenen Heidschnucken wurden stark angefressen.

 

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GW852m ist „Problem-Wolf“

Das Fazit von Christian Striebich fällt deshalb eindeutig aus: „Der Wolf hat im Schwarzwald keinen Platz.“ Die Region sei zu dichtbesiedelt. Zumal es sich bei GW852m um einen „Problem-Wolf“ handele. An Aufhören denkt der Gausbacher dennoch nicht, dafür habe er zu viel Zeit und Energie in die Landschaftspflege investiert.

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Der Weisenbacher Landschaftspfleger Sven Strobel hält 100 Heidschnucken und 70 Ziegen. Teile seiner Herde stehen im Forbacher Ortsteil Langenbrand am mittleren Weg, unweit der Fatimah-Kapelle. Die Weideflächen sind mit einem Elektrozaun gesichert, der im Besitz der Gemeinde Forbach ist. „Bei mir ist der Frust groß“, sagt Strobel, zumal nicht nur der Wolf seine Herde bedroht. Er benötigt einen Winterstall für seine Tiere, seit Jahren kommt aber keine Bewegung in die Angelegenheit.

Wolfssicherer Umbau der Zäune nicht leicht

Der wolfssichere Umbau der Zäune ist aufgrund des Untergrunds und Problemen bei der Erdung nicht leicht. Vorgeschrieben sind eine Höhe von 1,20 Meter sowie fünf stromführende Litzen, davon die darf die unterste nicht höher als 20 Zentimeter über dem Boden sein, damit ein Wolf nicht darunter hindurch kommt. Innerhalb der Förderkulisse „Wolfsprävention“, zu der auch das Murgtal gehört, werden diese Maßnahmen gefördert. Auch gibt es finanzielle Entschädigungen für gerissene Tiere, doch darum geht es den Tierhaltern, die die Lämmer teilweise mit der Flasche großgezogen haben, nicht.

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Wie das Beutetier in die Weide gelangt ist, wird wohl offen bleiben. Ein Zaunpfosten ist herausgerissen, allerdings vermutet Tierhalter Christian Striebich, dass sich dieser aus dem Boden gelöst hat, als die Herde in Panik in den Zaun gerannt ist.

GW steht für den europäischen Grauwolf, 852 ist die fortlaufende Probennummer des untersuchenden Labors und „m“ markiert sein Geschlecht. Der junge Wolfsrüde ist aus Niedersachsen in den Nordschwarzwald eingewandert und hat Ende April für Aufsehen gesorgt, als bei seinem Angriff auf eine Schafherde in Bad Wildbad 44 Tiere starben. Anfang September 2018 soll er drei Schafe im Gernsbacher Stadtteil Reichental getötet haben. Ein weiterer Riss von GW852m ist im Baiersbronner Ortsteil Huzenbach (Landkreis Freudenstadt) bestätigt