Trauer am Straßenrand nach tödlichem Unfall.
Blumen, Kerzen, Teddybären und Porzellan-Engel liegen am Montagabend an der Gaggenauer Unfallstelle. | Foto: Haendle

Tödlicher Unfall in Gaggenau

Seelsorger stehen Angehörigen zur Seite

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Nach dem tragischen Verkehrsunfall mit zwei Toten am Freitagabend in Gaggenau soll nun der verdächtige 47-Jährige verhört werden, wie Patrick Bergmann vom Polizeipräsidium Offenburg den BNN berichtet. Die Beamten hoffen außerdem auf Zeugen des Unfalls.

Die Frage sei nun, wie gehaltvoll die Aussagen der Augenzeugen ausfielen. Ein Sachverständiger untersucht derweil den mutmaßlichen Unfallwagen. Die Untersuchungen am Unfallort seien inzwischen abgeschlossen.

Fahrerflucht mit zwei Toten

Am Freitagabend waren eine Frau und ihr Enkelkind in der Gaggenauer Goethestraße auf Höhe des Daimler-Werks von einem Auto angefahren und tödlich verletzt worden. Der Fahrer flüchtete, konnte durch ein verlorenes Kennzeichen jedoch kurze Zeit später ermittelt und festgenommen werden. Die Frau und ihr Enkel seien unmittelbar nach dem Unfall von Passanten gefunden worden, so Bergmann. Die 54-Jährige erlag noch auf dem Weg ins Krankenhaus ihren Verletzungen, der sieben Monate alte Säugling starb am Samstagmorgen in der Klinik.

Ganz Gaggenau trauert

Für Bestürzung hat der Unfall in ganz Gaggenau gesorgt. Oberbürgermeister Christof Florus hat sich stellvertretend für die gesamte Stadtverwaltung zu dem Fall geäußert: „Tief betroffen und fassungslos trauern wir mit den Angehörigen.“ Er hofft, dass das Mitgefühl vieler Gaggenauer und die vielen Hilfsangebote der Familie in der schweren Zeit wenigstens ein bisschen helfen können: „Dies zeugt davon, dass für die deutliche Mehrheit der Gesellschaft Mitgefühl und Verantwortung gegenüber den Mitmenschen wertvolle Werte sind. Werte, die der Unfallverursacher vermissen lässt.“

Durchgangsstraße eigentlich kein Brennpunkt

Mit den Worten, keine Regelung und keine Kontrolle könnten solche Verkettungen unglücklichster Zufälle verhindern, schließt der OB sein Beileidsschreiben. Damit dürfte er die Verkehrssituation in der Goethestraße im Blick haben: Dort ist die Stadt zwar – wegen der vielen Fußgängerquerungen im Schichtbetrieb des Benz-Werks – regelmäßig mit Geschwindigkeitskontrollen präsent, diese Durchgangsstraße ist aber alles andere als ein Brennpunkt.
Dies belegen die Zahlen der jüngsten Radarkontrolle vom 10. Juli: Dabei wurden laut Judith Feuerer von der städtischen Pressestelle knapp 1 600 Fahrzeuge kontrolliert, die Beanstandungsquote habe bei 1,9 Prozent gelegen. Was als sehr gering gilt. Tempo 50 ist erlaubt, der „erstplatzierte“ Ausreißer“ fuhr 79 Sachen – auch da sind die Kontrolleure ganz andere Zahlen gewohnt. Feuerer: „Auf anderen Straßen haben wir ganz andere Quoten.“

Seelsorger unterstützen Familie und Ersthelfer

An die Unfallstelle sind am Freitagabend auch vier Seelsorger der Notfallseelsorge Rastatt/Baden-Baden gerufen worden. Pastoralreferent Norbert Kasper spricht von einem besonders tragischen Fall. „Normalerweise sind wir selten an den Unfallorten selbst“, sagt er, in Gaggenau brauchten aber auch Zeugen und Ersthelfer des Unfalls Unterstützung. Auch die Familie der Toten habe das Notfallseelsorgeteam besucht. „Normalerweise gehen wir allein zu einem Einsatz“, berichtet Kasper, in diesem Fall sei schnell klar gewesen, dass eine Person nicht reiche.

Blutproben werden untersucht

Geprüft wird derzeit, ob der 47-jährige mutmaßliche Unfallverursacher, bei dem Atemalkohol nachgewiesen wurde, vor oder nach dem Unfall getrunken hatte. „Der sogenannte Nachtrunk kann durch eine Differenzrechnung nachgewiesen werden“, erklärt Bergmann. Das hängt damit zusammen, wie der Alkohol im Körper abgebaut wird. Dafür wurden dem Mann zwei Blutproben entnommen.

Spuren am Unfallwagen

Ein Bild des Unfallwagens darf die Polizei nicht herausgeben, sagt Bergmann, da sich bereits Zeugen gemeldet hätten. Der Unfall habe auffällige Spuren an dem Renault Mégane hinterlassen.

Bisher geht die Polizei davon aus, dass der 47-Jährige die Kontrolle über seinen Wagen verloren hatte und auf den Gehweg geraten sei. Ein Geständnis gibt es nach Informationen der Polizei noch nicht, am Freitagabend hatte der Mann bei seiner Festnahme noch bestritten, an dem Unfall beteiligt gewesen zu sein.