Einer geht noch: Frei nach diesem Motto stopfen Spender derzeit immer wieder Kleidercontainer in Gaggenau voll. Auch drumherum landen immer wieder Kleidersäcke und Sperrmüll. Das sorgt für Ärger beim DRK und bei dessen Recycling-Partner.
Einer geht noch: Frei nach diesem Motto stopfen Spender derzeit immer wieder Kleidercontainer in Gaggenau voll. Auch drumherum landen immer wieder Kleidersäcke und Sperrmüll. Das sorgt für Ärger beim DRK und bei dessen Recycling-Partner. | Foto: Jürgen Gerbig

Oft ist auch Sperrmüll dabei

Zu viele Spenden: Altkleidercontainer in Gaggenau quellen über

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Wer derzeit alte Kleidung an den DRK-Ortverein Gaggenau spenden möchte, erwischt keinen guten Moment. Die Kleiderkammer mitsamt Container ist ebenso wie die Rettungswache auf unbestimmte Zeit geschlossen. Diese Maßnahme soll die Einsatzkräfte vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen. Die weiteren Sammelcontainern des Vereins sind regelmäßig überfüllt. Das DRK bittet deshalb darum, Spenden vorerst daheim zu verwahren. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Container quellen weiter über. Daneben lagern teils Kartons und Taschen voller Kleidung. Wenn bis zur Abholung ein Regenguss darüber geht, ist der Inhalt reif für die Tonne. Mancherorts wird als Zugabe auch noch Hausrat und Sperrmüll abgeladen.

Das ist nicht nur für den Recycling-Partner des Vereins, die Terec GmbH aus Renchen, ärgerlich. Es hat auch für das DRK Konsequenzen.

Altkleider werden üblicherweise ins Ausland verkauft

Das Problem beginnt bei den Altkleidern selbst. Das Textilrecycling-Unternehmen wird sie zurzeit kaum los. Was nicht zu Produkten wie Putzlappen, Vlies-Unterlagen oder Polsterbezügen verarbeitet wird, wird normalerweise als Second-Hand-Ware verkauft.

Mehr zum Thema: DRK Bühl-Achern bittet: Keine Altkleidersäcke neben Container stellen

Ein kleiner Teil geht an deutsche Läden, der Rest nach Osteuropa, Asien und Afrika, berichtet Udo Freudling. Er ist der kaufmännische Betriebsleiter der Firma.

Weltweiter Markt ist eingebrochen

Billige Neuwaren drücken den Preis für Altkleider seit Jahren, sagt Freudling. Durch die Corona-Krise sei der Markt eingebrochen. Märkte im Ausland seien geschlossen, die Grenzen dicht. „Das ist ein riesiges Problem.“ Der Wert der Waren sei gleich Null. „Wir müssen teilweise zuzahlen.“

Es gebe zwar Bedarf an Kleidung aus zweiter Hand. „Aber wann es wieder aufwärts geht, ist eine Unbekannte.“ Zumal auch recycelte Produkte krisenbedingt in der Industrie weniger Abnahme fänden.

Spendenaufkommen hat sich erhöht

Zugleich landen mehr Spenden im Container. Statt 700 bis 750 Tonnen habe die Firma allein im April 1.000 Tonnen gesammelt, sagt Freudling. Ihr Einzugsgebiet reicht von der Schweizer Grenze bis Mannheim.

Wenn das Unternehmen nun zusätzliche Fahrten zu überladenen Containern organisieren und dort vorgefundenen Müll auf eigene Kosten entsorgen muss, rechnet sich die Sammlung nicht mehr. Wenn zumindest die Entsorgung erstattet würde, wäre aus Freudlings Sicht viel gewonnen.

Recycling-Firma zieht Konsequenzen

„Wir halten noch diesen Monat die Sammlung aufrecht. Wenn sich dann nicht wesentlich was ändert, müssen wir eine Entscheidung treffen, wie wir sie weiterführen.“

Das reicht bis zur Frage, ob die Leerung künftig bezahlt werden muss. Das würde das DRK in Gaggenau empfindlich treffen. Bislang erhält der Verein eine Vergütung nach Gewicht.

DRK verliert Einnahmen – kennt aber die Probleme selbst

Sie kam zum Beispiel dem Ausbau der Kleiderkammer und der Auslandshilfe für Rumänien und Ungarn zugute, sagt der Vorsitzende Horst Neuendorf.

Für die Kleiderkammer gilt ebenfalls: „So wie’s bisher war, wird’s nicht weiter gehen“, sagt Neuendorf. Denn auch das DRK muss oft Müll entsorgen, nicht selten die Kleider, Handtaschen und Schuhe selbst. „Unverschämt“ und „unappetitlich“ sei es, was die 15 Ehrenämtler in manchen Säcken vorfinden.

„Ich weiß gar nicht, wie viele Appelle man noch bringen muss.“ Dabei wäre es so einfach: „Bitte so sortieren, dass der Müll draußen bleibt.“

Das DRK Gaggenau bittet darum, vorerst keine Kleider oder Schuhe abzugeben. Spender können die Zeit jedoch nutzen, um ihre Gaben noch einmal durchzugehen. Nur, was man selbst tragen oder verschenken würde, hat etwas im Kleidersack verloren. Und zwar gewaschen oder geputzt. Modisch muss es nicht sein. Aber was dreckig, fleckig, verfärbt, fadenscheinig, zerrissen oder löchrig ist, gehört in den Müll – und landet dort auch.