Gemeinsam am Ball sind Teo Simundza, Goran Dragojevic, Thorsten Kratzmann und Bahmann Mohammadi (von links) beim VFB Gaggenau. Zum großen WM-Interview der BNN kamen sie (fast) alle im Trikot ihres Heimatlandes. | Foto: Körner

Teamkameraden im Interview

Zur WM ruht die Freundschaft

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Als Fußballer tragen sie das Trikot des VFB Gaggenau. Doch bei der heute beginnenden WM in Russland halten Goran Dragojevic (Serbien), Thorsten Kratzmann (Deutschland), Teo Simundza (Kroatien) und Bahmann Mohammadi (Iran) zu unterschiedlichen Mannschaften. Hoffnungen auf den Titel, da ist sich das Quartett einig, darf sich nur einer von ihnen machen. BNN-Redakteur Dominic Körner hat die Fußballer am Trainingsplatz getroffen und sich mit ihnen über die WM und die Chancen ihrer Teams unterhalten – mit teils überraschenden Antworten.

Meine Herren, Hand aufs Herz: Wer wird Weltmeister?

Kratzmann: Frankreich. Sehr guter Kader, viel Talent. Außerdem bin ich Halbfranzose.

Mohammadi: Ich stimme dir zu – Frankreich ist der Topfavorit.

Simundza: Da gehe ich nicht mit. Für mich sind die Brasilianer diesmal dran.

Kratzmann (schüttelt den Kopf): Auf keinen Fall, die sind defensiv zu schlecht.

Dragojevic: Italien! (lacht) Ach nein, die sind ja gar nicht dabei. Im Ernst: Ich denke, Spanien macht das Rennen, die haben mehr Erfahrung als die Franzosen.

… und wie stehen die Chancen eurer Mannschaften?

Kratzmann: Das Halbfinale ist drin, danach wird es schwierig. Im Sturm sind wir zu schwach besetzt.

Dragojevic: Sehe ich auch so, Thorsten. Was Serbien angeht: Die Erwartungen im Land sind riesig. Wenn die Jungs nicht das Achtelfinale erreichen, brauchen sie gar nicht mehr nach Hause fliegen. Die Gruppe können wir überstehen, dann droht allerdings Deutschland. Das wird schwierig, man weiß aber auch, dass die Deutschen nicht gerne gegen Mannschaften vom Balkan spielen.

Simundza: Auch wenn wir in der Todesgruppe mit Argentinien, Nigeria und Island gelandet sind – das Achtelfinale erreicht Kroatien. Ich halte sogar Platz 1 für möglich, um Frankreich aus dem Weg zu gehen. Der ganz große Wurf, da muss man realistisch sein, ist für uns nicht möglich.

Mohammadi: Da bin ich deutlich bescheidener als ihr. Der Iran ist klarer Außenseiter und hat bisher noch kein WM-Spiel gewonnen. Ein Sieg, und wir sind glücklich. Wenn ich träume, dann von drei Punkten gegen Marokko und einem Unentschieden gegen Portugal. Das könnte schon fürs Achtelfinale reichen.

Die meisten Fans, auch ihr, sind sich einig: Frankreich, Spanien, Brasilien und Deutschland sind die großen Favoriten. Aber habt ihr auch einen Geheimtipp, eine Mannschaft, die besser abschneiden wird als viele denken?

Dragojevic: Der Senegal. Das Team ist auf fast allen Positionen stark besetzt, viele Spieler verdienen in der englischen Premier League ihr Geld.

Kratzmann: Jetzt, wo du es sagst: Mit wem sind die in der Gruppe?

Dragojevic: Kolumbien, Polen und Japan.

Kratzmann: Dann auf jeden Fall. Da hat der Senegal alle Chancen.

Simundza: In unserer Gruppe traue ich neben Kroatien auch Island einiges zu. Aber die Gegner (Argentinien und Nigeria, die Red.) haben es in sich.

Kroatien und dem Senegal trauen die Gaggenauer Fußballer eine Überraschung zu. | Foto: Bandic

Die WM ist immer auch das Schaulaufen der Superstars. Welcher Spieler gefällt euch besonders gut – und gibt es einen, der gar nicht geht?

Simundza: Mein großes Vorbild ist Luka Modric (kroatischer Spielmacher, die Red.). Auch unter größtem Druck bleibt er am Ball so cool, als gäbe es gar keine Gegenspieler. Sehr beeindruckend.

Kratzmann (nickt): Wie Toni Kroos. Alles geht bei ihm spielend leicht, für mich der stille Leader der deutschen Mannschaft.

Simundza: Und wer gar nicht geht? Da muss ich nicht lange überlegen: Luis Suarez (Uruguay, die Red.). Ein extrem unsportlicher Spieler.

Kroos, Ronaldo, Messi – die großen Namen dürften bekannt sein. Kroatien, Serbien und vor allem der Iran stehen kaum im Fokus. Deshalb: Auf welche Spieler eurer Mannschaft sollten die deutschen Fans achten?

Mohammadi (grübelt lange): Ganz ehrlich: Den Superstar haben wir Iraner nicht, leider. Ashkan Dejagah hat früher in Deutschland gespielt, der ist immer noch gut. Und Außenverteidiger Mohammadi ist klasse, weil er meinen Namen trägt (lacht).

Dragojevic (schmunzelt): Heißen bei euch nicht alle so? Serbiens kommender Superstar ist Milinkovic-Savic (Mittelfeldspieler von Lazio Rom, die Red.). Ein super Spieler, den fast alle europäischen Spitzenklubs jagen.

Simundza: Bei uns könnte Rebic durchstarten. Er ist pfeilschnell und hat bei Eintracht Frankfurt eine klasse Saison gespielt.

Torschützenkönig wird er aber wohl nicht, da legen wir uns mal fest. Sondern?

Mohammadi: Suarez. Uruguay hat eine schwache Gruppe. Meine Prognose: Gegen Russland, Ägypten und Saudi-Arabien lässt er es krachen.

Dragojevic: Costa oder Aspas, auf jeden Fall ein Spanier. Die haben zwei Gruppengegner, die sie abschießen, Marokko und den Iran (blickt lachend zu Mohammadi, der abwinkt).

Kratzmann: Vielleicht ein Deutscher? Werner?

Dragojevic: Bestimmt nicht. Werner ist gut, wird gegen tief stehende Gegner aber kaum seine Schnelligkeit ausspielen können.

Simundza: Suarez, Costa, Werner? Ich bin da anderer Meinung. Torschützenkönig wird Neymar. Die Brasilianer sind gut drauf und, das habe ich schon gesagt, mein Titelfavorit.

Wir halten fest: Ganz einig seid ihr euch nicht. Schaut ihr die Spiele wenigstens gemeinsam an?

Kratzmann: Halt, ich kann nicht. Ich bin im Italien-Urlaub mit meiner Frau.

Simundza: Unsere Spiele verfolge ich in einem kroatischen Kaffee oder mit der Familie. Denn klar ist: Wir Kroaten wissen, wie man feiert. Nach dem Sieg 2008 gegen Deutschland gab es einen Autokorso durch Gaggenau und Bengalos wurden entzündet.

Dragojevic: Ich schaue alles, was ich kann – auch die Spiele der Exoten. Die serbischen Auftritte am liebsten beim Grillen. Die erste Partie werde ich leider verpassen, weil wir mit dem VFB Gaggenau zeitgleich die Aufstiegsrelegation spielen.

Kratzmann: Das geht gar nicht. Auch für das deutsche Spiel gegen Mexiko wird es eng, das ist direkt im Anschluss. Immerhin wird auf unserer Anlage eine Großleinwand stehen. Dennoch werden einige Zuschauer wohl leider Zuhause bleiben.

Ein Aufeinandertreffen eurer Länder ist bereits im Achtelfinale möglich, etwa zwischen Deutschland und Serbien. Wird da schon untereinander gefrotzelt?

Kratzmann: Bislang ist es ruhig. Aber wenn entsprechende Paarungen zustande kommen, bin ich mir sicher, dass es in unserer WhatsApp-Gruppe hoch hergeht (schmunzelt).

Zum Abschluss eine gemeine Frage: Wer ist der beste Fußballer von euch?

Dragojevic (wie aus der Pistole geschossen): Thorsten.

Simundza und Mohammadi (gleichzeitig): Goran!

Kratzmann (überlegt lange): Soll ich jetzt mich nennen? Sagen wir es so: Goran ist in der Abwehr extrem wichtig, ich vorne. Wenn einer von uns fehlt, macht sich das bemerkbar. Also: Wir beide (lacht).