Müll sammeln am Sauberg: Der Gaggenauer Jan Zeller (links) und Helfer von „KeepGaggenauClean“ bei einer Reinigungsaktion vor Kurzem in Ottenau. IN Zeiten von Corona mit Mundschutz, Abstand und in Zweier-Gruppen. | Foto: Reinhold Bauer

KeepGaggenauClean

Zwei Männer, ein Ziel: Jan Zeller und Dirk Schmidt wollen das Murgtal von Unrat befreien

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Der Gaggenauer Jan Zeller und Dirk Schmidt aus Forbach, zwei Männer, ein Ziel: das Murgtal von Müll und Unrat befreien. Deshalb hat Zeller das Projekt „KeepGaggenauClean“ (Halte Gaggenau sauber) oder kurz KGC, ins Leben gerufen. Und Murg aufwärts, da plant Schmidt „Let’s-Putz-Tage“ rund um Forbach.

„Mein Bestreben ist, inakzeptable Zustände im Raum Gaggenau mit Hilfe aufmerksamer Mitbürger schnellstmöglich zu beseitigen“, sagt Jan Zeller. „Es geht nicht darum, einen kurzfristigen Hype auszulösen. Es soll langfristig und nachhaltig etwas aufgebaut werden“, fügt der 23-Jährige, der in Karlsruhe Maschinenbau studiert, hinzu.

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Jan Zeller gründet KeepGaggenauClean

Um das positive Feedback das die Initiative generieren konnte, zu nutzen, wurden Seiten auf Instagram (@kgc_76571) und Facebook (KeepGaggenauClean) eingerichtet. Am 12. April gab es den ersten Post. Jan Zeller: „Diese Plattform soll eine Kontaktmöglichkeit bieten, um unser Team zum Beispiel auf vermüllte Plätze und Wege oder beschädigte Gegenstände auf Spielplätzen und öffentlichen Anlagen aufmerksam zu machen.“

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,Neben unserem Großprojekt, der Säuberung des Murgufers, haben wir diverse…

Gepostet von kgc_76571 am Dienstag, 28. April 2020

Reinigungsaktion am Ottenauer Sauberg

Außerdem sollen auf diesem Weg die Endresultate der KGC-Mitstreiter, unter anderem mit Vorher-Nachher-Fotos publik gemacht werden. Zum Beispiel – nach einem Hinweis aus der Bevölkerung – von der Reinigungsaktion am Ottenauer Sauberg. „Wir achten in Zeiten von Corona natürlich darauf, dass Abstands- und Hygiene-Regeln eingehalten werden, dass beispielsweise Teilnehmer aus dem gleichen Haushalt kommen und immer nur jeweils zwei Leute eine Gruppe bilden.“

Wir wollen die Strecke von Rotenfels bis nach Gernsbach von jeglicher Verschmutzung befreien.

Jan Zeller (23), Initiator von KeepGaggenauClean

Solche „Zwischen-Aktionen“, wie Jan Zeller sagt, gebe es mittlerweile regelmäßig, vor allem aber sei der Fokus auf das Projekt vollständige Reinigung des Murg-Ufers gerichtet: „Wir wollen die Strecke von Rotenfels bis nach Gernsbach von jeglicher Verschmutzung befreien“, verdeutlicht Zeller. Mehrere Etappen sind bereits geschafft. „Wir versuchen, alle drei Tage was zu starten“, sagt er.

Als „Wut-Aktion“ entstanden

Für ihn unfassbare Reaktionen auf einer Gaggenau-Facebook-Seite zu einem geposteten Foto mit zwei liegengelassenen Bierflaschen an einer Grillstelle hätten ihn veranlasst, die Initiative zu ergreifen, erzählt Zeller. Da sei immer viel Geschrei, aber keiner mache was.

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Als „Wut-Aktion“ sozusagen sei KGC entstanden, zunächst mit Kollegen und Freunden. Doch mehr und mehr freiwillige Helfer beteiligen sich, darunter auch viele Jugendliche. Zeller: „Da machen 14-, 15-Jährige mit. Wenn es gelingt, sie zu sensibilisieren, dann habe ich mein Ziel erreicht.“ Denn den jungen Leuten eine umweltfreundliche Lebenseinstellung mit auf den Weg zu geben, liege ihm am Herzen.

Dirk Schmidt aus Forbach plant Let’s-Putz-Tag

Ein erster von Dirk Schmidt Ende März in Forbach geplanter „Let’s-Putz-Tag“ ist zwar wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. „Die Planungen laufen aber weiter. Die Aktion wird stattfinden“, sagt er. Im Gemeindeblatt sei der Termin dann zu erfahren. Und in der Forbach-Gruppe auf Facebook mache er darauf aufmerksam.

Für die Tonne: In Forbach rückt Dirk Schmidt ehrenamtlich Unrat zuleibe und plant für die Zeit nach Corona „Let’s-Putz-Tage“. | Foto: Reinhold Bauer

„Ich komme aus Rheinstetten, dort gibt es schon jahrelang Putz-Aktionen, zum Beispiel entlang der B36. Zunächst als Privatinitiative, später dann von der Gemeinde übernommen.“ Vor eineinhalb Jahren ist Schmidt nach Forbach gezogen und es ist ihm aufgefallen: „Vor allem entlang der Bundesstraße 462 findet sich jede Menge Unrat, und an den Parkplätzen, weil es da keine Mülleimer mehr gibt.“ Sein „Revier“ reiche von Gausbach am Freibad bis Raumünzach hoch. Die Schifferstraße, Spazier- und Wanderwege gehören ebenso dazu.

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40 Liter Grundwasser werden durch einen Zigarettenstummel verseucht

Wenn Schmidt mit seinem Hund weg geht, liest er entsorgte Zigarettenstummel auf. Es sei nachgewiesen, dass eine Kippe ungefähr 40 Liter Grundwasser verseuche, erzählt er. Laut Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sammeln sich beim Rauchen Nikotin,  Arsen, Blei und viele andere Chemikalien in den Filtern. Immer wenn es regnet, sickern diese Stoffe mit dem Regenwasser in den Boden oder in die Kanalisation. Und es braucht Jahre bis zur vollständigen Auflösung eines Stummels.

Schlagkräftige Argumente für den Neu-Forbacher Dirk Schmidt, die achtlos hingeworfenen Hinterlassenschaften bei seinen Hundespaziergängen dahin zu befördern wo sie hingehören: in den Restmüll.