"Die Konfession gewechselt" hat, wenn man so will, die Orgel aus der evangelischen Johanneskirche, die jetzt erstmals in der katholischen Kirche Michelbach erklang. Im Fachwerkdorf ist man sehr froh über den Erwerb. | Foto: Mandic

Nachwehen der Fusion

Zwei Orgeln auf „Wanderschaft“ in Gaggenau

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Die von der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau im Zuge ihres Fusionsprozesses nicht mehr benötigte Orgel der (verkauften) Johanneskirche Bad Rotenfels versieht ihre Dienste jetzt an anderer Stelle: Das Instrument hat, wenn man so will, „die Konfession gewechselt“ und erklingt seit Sonntag, 12. August,  von der Empore in der katholischen Kirche St. Michael in Michelbach.

„Gesamtpaket“ für 40000 Euro

Rund 40 000 Euro hat die Seelsorgeeinheit Gaggenau für das „Gesamtpaket“ ausgegeben: Darin enthalten sind der an die evangelische Gemeinde gezahlte Kaufpreis und die Kosten für die professionelle Demontage, den Transport und den Wiederaufbau durch einen Orgelbauer. 20 Prozent der Summe steuert die Erzdiözese Freiburg als Zuschuss an die Seelsorgeeinheit bei. Die Angebote für eine alternativ in Michelbach in Frage kommende Reparatur der alten Orgel lagen zwischen 30 000 und 65 000 Euro. Beim Patrozinium in Michelbach am 29. September soll der Neuerwerb offiziell eingeweiht werden.

Alte Orgel war dringend reparaturbedürftig

„Für uns ist es eine befriedigende Lösung“, sagt Robert Geisel, Stiftungsrat für St. Michael in der Seelsorgeeinheit Gaggenau, auf BNN-Nachfrage zum Orgelkauf. Denn die alte Orgel in der Michelbacher Kirche sei dringend reparaturbedürftig gewesen, aber auch nach einer nicht eben günstigen Instandsetzung „wäre die Substanz der alten Orgel nicht besser geworden“. Über Pfarrer Tobias Merz wurde sodann der Kontakt zur evangelischen Kirchengemeinde hergestellt, und man wurde sich handelseinig – dies bedeutete eine Zusatzeinnahme für die Protestanten einerseits und eine günstige Ersatzbeschaffung für die Katholiken andererseits.

Lob des Orgelinspektors

„Eine gute Lösung, ein seriöser Preis“, bewertet Martin Dücker, Erzbischöflicher Orgelinspektor in der Erzdiözese Freiburg, den Kauf; der Orgelprofi hat auf Seiten von St. Michael die Ersatzbeschaffung begleitet und spricht von „einer kleinen, aber extrem solide gearbeiteten Tzschöckel-Orgel“. Das Instrument aus den 70er Jahren, das in Michelbach seinen nunmehr dritten Standort gefunden hat, sei vollmechanisch und werde noch lange seinen Dienst tun („Man braucht keine Elektronik, kein Display, das ist ein Vorteil“). Auch von der Höhe habe sie in Michelbach genau gepasst, sagt Dücker.

Zweite Orgel ist jetzt „städtisch“

Die evangelische Kirchengemeinde Gaggenau hat sich noch von einer weiteren Orgel getrennt: Das Instrument aus dem (bald nicht mehr benötigten) Gemeindezentrum Ottenau hat in der Einsegnungshalle am Waldfriedhof einen neuen Platz gefunden, es steht nunmehr in städtischen Diensten. Die Protestanten waren laut Rathaus auf die Stadt zugekommen, da es ihr Wunsch war, auch die Orgel aus Ottenau in Gaggenau zu behalten. „Diesem Wunsch sind wir natürlich gerne nachgekommen. Bezüglich des Standorts war der Waldfriedhof Gaggenau gemeinsame erste Wahl“, sagt die Pressestelle der Stadtverwaltung auf BNN-Nachfrage. Die sechs Register zählende und rund 30 Jahre alte Orgel hat in der Kapelle des Waldfriedhofs die Elektro-Orgel ersetzt; bei Trauerfeiern gebe es inzwischen eine deutlich klangliche wie auch optische Verbesserung, freut man sich im Rathaus.

Stadtkasse zahlt nur Nebenkosten

Kaufkosten entstanden der Stadtkasse im Übrigen nicht: Die Orgel selbst sei der Stadt von der evangelischen Kirchengemeinde geschenkt worden; die Stadt musste nur für die Nebenkosten aufkommen, also für den Abbau, Transport, den Wiederaufbau, für das Stimmen sowie das Versetzen der Heizkörper und für die Malerkosten. Übrigens: Die Orgel steht an ihrem neuen Platz leicht schräg – das sei aber kein Versäumnis, sondern habe akustische Gründe, klärt die Stadtverwaltung auf.