Goodyear Philippsburg Protest
WIR SIND GOODYEAR: Für eine Protestaktion gegen die geplante Schließung des Goodyear-Reifenwerks in Philippsburg wurden Porträts von Mitarbeitern am Zaun angebracht. | Foto: str

Werksschließung geplant

Goodyear Philippsburg: Die Hoffnung schwindet

Beim von der Schließung bedrohten Goodyear-Reifenwerk in Philippsburg haben Verhandlungen über einen Sozialplan begonnen. Das bestätigten Arbeitgeber- sowie Arbeitnehmervertreter der Bruchsaler Rundschau. Bislang hatte die Arbeitnehmerseite förmliche Sozialplan-Verhandlungen für die knapp 900 Beschäftigten strikt abgelehnt und auf den Erhalt des Reifenwerks beharrt.

Die Arbeitnehmerseite hatte bisher großen Wert darauf gelegt:  Lediglich „Sondierungsgespräche“, aber keine Verhandlungen, die die Schließung des Standorts beinhalten, wollte man führen. Stattdessen legten Betriebsrat und die Industriegewerkschaft BCE ein Konzept vor, das unter anderem eine sozialverträgliche Reduzierung um rund 200 Arbeitsstellen, etwa durch Altersteilzeitmodelle, vorsah.

Goodyear-Sprecherin bestätigt Verhandlungen

Mit dem Eintritt in die Sozialplan-Verhandlungen, die seit Montag in einem Tagungshotel in Speyer stattfinden,  erscheint der Erhalt des Traditionsstandorts mit 50-jähriger Geschichte immer unwahrscheinlicher. Karsten Rehbein, Karlsruher Gewerkschaftssekretär der IG BCE, betonte auf Anfrage der Rundschau, dass man trotz der Verhandlungen weiterhin den Erhalt anstrebe. Gegen Ende dieser Woche wolle sich die Arbeitnehmerseite in einer Pressemitteilung ausführlicher zum aktuellen Stand äußern.


Ein BNN-Video von der öffentlichen Betriebsversammlung zur geplante Werksschließung in Philippsburg gibt es hier:

Goodyear-Chef im Gemeinderat: Emotionales Zusammentreffen

Emotionale Szenen in #Philippsburg: In einer Sondersitzung des Gemeinderates hat sich #Goodyear-Chef Jürgen Titz erstmals öffentlich zur geplanten Werksschließung geäußert und die radikale Maßnahme als "alternativlos" verteidigt. Bei der von Bürgermeister Stefan Martus initiierten Veranstaltung mit Hunderten Bürgern kam es am Dienstagabend auch zur Konfrontation mit Arbeitnehmern und Angehörigen. Der US-Reifenkonzern will sein Philippsburger Werk mit 890 Beschäftigten bis Ende 2017 schließen.

Posted by BNN – Badische Neueste Nachrichten on Mittwoch, 9. November 2016


Auch auf der Arbeitgeberseite gibt man sich zurückhaltend. Eine Sprecherin der Goodyear-Zentrale in Hanau bestätigte die Sozialplan-Verhandlungen und teilte mit: „Die Inhalte der Gespräche, die wir mit den Arbeitnehmervertretern führen, behandeln wir selbstverständlich vertraulich. Es ist unser Ziel, gemeinsam Lösungen für alle betroffenen Mitarbeiter zu finden und ihnen weitere angemessene Unterstützungsleistungen anzubieten.“ Welche Unterstützung angemessen ist, ist Thema der weiteren Verhandlungen.

Realistisch betrachtet, sind die Würfel gefallen

In Verwaltung und Politik geht man nicht mehr davon aus, dass der Standort erhalten werden kann. Vorsichtig formuliert es Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus: „Auch wenn am Ende des Tages womöglich die Aufgabe des Standortes steht, lohnt es sich definitiv zu kämpfen, damit der Sozialplan den betroffenen Arbeitnehmer den bestmöglichen Übergang ermöglicht. „Realistisch betrachtet, sind die Würfel gefallen“, sagte der Bundestagsabgeordnete Olav Gutting (CDU). Trotzdem müsse der öffentliche Druck aufrechterhalten bleiben. „Goodyear muss seiner sozialen Verantwortung gerecht werden“, so Gutting, der von dem Unternehmen „einen gut dotierten Topf für Abfindungen und Qualifizierungsmaßnahmen und weitere Hilfen“ fordert.

Goodyear
Goodyer-Dunlop-Werk in Philippsburg | Foto: Schmidhuber

Größter Arbeitgeber in Philippsburg

Goodyear, der größte Arbeitgeber in Philippsburg, hatte die Schließungspläne völlig überraschend im vergangenen Oktober angekündigt und dies mit strategischen Überlegungen begründet. Der US-Konzern mit Hauptsitz in Akron (Ohio) hat weltweit rund 66 000 Mitarbeiter, darunter 7 600 in Deutschland. Neben Philippsburg werden Reifen auch in Hanau, Fürstenwalde, Wittlich, Riesa und Fulda produziert.