Einen Abhang hinunter bis an einen Baum rutschte ein 21-jähriger Autofahrer in der Nacht zum Freitag, als er auf einen Wirtschaftsweg zwischen Weingarten und Jöhlingen wohl eine Kurve zu schnell anfuhr. Ein Mitfahrer verletzte sich schwer. | Foto: Fabian Geier / 7aktuell

Schwerer Unfall um Mitternacht

21-jähriger Autofahrer prallt im Mauertal gegen einen Baum

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Bei einem Verkehrsunfall in der Nacht zum Freitag wurden auf einem Wirtschaftsweg zwischen Weingarten und Jöhlingen drei Personen verletzt, eine davon schwer, berichtet die Pressestelle des Polizeipräsidiums in Karlsruhe.

Zu schnell unterwegs?

Nach den ersten Erkenntnissen der Polizei hatte der – vermutlich ortskundige – 21 Jahre alte Fahrer des Pkw den für den üblichen Straßenverkehr nicht geöffneten Wirtschaftsweg durchs Mauertal zur Umfahrung der gesperrten Jöhlinger Straße in Weingarten genutzt, um nach Jöhlingen zu kommen. Laut Polizei fuhr er wahrscheinlich zu schnell und kam kurz vor Mitternacht von dem Weg ab, rutschte mit dem Wagen eine Böschung hinunter und prallte an einen Baum.

Mitfahrer schwer verletzt

Der Fahrer und eine 17-jährige Mitfahrerin erlitten dabei nach Mitteilung der Polizei leichte Blessuren. Ein weiterer Mitfahrer im Alter von 29 Jahren wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gefahren. Am Fahrzeug entstand Totalschaden in Höhe von etwa 6 000 Euro. Der Unfallwagen wurde abgeschleppt.

Wirtschaftsweg ungeeignet.

„Dieser Unfall belegt für mich, dass es richtig ist, den Wirtschaftsweg nicht als Umfahrungsstrecke während der Bauzeit in der Jöhlinger Straße freizugeben“, sagte der Weingartener Bürgermeister Eric Bänziger am Freitag auf Anfrage: „Die Situation ist gefährlich, und die Gefahren sind nicht beherrschbar.“ Die verbotene Strecke werde trotz Verbots befahren, und trotz regelmäßiger Kontrollen gelinge es nicht, den Umfahrungsverkehr  aus der Strecke durchs Mauertal herauszuhalten. Zumal, wie Bänziger festgestellt hat, Navigationsgeräte diese Strecke als Umfahrung der Baustelle anzeigten.  Dies erkenne man unter anderem auch daran, dass zahlreiche Autos, die nach ihren Kennzeichen nicht aus dem Landkreis kommen, dort unterwegs seien.

Kurve unterschätzt

Der 21-Jährige Fahrer habe wohl eine Rechtskurve auf der Strecke unterschätzt, heißt es in einer Mitteilung der Feuerwehr. So sei er mit seinem Fahrzeug geradeaus den Abhang hinunter geschossen. Da das Unfallwrack vom Feldweg aus nicht zu sehen war und sich die Unfallstelle im Weinbergsgebiet befand, sei die Anfahrt der Einsatzkräfte schwierig gewesen.

Zwei Passagiere befreiten sich selbst

Glücklicherweise, so die Feuerwehr, wurde keiner der Verletzten eingeklemmt, und alle konnten sich selbstständig retten und den Abhang nach oben klettern. Der Rettungsdienst war mit zwei Rettungswagen und einem Notarzt sowie da örtlichen Notfallhilfen aus Weingarten und Jöhlingen im Einsatz. Die Polizei war mit mehreren Streifenwagen an der Unfallstelle.

Wrack mit Winde geborgen

Die Bergung des Fahrzeugs übernahm ein Abschleppunternehmen. Das Fahrzeug musste mit einem Kran und einer Seilwinde nach oben gezogen werden.

Runder Tisch im Januar

Die Umfahrung der gesperrten Jöhlinger Straße ist seit Monaten ständiges Diskussionsthema bei den von den Umleitungen betroffenen Nachbarn Walzbachtal und Pfinztal, die weite Umgehungen oder höheres Verkehrsaufkommen verkraften müssen. Mit Landrat Christoph Schnaudigel als Mediator haben die beteiligten Gemeindeoberhäupter und Behörden sich darauf geeinigt, mögliche Verbesserungen abzuprüfen und neu zu beraten, ob eine Umfahrung über den Wirtschaftsweg im Mauertal möglich wäre. Die Teilnehmer dieses „runden Tischs“ hat der Landrat zu einem neuerlichen Arbeitsgespräch an 23. Januar gebeten.

Von Dietrich Hendel

 

Kommentar
Das beschauliche Mauertal zwischen Jöhlingen und Weingarten hat es zu einer gewissen regionalen Bedeutung gebracht. Es steht bekanntlich im Mittelpunkt eines temporären Verkehrsproblems, das die Beziehungen dieser beiden Gemeinden und des Nachbarn Pfinztal beeinträchtigt. So sehr, dass sich der Landrat als Mediator verdingt, um bei der Lösung des zeitweisen Verkehrsproblems – es geht zugegebenermaßen noch um knapp zwei Jahre – wie Alexander der Große den Gordischen Knoten zu zerschlagen. Ob das gelingt?
Die Gemeinde Weingarten hat detail- und kenntnisreich der Nutzung des Mauertals als Umleitungsstrecke widersprochen. Die sich bei den Landkreisbemühungen abzeichnenden Prüfungsergebnisse in der Sache werden deshalb vor Ort gespannt erwartet. Der Unfall in der Nacht zum Freitag ist da noch nicht eingearbeitet. Er dürfte aber die Argumentation aus Weingarten stärken.                                                                                        Matthias Kuld