Klaus Demal lenkte 27 Jahre die Geschicke der Großen Kreisstadt Stutensee. Jetzt geht er in Ruhestand.
Klaus Demal lenkte 27 Jahre die Geschicke der Großen Kreisstadt Stutensee. Jetzt geht er in Ruhestand. | Foto: Lother

Klaus Demal in Ruhestand

27 Jahre Chef im Rathaus Stutensee

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Ganz überraschend hat Klaus Demal Mitte März angekündigt, seine eigentlich noch zwei Jahre laufende Amtszeit als Oberbürgermeister von Stutensee aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig zu beenden (die BNN berichteten). Sein Verzicht löste in der Stadt und im Landkreis Bedauern aus. Stutensee muss nun innerhalb von drei Monaten ein neues Stadtoberhaupt wählen. Am 10. Mai, der auf Christi Himmelfahrt fällt, ist offiziell Demals letzter Arbeitstag. Erinnerungen an mehr als 30 Jahre Bürgermeisterarbeit, davon 27 in Stutensee, wie auch ein Ausblick auf die neue Lebensphase sind Gegenstand dieses Interviews zum Ende seiner.

Herr Oberbürgermeister, wie geht es Ihnen jetzt, nachdem Sie Ihren Amtsverzicht vor einem Monat ausgesprochen und Ihren letzten Arbeitstag vor sich haben?

Demal: In der täglichen Arbeit haben sich keine maßgeblichen Änderungen ergeben. Die weiterhin vielen Termine habe ich bis zum Schluss wahrgenommen. Die Stellvertretung bis zur Wahl ist gewährleistet. Vor wenigen Tagen habe ich meine letzte Gemeinderatssitzung geleitet. Nach 27 Jahren in Stutensee und 31 Jahren insgesamt als Bürgermeister war das schon ein besonderer Moment. Aber bislang hatte ich noch keine Zeit, weiter darüber nachzudenken.

Ihre Entscheidung kam ganz unvermittelt und verkündete ein Ende in gerade mal vier Wochen. Warum so schnell?

Demal: Ich musste in der vergangenen Zeit einige gesundheitliche Einschränkungen hinnehmen. Auf ärztlichen Rat nach einem Herz-Kreislauf-Check musste ich dann diese Entscheidung treffen, mein Amt aufzugeben. Das ist mir natürlich sehr schwer gefallen.

Wenn Sie Ihre 27 Stutenseer Amtsjahre als Bürgermeister und Oberbürgermeister betrachten: Was hat Sie am meisten enttäuscht?

Demal: Enttäuschungen gab es eher wenige. Es war oft nicht einfach, dem langfristigen Wohl der gesamten Stadt und gleichzeitig den Interessen möglichst vieler Menschen gerecht zu werden. Besonders schön für mich war, wenn nach harter Arbeit etwas vollendet wurde. Indem wir gemeinsam in vielen Bereichen an einem Strang gezogen haben, konnten wir für unsere Stadt viel erreichen. Ich danke dem Gemeinderat, den Ortschaftsräten und meinen Mitarbeitern sehr, dass durch eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Arbeit viele Erfolge für die Stadt erzielt werden konnten. Mein Dank gilt auch allen Institutionen und allen Ehrenamtlichen, die uns unterstützt haben.

Was hätten Sie gerne noch erreicht?

Demal: Das Stutenseebad hätte ich gerne noch eingeweiht. Da liegen wir voll im Zeit- und Kostenplan. Vor kurzem haben wir den Baufortschritt mit dem Gemeinderat begutachtet. Ich freue mich auf das neue Bad, das insbesondere für Familien, Schulen und Vereine ein wirklich gutes Angebot sein wird, wenn es im September in Betrieb geht.

Stutensee hat sich in Ihrer Amtszeit einwohnermäßig und infrastrukturell kräftig entwickelt. Was war über die ganze Amtszeit betrachtet die wichtigste und nachhaltigste Entscheidung?

Demal: Es fällt schwer, aus einer Amtszeit von 27 Jahren einzelne Ereignisse herauszugreifen. Ein Meilenstein für die Entwicklung Stutensees, auch im Hinblick auf das Zusammenwachsen der Stadtteile, war zweifellos der Bau der Stadtbahn nach Blankenloch und deren Weiterführung über Friedrichstal bis nach Spöck. Dieser nur gemeinsam zu erreichende Erfolg brachte zahlreiche positive Entwicklungen in vielen Bereichen mit sich, von denen Stutensee bis heute nachhaltig profitiert.

Wohin sollte sich Stutensee Ihrer Meinung nach in den nächsten zwei Jahrzehnten entwickeln?

Demal: Über die Auszeichnung Stutensees als „Familienbewusste Kommune Plus“ im Jahr 2015 habe ich mich sehr gefreut. Dieses Prädikat ist Nachweis unserer kontinuierlichen Arbeit über Jahre hinweg für Familien, Kinder, Jugendliche und Senioren. Dieser Schwerpunkt und diese ganz bewusste Zielsetzung sehe ich als zentrale Gemeinschaftsleistung der vergangenen Jahre. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch das Jugendzentrum und die Familienzentren, die Erweiterung des Schulzentrums und der Neubau des Stutenseebads. Ich würde mich freuen, wenn dieser Schwerpunkt bei der weiteren Entwicklung Stutensees beibehalten und kreativ weiter entwickelt würde.

Was kommt nun? Steigen Sie aus der Kommunalpolitik ganz aus? Werden Sie nächstes Jahr noch einmal ein Mandat im Kreistag anstreben?

Demal: Das wird sich zeigen. Zunächst muss ich meiner Gesundheit Vorrang einräumen. Wie es im Kreistag und im Ehrenamt weiter geht, entscheide ich, wenn es soweit ist.

Welche Ideen für Ihren Ruhestand haben Sie schon entwickelt? Und: Bleiben Sie in Stutensee?

Demal: Besondere Pläne habe ich noch keine. Zum Pläneschmieden war noch keine Zeit. Natürlich ist auf privatem Gebiet über die Jahre vieles liegen geblieben. Wichtig ist mir, für meine Familie und meine 93-jährige Mutter mehr Zeit zu haben. 1991 kam ich in der Hoffnung nach Stutensee, hier mein Zuhause zu finden. Heute, 27 Jahre später, kann ich sagen, dass sich diese Hoffnung mehr als erfüllt hat. Stutensee ist meine Heimat, hier bin ich mit meiner Frau zuhause. Mit meiner Familie fühle ich mich hier sehr wohl, und ich freue mich darauf, unsere schöne Stadt nun auch mal, zum Beispiel mit dem Rad, unter der Woche genießen zu können.