"Mein Baum fürs Land": Symbolische Pflanzaktion in Pfinztal mit Markus Ringwald, Achim Kirchenbauer (hinten), Frank Hörter, Nicola Bodner, Matthias Köpf, Jörg Menzel, Klaus-Helimar Rahn und Martin Moosmayer (von links). | Foto: Klaus Müller

Schäden auf 600 Hektar

40 Millionen Euro für den Erhalt des Walds

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Die Bemerkung von Bürgermeisterin Nicola Bodner, dass man nun schon zwei Bäume pflanzen würde und das noch kostenlos, beschreibt durchaus eine Situation, die alles andere als spaßig für die Kommunen werden könnte. Symbolisch griff die Pfinztaler Rathauschefin gemeinsam mit Jörg Menzel, Leiter des Dezernates Umwelt und Technik im Landratsamt, und Revierförster Matthias Köpf bei der Aktion „Mein Baum für’s Land“ zu den Spaten; flankiert von Forstamtsleiter Martin Moosmayer, Gemeinderäten und Vertretern der Verwaltung. Zwei Jungbaumpflanzen, eine Elsbeere und eine Eiche, wurden in den Pfinztaler Gemeindewald gepflanzt.

Von Klaus Müller

Mit dieser Aktion unter dem Motto „Mein Baum für’s Land“ soll bundesweit ein Ausrufezeichen für den Erhalt der Wälder gesetzt werden. Die Aktion in Pfinztal stand stellvertretend für die Unterstützung im Landkreis Karlsruhe. Dass es sich bei dem Vorhaben allenfalls um einen „Baum auf viel zu heißen Boden“ handelt, zeigt ein Blick auf die Entwicklung des Waldes (nicht nur) in der Region. Die Dürreperioden der vergangenen Jahre – erinnert sei nur an 2018 und an dieses Jahr – in Kombination mit Schädlings- und Pilzbefall setzen dem Wald heftig zu.

Schuld ist der Klimawandel

Außer Frage steht es für den Forstexperten Moosmayer, dass die Schadenslage durch den Klimawandel bedingt sei. In diesem Zusammenhang sprach er von Folgen in einem seit 2003 nicht gekanntem Ausmaß. Der Forstamtsleiter rechnet allein für 2019 mit einem Schadholzbestand von rund 190 000 Kubikmeter.

Die eigentliche „Schadensrechnung“, die von den Waldbesitzern (also auch den Kommunen) beglichen werden muss, steht aber noch aus. Etwa 600 Hektar Wald im Landkreis weisen laut Moosmayer erhebliche Schäden auf. 200 Hektar davon müssten neu aufgeforstet werden. Rund 600 000 Baumpflanzen würden für die Aufforstung von 200 Hektar benötigt – so dass am Ende pro Hektar eine ausreichende Zahl überlebt.

Holzpreise im freien Fall

Alles in allem rechnet die Forstverwaltung mit Kosten in Höhe von zehn Millionen Euro. Ein Drittel davon entfiele auf den Gemeindewald. Die Folge: „Wir gehen davon aus, dass so gut wie keine Kommune in nächster Zeit schwarze Zahlen bei der Waldbewirtschaftung erzielen wird“, sagte Moosmayer. Erschwerend kämen starke Einbrüche auf dem Holzmarkt – Preise im freien Fall – hinzu. Bund und Land, wie lautstark von den entsprechenden Stellen verkündet wurde, wollen „viel Geld“ für den Erhalt des Waldes in die Hand nehmen.

40 Millionen sind derzeit in Baden-Württemberg vorgesehen – Gelder, die laut Forst aber noch gar nicht in den Haushalt eingestellt worden seien. Gleiches gelte für die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner beim „Nationalen Waldgipfel“ versprochenen „Milliarden für die Wälder“. Nimmt man all das zusammen, lässt sich bei der Baumpflanzaktion bestenfalls von einem „symbolischen Tun“ sprechen. „Dabei soll auch auf die wichtige Bedeutung des Waldes aufmerksam gemacht werden“, befand Menzel.

Dankbar für jeden Baum

Der Ort, den sich die Protagonisten mit Schaufel und gutem Willen dafür ausgesucht hatten, war gut gewählt. In diesem Bereich habe es vormals Fichten gegeben, erinnerte Revierförster Matthias Köpf. Die meisten wurden von Schädlingen befallen und mussten gefällt werden. Immerhin, Pfinztal darf sich nun über zwei kostenlose Jungbäume freuen. „Jeden Baum, den wir so bekommen können, nehmen wir natürlich gerne“, meinte Bürgermeisterin Nicola Bodner.