Noch ist dieser Storch allein, der im Vogelpark in Linkenheim lebt. Die Zugvögel, denen eine ausgeprägte Nesttreue nachgesagt wird, kommen ab Ende Februar aus dem Süden zurück. Foto: Stieb

Revierstreit unter Störchen

Adebare lieben ihre vertrauten Nester

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Ein Storchennest wurde abgesägt. Vandalismus im Vogelpark? Auf den ersten Blick wohl so einschätzbar. Aber manchmal ist etwas eben doch anders, als man zunächst vermutet: Im Friedrichstaler Vogelpark sei ein Storchennest abgesägt worden, berichtet ein aufgeregter Leser. Um wenig später seine Sorge zu relativieren. Es habe sich erwiesen, dass der Verein der Natur- und Vogelfreunde, der den Park in der Heglachaue unterhält, selbst Hand angelegt hat, um das Storchennest im Hühnergehege am südlichen Rand des Vogelparks zu beseitigen.

Ein Horst wird umgesiedelt

Die Störche, die sich schon allmählich daran machen, ihre Horste aufzufrischen, sollen nämlich umgesiedelt werden. Auf relativ kurzem Abstand zu einander leben vier Storchenpaare im Friedrichstaler Vogelpark. Dies sei ziemlich eng, heißt es auf der Internetseite des Vereins. Vor allem sei es immer wieder zu Revierkämpfen unter den großen Vögeln gekommen, vorwiegend zum Nachteil solcher Tiere, die flugbehindert seien. Und deshalb wollten die Verantwortlichen für die bald wieder brütenden Adebare – nach Rücksprache mit den Naturschutzbehörden im Landratsamt und beim Regierungspräsidium – etwas mehr Raum schaffen, indem sie einen Horst entfernten.

Neues Nest auf dem Oskar-Hornung-Haus

Dazu wurde ein früher von Störchen genutztes Nest auf dem Dach des Oskar-Hornung-Hauses – gar nicht weit weg vom Park – reaktiviert, weil für ein zu beseitigendes Nest Ersatz geschaffen werden muss. Erst nachdem diese Alternative geschaffen worden sei, habe man das „alte“ Nest abgebaut, heißt es bei den Vogelfreunden weiter.

Revierkämpfe unter Störchen sind nichts Ungewöhnliches

Revierkämpfe unter den Störchen? „Das ist nichts Ungewöhnliches“, sagt Hermann Geyer. Der Vorsitzende des Vereins für Vogel- und Naturschutz in Dettenheim (VVND), der auf seinem Gelände einige Brutpaare hat, erzählt davon, wie eine Storchendame eine Konkurrentin sozusagen weggebissen hat: „Die Störchin, die sich vorher mit einem Storch den Platz geteilt und bebrütet hat, kam in einem Jahr später aus dem Süden zurück, und ihr bisheriger Partner hatte eine andere Störchin bei sich. Das wollte die bisherige Partnerin nicht zulassen und setzte sich gegen die Nebenbuhlerin durch.“ Und: Bei Störchen wiege die Nesttreue oft höher als die Partnertreue.

Jungvögel messen sich mit Konkurrenten

Auch unter Jungvögeln, die sich ein Nest suchten oder zwischen eingesessenen Brutpaaren und jungen, brutwilligen Storchenpaaren gebe es immer wieder Konkurrenz, die zu Auseinandersetzungen führten, berichtet Geyer. Oder auch, wenn manche Vögel später aus dem Süden zurückkehrten und ihr angestammter Platz belegt sei, kämpften diese gegen die „Besetzer“: „Das ist normal.“

Auch unter Störchen gibt es eine gewisse Wohnungsnot

Umsiedelungen habe der VVND ebenfalls schon vorgenommen, wenn etwa ein Mast, auf dem ein Nest liegt, beschädigt war. Dann wurde an anderer Stelle ein neuer aufgestellt. „Ein Storchennest zu beseitigen, ohne eine Alternative zu schaffen, wäre nicht gut, zumal es auch unter Störchen einen gewisse Wohnungsnot gibt“, meint Geyer.

Vogelpark in Leopoldshafen hat immer Sommergäste

Arnold Koch, der Chef der Vogelfreunde in Leopoldshafen, die dort den Vogelpark (der wird in drei Jahren 60 Jahre alt) unterhalten, kann sich unterdessen nicht an Revierkämpfe erinnern: „Das habe ich noch nicht erlebt“, sagt er. Im Leopoldshafener Park sei ein Paar ständig da, auch über Winter, einige Paare kämen wieder, ebenso wie Jungstörche, die nach ihrem ersten Lebensjahr in die ehemalige Heimat zurückkehrten: „Wir haben immer einige Sommergäste in unserem Vogelpark.“

Ob wohl ein Paar aufs Dach des Heimatmuseums zieht?

Auf dem Dach des Heimatmuseums in Leopoldshafen haben jetzt eifrige Feuerwehrleute das dort schon länger installierte, aber bisher nicht genutzte Storchennest aufgefrischt und ausgepolstert in der Hoffnung, dass dort alsbald ein Storchenpaar Wohnung nimmt.

Der Weißstorch
Weißstörche stehen unter Schutz, auch wenn es heute – wieder – deutlich mehr Brutpaare insbesondere in den Rheinauen und in der Hardt oder auch andernorts gibt. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit mussten spezielle Programme aufgelegt werden, um den Weißstorch wieder in dieser Gegend heimisch zu machen. Dies hat ganz offensichtlich Erfolg gebracht, denn in Friedrichstal fühlen sich Störche ebenso wohl wie etwa in Leopoldshafen oder in Linkenheim. Eine imposante Spannweite von über zwei Meter zeichnet den Storch aus, wenn er durch die Luft gleitet. Zwischen zweieinhalb und viereinhalb Kilo werden die Tiere schwer und bis zu einem Meter lang. In ihren Nestern in luftiger Höhe auf (alten) Bäumen, Dächern, manchmal Kaminen wie auch auf künstlich angelegten Stützen brüten sie zwei bis sieben Eier aus. Es dauert etwa 30 Tage, bis die Jungen schlüpfen, die danach noch etwa zwei Monate im Nest versorgt werden, ehe sie flügge werden.