Unzufrieden mit der Leistung der AVG auf der Strecke S51/52 (hier der Bahnhof Wörth) ist der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel. Bei der AVG hält man die Vermengung der Kosten mit der Leistung nicht für angebracht.
Unzufrieden mit der Leistung der AVG auf der Strecke S51/52 (hier der Bahnhof Wörth) ist der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel. Bei der AVG hält man die Vermengung der Kosten mit der Leistung nicht für angebracht. | Foto: jodo

Stadtbahn-Streit

Ärger in der Südpfalz über die AVG

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Der Ärger in der Südpfalz über die Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) wird immer größer. Aktuell geht es um Mehrkosten bei der Beschaffung neuer Stadtbahnfahrzeuge. Die AVG hat diesbezüglich eine Rechnung an den Landkreis Germersheim, in dem die AVG die Linien aus Karlsruhe nach Wörth und Germersheim betreibt, versandt. Und wegen dieser Rechnungen ist der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel – nimmt man den Tenor einer diesbezüglichen Pressemitteilung – stinksauer. Der Landkreis sowie die Kommunen Germersheim, Wörth, Jockgrim, Rülzheim und Bellheim sollen knapp 600 000 Euro an Mehrkosten übernehmen. Über eine „derartige Preissteigerung“ sei man nicht informiert worden. Es sei lediglich die Überweisung ins Haus gekommen.

Kreis Germersheim setzt die Zahlungen aus

Laut Brechtel seien die Kosten für 3,3 Fahrzeuge 2009 und 2012 mit 14,2 Millionen benannt worden. Jetzt sei man bei 15,2 Millionen angelangt, von denen allerdings gut 400 000 Euro wegen Lieferverzögerung abgezogen werden können. Für den Rest von knapp 600 000 Euro soll nun die Südpfalz zahlen. Auf Nachfrage, wie es zu der Kostensteigerung komme, habe die Verwaltung von der AVG eine Kostenaufstellung erhalten. Der Kreis setzt jetzt die Zahlung aus.
Der Ärger in der Pfalz hat seine tiefere Ursache wohl in der andauernden Unzufriedenheit über die Leistung der AVG auf der Strecke S 51/52. Landrat Brechtel nennt Zugausfälle, Verspätungen sowie die unzuverlässige Übertragung der Fahrgastinformationen.

Gebhart und Brandl fordern, die Partnerschaft zu prüfen

An die Klage des Landkreises schließen sich der Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart und der Landtagsabgeordnete Martin Brandl (beide CDU) an. Sie fordern, die Partnerschaft des Kreises mit der Betreibergesellschaft AVG auf den Prüfstand zu stellen. Seit Jahren würden Maßnahmen versprochen, um Zuverlässigkeitsprobleme zu beheben. Hierfür gebe die AVG immer wieder unterschiedliche und neue Begründungen ab. Die beiden Abgeordneten kritisieren ihrer Mitteilung zufolge insbesondere, dass über gravierende Missstände nicht informiert wurde. So hatte die AVG beispielsweise im November 2016 eingeräumt, dass eine massive Fehlzahl an Personal zu weiteren Problemen bis Ende 2017 führen werde. Zehn Monate zuvor hatte die AVG den Abgeordneten noch zugesichert, dass bis zum März 2016 ausreichend Personal ausgebildet sein würde.

… und was sagt die AVG?

Dort kann man sich den Unmut in Germersheim nicht erklären. Es gebe einen Vertrag über die Fahrzeugbeschaffung mit den von Landrat Brechtel genannten Zahlen – und einem Passus über denkbare Kostensteigerungen. Aus AVG-Sicht sei alles „normal“ gelaufen. Zudem hält man die Vermengung der Kosten mit der Qualitätsfrage bei der AVG in diesem Fall für nicht angezeigt.

… und der Kreis Karlsruhe?

„Wir haben dieses Problem mit den Mehrkosten nicht“, sagt Landrat Christoph Schnaudigel. Nach intensiven Verhandlungen wegen diverser Differenzen mit der AVG habe der Kreistag 2016 einen präzisen Vertrag beschlossen, der auch das Thema „Preise für Neufahrzeuge“ beinhaltet. Es sei klar, dass der Landkreis nicht mehr als vereinbart zahlen müsse, betont Schnaudigel. Im Gegenteil: Wenn die AVG Zuschüsse für Neufahrzeuge erhalte, schlügen sich diese positiv auf den vom Kreis Karlsruhe zu zahlenden Anteil nieder.