Auf eine baldige Lösung hofft auch der Getränkehandel Wagner, der wie andere Betriebe im Gewerbegebiet „Hoffmanns Seite“ unter Umsatzeinbußen leidet. | Foto: Arnd Waidelich

Seit Sperrung in Weingarten

Alle Betriebe melden Umsatzeinbußen

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Bürgerversammlung in Walzbachtal am 4. Juli in der Jahnhalle, zwei Tage nach dem offiziellen Beginn der Sperrung der Jöhlinger Straße: Ein Bürger steht auf und bittet die Walzbachtaler, Einzelhandel und Betriebe in dem kleinen Gewerbegebiet „Hoffmanns Seite“ am westlichen Jöhlinger Ortsrand trotz der Sperrung weiter zu besuchen und zu unterstützen. Penny, dm, Getränkemarkt und Weingut seien sonst durch Umsatzeinbußen  in ihrer Existenz gefährdet.

Umsatzeinbußen von 20 Prozent

Inzwischen steht fest: Die Sorgen waren berechtigt, wenn auch nicht in dem befürchteten Ausmaß. Umsatzeinbußen melden dort alle Betriebe. Das Weingut Schäfer, ehedem in der Jöhlinger Straße in Weingarten beheimatet, ist davon nicht ausgenommen. Thomas Schäfer empfindet die Sperrung als große Belastung, weil Kunden aus dem Westen nur noch schwer den Weg zu ihm finden. Der Seniorchef ist dennoch nicht begeistert von der Idee, die Feldwege als Umleitungsstrecke freizugeben. Das habe immer wieder im Begegnungsverkehr mit den großen landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu Spannungen geführt.
Nachbar Gerd Wagner sieht das anders. Er plädiert für die völlige Öffnung des Mauertals. Mehrere hundert Kunden aus Weingarten und Stutensee seien von ihm abgeschnitten. Die Umsatzeinbuße seines Getränkehandels beziffert er mit rund 20 Prozent. Er habe sowohl bei Eric Bänziger wie bei Karl-Heinz Burgey auf eine Lösung gedrängt. Während der Weingartener Bürgermeister eher hinhaltend reagiert habe, sei er beim Walzbachtaler Bürgermeister auf großes Verständnis gestoßen. Weniger betroffen zeigt sich Diana Küntzle. Die Backhaus-Chefin im Sallenbusch sieht eine Beeinträchtigung nur tagsüber. Abends laufe das Geschäft wie zu normalen Zeiten. Unzureichend findet sie die Beschilderung. An der entscheidenden Stelle fehle in Jöhlingen an der B293 ein Hinweis, dass ihr Backhaus ohne jegliche Einschränkung erreichbar sei.

Hoffnung auf Termin im Landratsamt

In der Walzbachtaler Gemeindeverwaltung macht man sich derweil Gedanken, wie man den gordischen Knoten durchhauen könnte. Während einer Gemeinderatssitzung sparte der Bürgermeister nicht mit Kritik an seinem Amtskollegen und bezeichnete die lange Sperrung als „nur schwer nachvollziehbar und nicht plausibel dargelegt.“ Gegenüber den BNN bestätigte Burgey, dass „die Gemeindeverwaltung die örtlichen Betriebe zu den Folgewirkungen der Straßensperrung L 559 befragen wird“. Vorgesehen ist ein Zeitraum Ende Oktober, Anfang November, damit belastbare Erfahrungswerte vorliegen. Ansonsten wolle er abwarten, was das für Montag terminierte Gespräch im Landratsamt ergeben wird.

Die Gastronomie leidet

Darauf setzt auch Bernd Bechtold. Der in Jöhlingen wohnende und als Investor im Jöhlinger Gewerbegebiet „Hofmanns Seite“ aktive ehemalige IHK-Präsident empfindet es als „völlig inakzeptabel, dass eine Hauptverbindung der Region drei Jahren nicht genutzt werden kann und nichts unternommen wird, um den Menschen eine Alternative anzubieten“. Die Gastronomie leide. Das gesamte Weingartener Oberdorf falle als Kunden für den Jöhlinger Westen weg. Mehr als 8 000 Menschen auf eine täglich bis zu 20 Kilometer lange Ausweichstrecke zu zwingen, erzeuge nicht nur eine große zeitliche und wirtschaftliche Belastung der Betroffenen, sondern verursache auch immensen zusätzlichen Kohlendioxidausstoß. Die Verantwortlichen seien in der Pflicht, endlich etwas zu tun.

Wohin mit dem Verkehr?

Die Öffnung der Mauertaltrasse sei „eine hervorragende Möglichkeit, den Verkehr aufzunehmen“, so Bechtold. Sie sei entgegen allen Bedenken breit genug für Begegnungsverkehr, sofern man es einigermaßen langsam mit dem Auto angehen lasse. Der Verkehr müsse auch nicht nach dem Mauertal über den kurvenreichen Weg am Bittberg geleitet werden, sondern könne in der geraden Verlängerung der Mauertaltrasse bis zum asphaltierten Weg fahren, der von der Wüste zum Jöhlinger Naturfreundehaus führt. Die Ausbaukosten dieser kurzen Strecke müssten sich Pfinztal, Walzbachtal und Weingarten teilen.

Arnd Waidelich