Alljährlich bauen die Amphibienschützer in Stutensee ihre Krötenzäune auf. Während in Weingarten schon Gras- und Springfrösche wandern, sind die Erdkröten in Stutensee noch nicht aktiv. | Foto: pr

Springfrösche in Weingarten

Amphibien brauchen schon wieder Hilfestellung

 

Von Marianne Lother

Eine Woche nach dem kalendarischen Winterbeginn, rief der Kreisökologe Hans-Martin Flinspach bei der Straßenmeisterei an und bat, den Amphibienzaun an einigen Abschnitten der Bundesstraße zwischen Grötzingen und Weingarten wieder aufzustellen. Einen Tag später stand der Zaun, und am Abend des 30. Dezember 2017 entdeckte Flinspach die ersten vier Tiere, am 3. Januar zählte er bereits 120. Die Wanderung der Gras- und Springfrösche von den Bergwäldern ins Laichgebiet im Weingartener Moor hatte begonnen.

120 Frösche seit Jahresbeginn gezählt

Bisher wurden rund 400 Tiere gesichtet und gerettet. Bei warmem und feuchtem Wetter werden es täglich mehr. Sollten jetzt noch frostige Nächte kommen, meint er, sei das für die Tiere zwar unproblematisch, soweit sie sich ins Erdreich einbuddeln könnten, aber einen Energieverlust bedeute es in jedem Fall, was vor allem schwächeren Tieren zu schaffen mache.

Springfroschpopulation stabil

Seit vielen Jahren sind Helfer im Einsatz, die Tiere an den Zäunen einzusammeln und in Eimern über die Straße zu tragen. Der Arbeitsaufwand lohne sich, denn mit 15 000 bis 20 000 Stück sei die Population des Springfroschs seit einigen Jahren stabil und zähle zu einer der größten in Baden-Württemberg.

Leiteinrichtungen sind unverzichtbar

Der Bau von festen Leiteinrichtungen an längeren Abschnitten der Bundesstraße sei vor allem für die Jungtiere auf dem Rückweg vom Laichgebiet ins Sommerhabitat ein Segen. Denn die maximal daumennagelgroßen Tierchen könnten unmöglich von Hand eingefangen werden, schon gar nicht, wenn sie in Massen auftreten. „Diese Einrichtungen haben unsere Arbeit zwar sehr erleichtert“, berichtet Flinspach, „aber nicht überflüssig gemacht.“ Immer noch seien Abschnitte offen, an denen der Bau an den Grundstückseigentümern gescheitert sei, und außerdem müssten auch diese Betonstrecken gepflegt und kontrolliert werden.

Mülltüten verstopfen Durchlässe

Es sei zu verhindern, dass die Vegetation die Durchlässe verdecke oder – schlimmer noch – Mülltüten die Schächte verstopfen und somit funktionslos machen. Von einem schier unglaublichen Müllaufkommen berichtet der Experte beim Parkplatz gegenüber dem Weingartener Moor. Rund 20 Helfer stehen Flinspach zur Seite, die in zwei Schichten täglich die Strecke abgehen. Weitere Helfer wären hoch willkommen. Wer interessiert sei, könne sich unter der Telefonnummer (0 72 44) 53 27 melden.

Stutenseer Erdkröten schlummern noch

In Stutensee gebe es keine Gras- und Springfrösche, berichtet die dortige Expertin Dagmar Mittag, sondern Erdkröten. Sie stellt mit ihren Helfern ebenfalls Zäune und zwar zwischen der Straße „Am Wald“ im Blankenlocher Gewerbegebiet Nord und dem Waldrand. Dort werden die Tiere eingesammelt und zum Strand des Baggersees gebracht. Aber jetzt noch nicht. „Erdkröten kommen erst später heraus“, erklärt Dagmar Mittag, „nicht vor Ende Februar“. Sie sieht vor allem im Juni und Juli ein Problem, wenn die Jungtiere sich für den Rückweg an der Krötenmauer zwischen dem See und dem neuen Einkaufszentrum sammeln und dort noch kein Gebüsch Schatten und Unterschlupf spendet.