Besonders bedroht ist der Feuersalamander durch einen Pilz, der sich gerade in Deutschland ausbreitet. Im Landkreis Karlsruhe ist er zwar noch nicht angekommen. Man rechnet jedoch damit, dass dies nur eine Frage der Zeit ist. | Foto: Franz Lechner

Es fehlen temporäre Gewässer

Amphibienbestände im Landkreis Karlsruhe nehmen ab

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Seit vielen Jahrzehnten schon tragen Amphibienschützer am Ende des Winters an vielen Orten des Landkreises Molche, Unken, Kröten, Feuersalamander und Frösche über die viel befahrenen Straßen und verhindern so, dass die Tiere auf dem Weg zu ihren Laichgewässern unter die Räder kommen. „Dennoch nehmen die Amphibienbestände im Landkreis stetig ab“, stellt der als Gutachter unter anderem für das Regierungspräsidium Karlsruhe arbeitende Amphibien- und Reptilienfachmann Hubert Laufer fest.

Von Franz Lechner

Der Verlust von Lebensräumen und die Zunahme des Straßenverkehrs seien zwei wesentliche Gründe dafür, erklärt der Landschaftsökologe. Die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helfer im Landkreis während der Amphibienwanderung konnte den Rückgang vieler Amphibienarten aber immerhin deutlich bremsen. Bis jetzt.

Ohne Laichgewässer keine Amphibien

Gegen die Folgen des Klimawandels hilft möglicherweise auch der Einsatz der „Amphibienlotsen“ nicht mehr. „Ohne Laichgewässer gibt es nämlich bald auch keine Amphibien mehr, die man über die Straße tragen müsste“, betont Laufer.
Wovor er und andere Fachleute wie beispielsweise auch der stellvertretende Leiter des Naturschutzzentrums in Rappenwörth, Klaus Hoffmann, warnen, ist die deutliche Zunahme der trockenen Frühjahre und Sommer in den vergangenen Jahrzehnten. „Das Problem ist, dass viele temporäre Gewässer im Landkreis immer häufiger schon im Frühjahr austrocknen“, erklärt Klaus Hoffmann. Temporäre Gewässer, also Flächen, die meist nur zwischen Spätwinter und Sommer unter Wasser stehen, sind aber die Laichgewässer vieler gefährdeter Amphibienarten.

Laichflächen ohne Fressfeinde

Tiefe mit Regenwasser gefüllte Fahrspuren und Bodensenken, durch hohe Grundwasserstände geschaffene Überflutungsflächen wie Teile des Weingartener Moors oder die Silzenwiesen in Ubstadt-Weiher oder durch die Rheinhochwasser nach der Schneeschmelze entstandene Überflutungsflächen in den Rheinauen sind solche temporären Gewässer. Gewässer also, die bisher meist erst im Hochsommer austrockneten und in denen keine Fressfeinde von Amphibienlarven überleben können. „Deshalb legen Gelbbauchunken, Moorfrösche, Kreuz- und Wechselkröte und die verschiedenen Molcharten ihren Laich in solchen Wasserflächen ab“, erklärt Hubert Laufer.

Eine Gelbbauchunke auf der Suche nach Laichmöglichkeiten. Tiefe, mit Regenwasser gefüllte Fahrspuren oder Bodensenken sind ideal. | Foto: Franz Lechner

Auch Sommerlebensräume sind bedroht

Wenn die allerdings so wie in diesem und im vorigen Jahr bereits im April austrocknen, geht eine ganze Amphibien-Generation verloren. Kein Wunder also, wenn genau die Amphibienarten, die auf solche Gewässer angewiesen sind, in den vergangenen Jahren nicht nur im Landkreis stark zurück gegangen sind. Aber nicht nur die Laichgewässer von Unke, Molch und Co. sind durch die Klimaveränderung bedroht, sondern auch ihre Sommerlebensräume.

Trockener Sommer erschwert Nahrungssuche

„Abgesehen von den immer im Wasser lebenden Grünfröschen leben Amphibien ja außerhalb der Paarungszeit in Wiesen, Feldern oder Wäldern“, berichtet Hubert Laufer. „Aber auch dort sind die Tiere ähnlich wie beispielsweise Schnecken bei der Nahrungssuche auf ein feuchtes Milieu angewiesen.“
Ein trockener Sommer und Frühherbst erschwere die Nahrungssuche daher so stark, dass die Tiere nicht genügend Fettreserven für den Winter anlegen könnten, erklärt Laufer. Und als wären das nicht schon genug Probleme für die empfindlichen Tiere, breiten sich zunehmend gefährliche Pilzkrankheiten aus. Vor allem Feuersalamander sind durch einen Pilz, der sich gerade auch in Deutschland verbreitet, stark bedroht. Im Landkreis ist er bis jetzt zwar noch nicht angekommen, aber Hubert Laufer fürchtet, dass das nur eine Frage der Zeit sei.
„Eines ist jedenfalls sicher“, erklärt der Landschaftsökologe, „wenn wir keine gezielten Maßnahmen zum Schutz unserer Feuchtgebiete ergreifen, werden die meisten Amphibienarten bald endgültig aus dem Landkreis verschwinden.“