Wohnortnahe Betreuung: Im Landkreis wird es voraussichtlich ab dem Frühjahr 2019 zwei weitere Pflegestützpunkte in Stutensee und Waghäusel geben. Pflegestützpunkte beraten zu den Themen „Pflege und Versorgung im Alter“. | Foto: Mascha Brichta/dpa

Mehr Zeit für Beratung

Anfang 2019: Stutensee und Waghäusel werden Pflegestützpunkte

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Der Landkreis Karlsruhe hat zwei weitere Pflegestützpunkte in Stutensee und Waghäusel beantragt. Möglich wurde dies, nachdem sich die Kranken- und Pflegekassen sowie die kommunalen Landesverbände über die Rahmenbedingungen zur Arbeit und Finanzierung der Pflegestützpunkte geeinigt hatten. Im Landratsamt geht man davon aus, dass die beiden neuen Pflegestützpunkte im Laufe des ersten Halbjahres 2019 in Betrieb gehen können.

Neue Pflegestützpunkte: Grünes Licht in ein, zwei Wochen

„Derzeit wird auf Landesebene ein Rahmenvertrag verhandelt“, erklärt Sozialdezernent Peter Kappes und fügt hinzu: „Die Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss, ich erwarte grünes Licht in den nächsten ein, zwei Wochen. Dann könnten wir starten.“ Das heißt: Sobald das O.k. von der zuständigen Kommission kommt, werden die entsprechenden Verträge und die, so Kappes bereits vorbereiteten, Stellenausschreibungen auf den Weg gebracht. Über den Zaun brechen werde man allerdings nichts. Schließlich müssten Kündigungsfristen eingehalten oder Einstellungsgespräche geführt werden.

Landkreis Karlsruhe in Vorreiterrolle

Schon früh waren Kreistag und Kreisverwaltung der Überzeugung: Eine flächendeckende Einrichtung von Pflegestützpunkten in kommunaler Trägerschaft ist sinnvoll. Denn nur so könne zu Pflege und Versorgung im Alter umfassend und neutral beraten sowie alle für die wohnortnahe Betreuung in Betracht kommenden pflegerischen beziehungsweise sozialen Hilfs- und Unterstützungsangebote koordiniert werden. „Daran haben wir nie einen Zweifel gelassen“, betont Peter Kappes. „Wir waren die ersten, die einen Plan aufgestellt haben, auch wenn die Kassen noch keine Notwendigkeit gesehen haben. Wir waren der erste Landkreis mit drei Stützpunkten und werden der erste mit fünf Stützpunkten sein“, so Kappes.

Bisher in Bruchsal, Ettlingen und Bretten

Mit seinen Pflegestützpunkten in Bruchsal (2010) und Ettlingen (2011) war der Landkreis Karlsruhe unter den ersten in Baden-Württemberg. Nach zähem Ringen mit den Pflege- und Krankenkassen konnte erreicht werden, dass 2016 in Bretten ein weiterer Pflegestützpunkt in Betrieb ging. Er ist auch für die Städte Stutensee und Kraichtal sowie die Gemeinden Pfinztal, Walzbachtal, Weingarten, Gondelsheim, Kürnbach, Oberderdingen und Sulzfeld mit Sprechstunden außerhalb des Standortes Bretten zuständig.

Stutensee wird Pflegestützpunkt

„Wir freuen uns über die Entscheidung. Die Stadt Stutensee hat sich seit einigen Jahren intensiv für die Einrichtung eines Pflegestützpunkts eingesetzt. Die Pflegestützpunkte haben gerade im Landkreis Karlsruhe einen besonders hohen Stellenwert als unabhängiges Beratungsangebot für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen“, machte Stutensees neue Oberbürgermeisterin Petra Becker auf BNN-Anfrage deutlich.

OB Becker: Stärkung des guten sozialen Profils

Und weiter sagte Becker: „Es bedarf einer sehr kompetenten Beratungsinfrastruktur, um gut aufgestellt zu sein für die Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft. Es war stets das Anliegen in Stutensee, diese Infrastruktur auch für die Bürger unserer Stadt und umliegender Gemeinden unmittelbar anbieten zu können. Ich nehme wahr, dass die beständige Arbeit und das permanente Hinwirken auf einen Pflegestützpunkt in Stutensee Früchte getragen haben. Ich freue mich, dass wir damit das gute soziale Profil Stutensees weiter stärken.“

Wir freuen uns über die Entscheidung

Von Bruchsal werden bisher die Städte Waghäusel, Östringen und Philippsburg, außerdem die Gemeinden Bad Schönborn, Dettenheim, Forst, Graben-Neudorf, Hambrücken, Karlsdorf-Neuthard, Kronau, Oberhausen-Rheinhausen und Ubstadt-Weiher, von Ettlingen schließlich Rheinstetten, Karlsbad, Malsch, Marxzell, Waldbronn, Eggenstein-Leopoldshafen und Linkenheim-Hochstetten betreut.

Deutlich mehr Kapazitäten

Heute gebe es drei Stützpunkte mit 4,5 Stellen (3×1,5), ab 2019 dann fünf Stützpunkte mit 7,5 Stellen (5×1,5), verdeutlicht Sozialdezernent Peter Kappes. „Wenn die neuen Stützpunkte da sind, haben wir deutlich mehr Kapazitäten und die große Chance, den Landkreis flächendeckend zu bedienen“, betont Kappes. „Die Mitarbeiter haben dann mehr Zeit für die Beratung oder um Netzwerke aufzuzeigen. Für die Senioren soll ja ein Mehrwert da sein.“ Großer Informationsbedarf bestehe in den Bereichen Pflegeversicherungsgesetz, Tagespflege und betreutes Wohnen.

Effektivere Strukturen

„Außerdem“, so Kappes, „können dann auch die Strukturen unter der professionellen Ebene wie Nachbarschaftshilfe gestärkt werden. In Städten und Gemeinden mit ehrenamtlichen Strukturen wird die Arbeit erleichtert.“ Apropos Struktur: Bisherige Zuordnungen werden sich dann dahingehend ändern, dass beispielsweie Stutensee „vier, fünf, sechs Gemeinden drumherum mitbetreut“, macht Peter Kappes deutlich. „Die Strukturen können dann noch effektiver werden, das ist auch im Interesse der Pflegeversicherung.“

Pflegestützpunkt Stutensee im Rathaus Blankenloch

Träger der Pflegestützpunkte sind die Kassen gemeinsam mit dem Landkreis. Ihm obliegt die Sicherstellung des Betriebs und er stellt auch das Personal ein. Um die Räume für die neuen Stützpunkte müssen sich die Städte Stutensee und Waghäusel kümmern.  „Im Rathaus Blankenloch werden die erforderlichen Büroräume mit der heute üblichen technischen Ausstattung kostenlos zur Verfügung gestellt. Diese Räume sind barrierefrei zu erreichen und es sind in unmittelbarer Nähe auch Wartebereiche ausgewiesen“, erklärte Stutensees OB Petra Becker. Die Kosten werden zwischen den Kassen und dem Landkreis geteilt, wobei der Kreisanteil bei fünf Pflegestützpunkten von 153000 auf 255000 Euro steigen wird.

Pflegestützpunkt: Im Pflegestützpunkt erhalten Pflegebedürftige sowie deren Angehörige kostenlos Informationen rund um das Thema Pflege und Alter. Der Pflegestützpunkt ist eine neutrale Beratungsstelle. Er bietet neben Infos über gesetzliche und kommunale Leistungen auch Auskünfte über regionale Betreuungsangebote und Hilfestellung bei Inanspruchnahme der Leistungen. Ziel ist es, Senioren nach dem Grundsatz „ambulant statt stationär“ so lange es geht, das Leben in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen. Darüber hinaus ist der Pflegestützpunkt auch Ansprechpartner für Selbsthilfegruppen sowie ehrenamtlich Tätige.