Unterstützung bei der Trauer: Marvin Aufinger ist wichtig, die Verstorbenen auch im Tod vorsichtig und würdevoll zu behandeln. | Foto: Manzey

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Ausbildung zum Bestatter: „Gewisse Situationen darf man nicht so nah an sich ranlassen“

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Für Marvin Aufinger gehört der Tod zum Berufsalltag: Der 22-Jährige ist im zweiten Jahr seiner Ausbildung zum Bestatter. Er begleitet Menschen durch die vielleicht schwerste Zeit in ihrem Leben. Seine Arbeit hat auch seinen eigenen Blick auf Leben und Tod verändert.

Die Konfrontation mit dem Tod ist für viele Menschen furchterregend, mindestens aber unangenehm. Für Marvin Aufinger gehört sie zum Arbeitsalltag. Der 22-Jährige ist im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Bestatter bei der Trauerhilfe Stier, die auch eine Filiale in Pfinztal betreibt. Ganz fremd ist ihm das Thema nicht, seine Eltern haben ein eigenes Bestattungsinstitut. Marvin hat eine abgeschlossene Lehre als KFZ-Mechatroniker, half aber auch bei seinen Eltern aus. So wurde der Bestatterberuf zu seiner Berufung.

Ein guter Bestatter müsse gut zuhören können, erklärt Marvin, geduldig und offen sein. In seiner Tätigkeit kommt er mit vielen Einstellungen, Familienverhältnissen und auch Religionen in Berührung. Da sei es wichtig, diese nicht zu bewerten, sondern unvoreingenommen zu sein. „Jeder Mensch geht unterschiedlich mit seiner Trauer um“, weiß er.

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Manch einer plant die eigene Beerdigung

Im zweiten Lehrjahr hilft Marvin bei Überführungen, wäscht und kleidet die Verstorbenen an und dekoriert beziehungsweise betreut die Trauerfeiern. Auch an Beratungsgesprächen nimmt er teil, meist jedoch nur unterstützend. Für viele Hinterbliebene ist der Tod eines Angehörigen eine Ausnahmesituation.

Im Nachhinein erfährt man sehr viel Dankbarkeit.

Marvin Aufinger, Auszubildender im zweiten Lehrjahr

Marvin und seine Kollegen können die Menschen in dieser schwierigen Phase entlasten und unterstützen. „Im Nachhinein erfährt man sehr viel Dankbarkeit“, sagt er. Manch einer plant seine eigene Beerdigung auch bereits im Voraus. Zwischen drei bis vier solcher Vorsorgegespräche habe man im Schnitt in der Woche – nicht selten bei schlimmen Krankheitsdiagnosen. Aber auch kinderlose Ehepaare kämen, um im Ernstfall bereits alles entschieden zu haben.

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Bestatter dürfen keine Berührungsängste haben

Dennoch sei es wichtig, Distanz zu wahren. „Gewisse Situationen darf man nicht so nah an sich ranlassen.“ Mit seinen Kollegen spricht Marvin deshalb auch über belastende Situationen. Das Team unterstütze sich gegenseitig.

Das ist ein Mensch und so wird er oder sie auch behandelt.

Marvin Aufinger, Auszubildender im zweiten Lehrjahr

Angst vor der Arbeit am Verstorbenen sollte man nicht haben. „Das ist ein Mensch und so wird er oder sie auch behandelt“, betont Marvin. Er behandle die Verstorbenen wie Schlafende, behutsam und vorsichtig. Berührungsängste hat er nicht.

Seinen Arbeitstag beginnt Marvin um 8.30 Uhr, um 17 Uhr ist Feierabend. Daneben gibt es Bereitschaftszeiten. Die treffen Marvin als Auszubildenden jedoch eher weniger. Er kann sich keinen anderen Beruf mehr vorstellen. „Jeder Tag ist anders.“

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Die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft wurde erst 2003 eingeführt, erklärt Marvin. Als Auszubildender im zweiten Lehrjahr verdient er 610 Euro brutto. Im dritten werden es nach aktuellem Stand 700 Euro sein. Unter den Bestattern gebe es aber auch viele Quereinsteiger.

Tod ist immer noch ein Tabuthema

Dass der Tod immer noch ein Tabuthema ist, sieht Marvin täglich. „Es wird zu wenig über den Tod informiert.“ Er findet, dass das Thema Tod und Sterben bereits in der Schule intensiver behandelt werden sollte. Viele Angehörige wüssten nicht, welche Dokumente und Angaben man benötigt und was alles zu einer Bestattung gehört.

Erschwert wird dieser Umstand auch dadurch, dass jedes Bundesland sein eigenes Bestattungsgesetz hat. Auch der Inhalt des Bestatterberufs ist den meisten unbekannt. Wenn er jedoch von seinem Beruf erzähle, sind viele interessiert, verrät Marvin.

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Macht sich ein Bestatter Gedanken über die eigene Beerdigung?

Seine eigene Sicht auf den Tod hat seine Berufswahl nicht stark beeinflusst. Er schätze die Bedeutung von familiären Beziehungen jetzt mehr, sagt Marvin. Für sein eigenes Begräbnis hat er noch eher vage Pläne – so hätte er gerne sein Motorrad dabei. Insgesamt gehe der Trend aber weiter zur Feuerbestattung. Viele Angehörige legen auch Wert auf nachhaltige Materialien, so Marvin, zum Beispiel regionale Hölzer für den Sarg.

Nach der Ausbildung möchte Marvin irgendwann in den elterlichen Betrieb einsteigen. Weiterbilden könne er sich zum Bestattungsmeister oder zum Bestattungsfachwirt. Auch eine Weiterbildung zum Thanatopraktiker ist möglich. Diese sind beispielsweise für die vorübergehende Konservierung des Körpers oder die Wiederherstellung von Unfallopfern zuständig.

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