Seit dem 20. April haben die Fahrradhändler wieder geöffnet. Die Stimmung in puncto Umsatz ist bei ihnen durchaus gemischt. Symbolbild. | Foto: Hendel

Noch keine klare Tendenz

Ansturm auf Fahrräder kommt im nördlichen Landkreis Karlsruhe mit Verzögerung

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Wenn man unterwegs ist, scheint es so, als würden einem derzeit mehr Leute auf Fahrrädern begegnen als sonst. Fitnessstudios haben zurzeit noch geschlossen, viele Leute arbeiten von zu Hause aus und suchen einen Ausgleich. Oder sie lassen das Auto in der Garage und radeln ins Geschäft. Oder man tritt in die Pedale und macht mit den Kindern einen Ausflug – am Wochenende beispielsweise.

Seit dem 20. April haben Fahrradgeschäfte in der Region wieder geöffnet. Medienberichte sprechen gerade von einem Ansturm auf Fahrradläden. Gibt es einen Fahrrad-Boom und setzen die Fahrradläden mehr Zweiräder um als sonst? Die Antworten von Fahrradhändlern aus der Hardt, so viel sei gleich gesagt, fallen unterschiedlich aus.

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„Man merkt, dass definitiv viel los ist“, sagt Michael Petermann, Fahrradhändler aus Graben-Neudorf. Allerdings macht er für den vermehrten Radverkehr nicht nur das Coronavirus verantwortlich, sondern auch das gute Wetter.

Hoffnung auf zeitverzögerten Boom

Petermann verkauft zwar keine E-Bikes, aber er repariert sie – diese Fahrräder seien aufgrund der Steigungen eher im Kraichgau ein Thema, meint er. „Jetzt ist Hauptsaison. Wenn man im Mai keinen Umsatz macht, macht man ihn nicht mehr“, erklärt Michael Schmidt. Wenngleich der Inhaber von Fahrrad Shop Schmidt in Linkenheim-Hochstetten von einem zeitverzögerten Boom spricht.

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Normalerweise würden im März die Kunden ihre Räder zur Reparatur vorbeibringen. Dass sein Fahrradladen den Verlust aufgrund der Pandemie wieder reinholt, hält er für schwierig. Die Fahrradbranche sei extrem wetterabhängig.

Aber man habe Glück, dass das Wetter gut sei. Schmidt macht aber auf das schmale Zeitfenster aufmerksam, in dem sich die Händler beim Verkauf neuer Fahrräder bewegen: „Ab September interessieren sich die wenigsten Leute dafür, ein neues Fahrrad zu kaufen.“

Seit vier oder fünf Jahren werde der Anteil der E-Bikes bei den verkauften Rädern immer größer. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass sich das Rad so schnell dreht“, sagt Schmidt. Peu à peu stellen sich dann ebenfalls die Warenlager um.

Deutlicher Rad-Trend

Wegen des Coronavirus hat er seinen Hof abgetrennt, eine Desinfektionsstation aufgebaut und einen Waschplatz eingerichtet. Weniger Neuverkäufe, dafür mehr Reparaturen – davon erzählt Suphi Degirmenci vom Fahrradgeschäft Pedalo in Eggenstein-Leopoldhafen. „Mein Fahrrad tut’s noch“, würden die Kunden bezüglich Inspektion und Wartung denken. Man merke schon, dass zurzeit vermehrt Leute mit ihren Fahrrädern unterwegs seien. Aber: „Es ist nicht wie jedes Jahr“, betont er und spricht von einer bestehenden Unsicherheit.

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E-Bikes würden wegen der höheren Investitionskosten schlechter abgesetzt als beispielsweise günstigere Trekkingräder. „Es hat alles zugenommen – E-Bikes, normale Fahrräder, Reparaturen“, sagt hingegen Christine Kiesewetter, die Lebensgefährtin von Bernd Baumholz, der in Blankenloch ein Fahrradgeschäft betreibt. Auch Kiesewetter verspürt den Rad-Trend, obwohl die Region schon ein ausgewiesenes Terrain für Radler sei, wie sie betont.

Die Leute müssten ihre Freizeit anders gestalten – und wie gewohnt in Urlaub könnten sie auch nicht, vermutet sie. Klar habe das Coronavirus Auswirkungen auf den Verkauf – im negativen Sinne. Kiesewetter ist aber optimistisch, dass man den Verlust wieder wettmacht. Der Osterumsatz habe gefehlt, dafür verzeichnet der Laden nun geschätzt 20 Prozent mehr im E-Bike-Segment. „Alles okay“, sagt sie.

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Zahlen noch nicht aussagekräftig

Raffaele Carbone, Inhaber von Zweirad Wiralli, das Geschäft ist ebenfalls in Blankenloch ansässig, kann bislang keine großen Veränderungen feststellen. „Alles wie bisher“, so sein vorläufiges Fazit. Ab Juni oder Juli könne man besser abschätzen, ob die Lage im Vergleich zu 2019 besser wird oder ob man sich in puncto Zahlen auf dem Niveau des Vorjahres bewegen wird. „Es ist eine ländliche Gegend. Es ist anders als in der Stadt, weil die Laufkundschaft fehlt“, sagt er.