Vanessa Wegmann ist im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zur Friseuren. Ihrem Modell Ines Rosenthal-Bross macht sie gerade eine Dauerwelle. | Foto: Manzey

BNN-Serie

(Aus)Gebildet: Friseur-Azubi Vanessa findet ihren Beruf oft unterschätzt

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Welche Voraussetzungen muss man für eine Ausbildung mitbringen? Welche Perspektiven hat man nach dem Abschluss? Wer könnte diese Fragen besser beantworten als die Auszubildenden selbst? In der BNN-Serie „(Aus)gebildet“ kommen sie zu Wort. In der ersten Folge spricht Vanessa Wegmann mit BNN-Redaktionsmitglied Christel Manzey über die Ausbildung zum Friseur.

Bei Vanessa Wegmann war die Berufswahl wohl eher eine Berufung: Die 19-Jährige wollte schon immer Friseurin werden, frisierte als Kind Puppen und Freunde. Nach dem Hauptschulabschluss setzte sie noch den Realschulabschluss obendrauf. Aktuell ist sie im zweiten Lehrjahr ihrer Ausbildung. Begonnen hat sie in einem Salon in Bruchsal. Zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres wechselte sie in den Friseur-Salon von Marcella Manz.

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Friseure brauchen Vorstellungskraft und gute Augen

Wann ein Azubi zum ersten Mal an einen richtigen Kopf darf, komme ganz auf den Betrieb an, sagt Vanessa – und darauf, wie viel man den Auszubildenden zutraue. Zunächst üben die an Puppen. Bei Marcella Manz durfte Vanessa bereits nach zwei Wochen den ersten Kunden bedienen. Da wäre sie schon sehr nervös gewesen, gibt sie zu, besonders beim Schneiden. Das lasse sich im Gegensatz zum Färben ja nur bedingt korrigieren.

Doch was sollte man als angehender Friseur alles mitbringen? Neben viel Vorstellungskraft brauche man als Friseur „gut funktionierende Augen“, erklärt Vanessa. Immerhin müsse man Farben, Gesichtsformen und Schnitte gut erkennen.

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Schlechte Bezahlung nur ein Klischee?

Auf ihren Beruf angesprochen, sieht sich Vanessa immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert. Eines davon ärgert sie besonders: dass Friseure schlecht verdienen würden. Mit 600 Euro brutto im Monat verdient sie zwar kein Vermögen, ist mit ihrem Gehalt aber zufrieden. Am Ende sei Geld schließlich nicht alles und der Job müsse einem auch Spaß machen.

Außerdem biete der Friseurberuf vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten, betont Vanessa, etwa im Bereich Styling oder Kosmetik. Mit dem Meisterbrief könne man auch einen eigenen Salon eröffnen. Im Durchschnitt liege das monatliche Brutto-Einkommen eines Friseurmeisters zwischen rund 1.800 und 2.300 Euro, heißt es auf der Vergleichs-Website www.gehalt.de.

„Stehender Beruf“ schreckt viele ab

Auch das lange Stehen schreckt viele Menschen ab. Das sei auch für sie anstrengend, gibt Vanessa zu. Sie empfiehlt daher, den Beruf erst mit einem Praktikum auszuprobieren. Zu Beginn ihrer Ausbildung sei sie so dicht am Kunden auch zurückhaltender gewesen. Aber: „Man darf keine Angst haben, den Kunden anzufassen.“ Doch man entwickele sich mit der Zeit. Jetzt falle ihr über kurz oder lang immer ein Thema ein, über das sie mit ihren Kunden plaudern kann.

Wenn man bereit ist, auszubilden, muss man auch bereit sein, sich Zeit zu nehmen.

Vanessa Wegmann, Auszubildende im zweiten Lehrjahr

Besonders wichtig ist für Vanessa die Unterstützung durch ihre Ausbilder. „Wenn man bereit ist, auszubilden, muss man auch bereit sein, sich Zeit zu nehmen.“ In ihrem alten Salon sei das nicht immer so gewesen, verrät sie. In Weingarten kommt auch gerne Senior-Chef Ernst-Dieter Manz dazu, um die Auszubildenden zu unterstützen. Eine Besonderheit: Im hauseigenen Übungsraum können die an Puppen trainieren oder weitere Inhalte der Ausbildung besprechen.

Ein Geheimnis verrät Vanessa zum Schluss auch noch: Wer schneidet dem Friseur die Haare? Ganz einfach – die schneiden sich die Kollegen nach Feierabend gegenseitig.

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