Dem Gast Aufmerksamkeit schenken: Delia Grassoff ist im ersten Jahr ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau. Um ihre Gäste zufriedenzustellen, muss sie besonders sorgfältig arbeiten. | Foto: Manzey

BNN-Serie (Aus)Gebildet

Auszubildende Delia Grassoff lässt sich von den Arbeitszeiten in der Hotellerie nicht abschrecken

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Delia Grassoff arbeitet dort, wo andere Urlaub machen: Die 18-Jährige macht eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im 5-Sterne-Hotel Villa Hammerschmiede in Pfinztal. Vorurteile über lange Arbeitszeiten und miese Bezahlung kann sie nur zum Teil bestätigen. Denn die junge Frau brennt für ihren Beruf.

Ihr sei das Hotel immer wieder im Vorbeifahren aufgefallen. Damals hatte sich Delia Grassoff wohl noch nicht vorstellen können, eines Tages in der Villa Hammerschmiede zu arbeiten. Die 18-Jährige ist im ersten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau.

Doch bereits vor der Ausbildung führte ihr Weg immer wieder in das Fünfsternehotel in Kleinsteinbach: Nach der Realschule besuchte Delia das Berufskolleg der Elisabeth-Selbert-Schule in Karlsruhe, wobei sie einmal in der Woche einen Praktikumstag in der Großküche der Villa Hammerschmiede hatte.

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Die Scheu vor den Gästen hat Delia rasch verloren

Begonnen hat Delia ihre Ausbildung im Service, inzwischen ist sie ins Housekeeping gewechselt. Dort ist sie nicht nur für das Reinigen der Gästezimmer zuständig. Ihr Aufgabenbereich umfasst alle Bereiche des Hotels, die den Gästen zugänglich sind.

Während sie bei ihrer ersten Ausbildungsstation in der Regel von 15 bis 24 Uhr gearbeitet hat, beginnt der Arbeitstag im Housekeeping meist sehr viel früher.

Wenn der Job einem wirklich Spaß macht, ignoriert man die Arbeitszeiten.

Delia Grassoff

Bereits um 6 Uhr ist Dienstbeginn, gearbeitet wird dann bis 15 Uhr. Für Delia anfangs eine Herausforderung. Aber: „Wenn der Job einem wirklich Spaß macht, ignoriert man die Arbeitszeiten.“ Zu ihren Aufgaben gehört es auch, die Hausdamen zu unterstützen. Die haben die Leitung des Housekeepings inne und sind Ansprechpartner für alle dort beschäftigten Mitarbeiter.

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Doch wie arbeitet es sich in einem so renommierten Haus? Sind die Gäste anspruchsvoller, schwieriger zufrieden zu stellen? Am Anfang habe man noch Angst, dass man etwas falsch mache, eben ein „kribbeliges Gefühl“, erklärt Delia. Die Scheu vor den Aufgaben hat sie schnell verloren, ebenso wie die vor den Gästen. Im Umgang mit denen brauche man als Hotelfachfrau ein immer freundliches Erscheinungsbild und ein offenes Wesen. Delia muss ihren Gästen gegenüber Aufmerksamkeit zeigen – nicht nur einmal, sondern immer wieder.

Unterbezahlt bei zu hoher Arbeitsbelastung?

Dass der Job einer Hotelfachfrau ein arbeitsintensiver ist, kann Delia bestätigen. Natürlich sei es nicht toll, an Feier- und Festtagen zu arbeiten. So verbrachte sie beispielsweise Silvester im Hotel. Auch das lange Stehen und das Tragen von schweren Tabletts sei durchaus anstrengend. Ebenso hätten die vielen Treppen im Hotel ihr zu Beginn ihrer Ausbildung zugesetzt. „Am Anfang tut alles weh, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran“, sagt Delia. Als Hotelfachfrau brauche man ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen.

Unterbezahlt findet Delia ihre Ausbildung im Gegensatz zum landläufigen Vorurteil allerdings nicht. 800 Euro brutto verdient sie im ersten Lehrjahr. Trinkgelder spielten natürlich eine Rolle, verrät sie. In der Villa Hammerschmiede werden alle Trinkgelder aber in eine gemeinsame Kasse geworfen und anschließend fair geteilt.

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Angestellte sind die Aushängeschilder ihres Hotels

Delia selbst hat noch nicht in einem Zimmer der Villa Hammerschmiede übernachtet. Auf Reisen hat sich ihr Blick auf die eigene Unterkunft jedoch verändert. „Man vergleicht das eigene Hotel mit anderen“, gibt sie lachend zu. Das gelte auch für die Restaurants. Dennoch sei es mal schön, selbst Gast sein zu können.

Als Hotelfachfrau ist sie eines der Aushängeschilder ihres Arbeitgebers. In ihrer Arbeitskleidung habe sie sich anfangs sehr schick gefühlt, räumt Delia ein. Inzwischen aber fühle sie sich richtig wohl darin, einfach passend zur Umgebung. Das merken nicht nur die Gäste, sondern auch die Ausbilder. Sie bekomme viel Lob, erzählt Delia stolz. Das klare Feedback sei ihr wichtig, man traue sich so mehr zu.

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Die Theorie bekommt Delia immer blockweise vermittelt. Im ersten Lehrjahr findet der Unterricht noch in Karlsruhe an der Elisabeth-Selbert-Schule statt, danach an der Berufsschule in Calw. Bevor man sich für die Ausbildung entscheidet, sollte man aber in jedem Fall ein Praktikum in der Hotellerie gemacht haben, betont Delia. Nur so könne man herausfinden, ob der Beruf einem wirklich Spaß mache. Von einem stressigen Tag allein dürfe man sich nicht abhalten lassen.

Wie andere Hotels auch, musste die Villa Hammerschmiede aufgrund der Corona-Krise ihren Betrieb weitgehend herunterfahren. Festangestellte Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt. Inzwischen dürfen Hotels und Gaststätten wieder öffnen. Delia Grassoff arbeitet nach wie vor in der Villa Hammerschmiede und setzt dort ihre Ausbildung fort.