Vor allem der Schwerlastverkehr belastet die Anwohner der Durchgangsstraße in Jöhlingen. Die Brummis müssen am westlichen Ortsausgang das Nadelöhr Bahnunterführung passieren.
Vor allem der Schwerlastverkehr belastet die Anwohner der Durchgangsstraße in Jöhlingen. Die Brummis müssen am westlichen Ortsausgang das Nadelöhr Bahnunterführung passieren. | Foto: Archivfoto Waidelich

Baubeginn 2022

B293-Umgehung Jöhlingen: Die einen atmen auf, für andere ist es Frevel

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Die B293-Umgehung Jöhlingen kommt – aber das freut nicht alle in der Gemeinde. Einig sind sich alle Befragten nur darüber: Der Schwerverkehr muss raus aus dem Ort. Dies ist das Ergebnis einer Straßenumfrage der BNN am Freitagvormittag.

Vor Monaten hatte Jürgen Skarke, Präsident der Abteilung Straßenwesen beim Regierungspräsidium Karlsruhe, versichert, „dass die Notwendigkeit der Umgehung nicht mehr in Frage steht“. Mit dem Bau der Trasse könne nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens bereits im Jahr 2022 begonnen werden, sagte der Experte damals. Die Bauzeit der B293-Umgehung betrage etwa drei Jahre; die Kosten bezifferte Skarke mit rund 32 Millionen Euro.

Nach Berghausen geht es künftig über Wössingen

Zu denen, die die Umgehung grundsätzlich begrüßen, zählt Werner Brückner. Der Jöhlinger ärgert sich allerdings darüber, dass er, wenn er Richtung Berghausen fahren will, zunächst gen Wössingen fahren muss, da nur dort die Zufahrt auf die neue Bundesstraße möglich ist.

Anders sieht das Angelika Mühlburger: „Die Umgehung nutzt eh nix“, ist sich die Jöhlingerin sicher, zumal damit zu viel Natur zerstört werde. Und: Der Verkehr werde vielleicht schneller an Jöhlingen vorbeifließen, doch dann gebe es Rückstaus vor Berghausen, befürchtet Mühlburger.

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Auch die neue Trasse verursacht Lärm

Auch Gert Brockhaus ist kein Anhänger der geplanten B293-Umgehung: „Die wäre meiner Ansicht nach nicht nötig“, findet der Jöhlinger. „Besser wäre es stattdessen, den Schwerlastverkehr aus dem Ort rauszuhalten.“ Da gebe es viele Lkw-Fahrer, die die B293 als Abkürzung nehmen würden – statt auf der Autobahn zu bleiben. Im Übrigen: Auch die neue Trasse verursache Lärm, den man im Ort hören werde.

Ein weiterer Jöhlinger, der seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte, ist zwar für eine Umgehung („Ich habe jahrelang an der Hauptstraße gewohnt, ich weiß, was man da mitmacht“), will die Trasse aber nicht durch das Attental, sondern das Wöschbacher Tal führen.

Und ein Anwohner der Attental-Siedlung, der vor zwei Jahren bereits bei einer Aktion gegen die Umgehungspläne mitmachte, lehnt die jetzt favorisierte Trasse ebenfalls ab. „Da soll es eine Brücke geben, aber keinen Lärmschutz“, erklärt der ältere Herr. „Da kriegen wir Anlieger den ganzen Lärm ab.“ Zudem klagt auch er darüber, dass man künftig anderthalb Kilometer in die andere Richtung fahren müsse, wenn man nach Berghausen wolle.

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Vorfreude auf Umgehung

Die Jöhlingerin Kornelia Burger-Hofheinz dagegen freut sich auf die Umgehung. „Der Verkehr durch Jöhlingen ist jetzt schon extrem, vor allem zu den Stoßzeiten im Berufsverkehr.“ Sie sehe die durch die neue Trasse verursachten Eingriffe in die Natur, aber: „Man kann ja nicht alles untertunneln.“

Die Zerschneidung des Attentals zur notwendigen Entlastung des Ortskerns sehen auch andere Teilnehmer der Straßenumfrage kritisch. Ein junger Jöhlinger bringt es auf den Punkt: „Man muss eben einen Tod sterben.“

Etwas Positives findet eine in Jöhlingen ansässige Jägerin an der neuen Trasse im Attental: „Da kommt eine Wildbrücke hin. Ich hoffe, dass wir dann nicht mehr so viel totes Wild auf der Straße haben wie derzeit noch.“

„Völlig gleichgültig“ ist dagegen einer älteren Dame aus dem Ortsteil Wössingen, ob und wo eine Umgehung kommt. „Ich tue mir den ganzen Verkehr schon lange nicht mehr an. Wenn ich nach Karlsruhe will, fahre ich lieber mit der Stadtbahn.“

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