Sehr gut besucht war die Vorstellungsrunde der Bürgermeisterkandidaten in der Weingartener Walzbachhalle. Eric Bänziger, Michael Brück und Henry Östreicher (auf dem Podium, von links) stellten sich den Fragen der Bürger. Mitbewerberin Friedhild Miller war nicht gekommen. | Foto: Rake Hora

Bürgermeisterwahl Weingarten

Bänzigers Visionen und Östreichers Sparwillen

Dauerkandidatin Friedhild Miller ist nicht gekommen. Michael Brück hat den Weg von Dortmund auf sich genommen, um sich bei der Kandidatenrunde in Weingarten vorzustellen. Henry Östreicher, der einheimische Herausforderer des Amtsinhabers Eric Bänziger, nimmt schon zeitig seinen Platz auf dem Podium ein. Unterdessen füllt sich die Weingartener Walzbachhalle, 1 000 Plätze sind gerichtet.

Über 700 Zuhörer

Mehr als 700 sind besetzt, als Gerhard Fritscher, Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses und Moderator des Abends, das Prozedere erläutert: 15 Minuten Vortragszeit pro Kandidat, Reihenfolge nach Stimmzettel. Danach Fragen an jeden einzelnen Kandidaten aus der Bürgerschaft in umgekehrter Reihenfolge, maximal 15 Minuten. Schließlich noch mal zehn Minuten Fragen aus dem Publikum an alle Kandidaten.

Nahe bei den Menschen

Eric Bänziger hebt darauf ab, dass er in der Gemeinde präsent sei, immer ansprechbar, nahezu immer und überall zu den Veranstaltungen komme, um nahe bei den Menschen zu sein. Er bilanziert, zusammen mit dem Gemeinderat Weingarten in den vergangenen acht Jahren voran gebracht und viel umgesetzt zu haben.

Verspreche nur, was ich halten kann

Er halte sich daran, nur zu versprechen, was er halten könne, was er nicht halten könne, verspreche er nicht. Ein guter Bürgermeister sei ein Verwaltungsfachmann, ein Gestalter mit Visionen. Das habe er in seiner ersten Amtszeit gezeigt, das führe er weiter. Er möchte weiter ein offenes Rathaus haben, im dem der Geist der Offenheit im Umgang herrsche. Bürgerbeteiligung werde ausgeweitet, Barrierefreiheit solle vorangebracht, die Infrastruktur – auch Glasfaser – weiterentwickelt und das Parkproblem gelöst werden. In der Agenda 2030 soll die mittel- und langfristige Gemeindeentwicklung in Abstimmung mit den Bürgern umgesetzt werden.

Unmut per Wahlzettel bekunden

Michael Brück ist Jahrgang 1990, er studiert Rechtswissenschaften und vertritt die Partei „Die Rechte“. Deren Vertreter aus Karlsruhe hätten ihn angefragt, ob er in Weingarten kandidieren wolle. Mit seiner Kandidatur will er die Möglichkeit schaffen, Unmutsgefühle per Wahlzettel auszudrücken, „nein“ zu sagen, wenn man Entscheidungen nicht mittragen wolle, Position beziehen und klare Kante zeigen. Zum Beispiel, wenn der Gemeinde Asylbewerber zugewiesen würden, die man nicht wolle.

Ich will erster rechter Bürgermeister werden

Er sehe es als ungerecht an, so Brück, wenn 35 Menschen in Weingarten keine Wohnung hätten, aber für 100 Asylbewerber Wohnraum geschaffen werde. Er stehe für Protest und für das Recht auf eine andere Meinung. Als Bürgermeister wolle er zeigen, was nicht so weitergehen könne wie bisher. Deshalb wolle er der erste rechte Bürgermeister in Deutschland werden.

Einziger Weingartener

Henry Östreicher erklärt seine Kandidatur damit, das er als einziger Bewerber Weingartener sei, und weil eine bis 2020 zu erwartende Verschuldung von 45 Millionen Euro – 4 500 Euro pro Kopf – untragbar sei. „Eine solche Bilanz“ habe noch kein Weingartener Bürgermeister vorgelegt. Damit gehöre Weingarten zu den am höchsten verschuldeten Kommunen in Deutschland. Ursache ist für ihn unter anderem mangelnder Wille zur Konsolidierung.

Sparen braucht den Willen

Sparen könne man nur, wenn der Wille dazu vorhanden sei. Es komme nicht nur darauf an, die Einnahmen zu steigern, sondern vor allem darauf, die Ausgaben zu senken. Als Möglichkeit dazu nannte er, Vorhaben von den Fachleuten im Rathaus unter Einbeziehung der Bürger zu planen, statt für viel Geld zu vergeben. Im Rathaus wolle er motiviertes Personal haben, und die Weinkönigin müsse wieder öffentlich gewählt werden.

Fragen aus dem Publikum

Die Fragen aus dem Publikum richteten sich überwiegend an Eric Bänziger und betrafen zu einem guten Teil aktuelle Themen, unter anderem zur Finanzierung von Projekten sowie die Frage, wie man qualifiziertes Personal für die Kinderbetreuung gewinnen und halten könne.

 

Über 8000 Wahlberechtigte

Die Gemeinde Weingarten wählt am Sonntag ihren Bürgermeister. Ob das der Amtsinhaber bleiben wird, oder ob das einer seiner drei Herausforderer sein wird, können 8 152 Wahlberechtigte unter den rund 10 000 Einwohnern entscheiden. Dazu besteht von 8 bis 18 Uhr in den üblichen Wahllokalen in Kindergärten, Schule und Rathaus die Gelegenheit, sein Kreuzchen zu machen.

Option Briefwahl

Wer nicht am Sonntag wählen gehen will oder kann, hat noch die Möglichkeit, seine Stimme per Briefwahl abzugeben. Von dieser Option haben bisher laut Ulrike Daum, Leiterin des Ordnungsamts, (Stand Donnerstagmittag) 858 Personen Gebrauch gemacht, etwas mehr als zehn Prozent der Wahlberechtigten.

Briefwahlunterlagen werden nur bis Freitag, 6. April, 18 Uhr, beim Bürgermeisteramt Weingarten (Baden), Bürgerbüro, ausgegeben. Wenn bei nachgewiesener plötzlicher Erkrankung der Wahlraum am Wahltag nicht oder nur unter nicht zumutbaren Schwierigkeiten aufgesucht werden kann, können die Briefwahlunterlagen ausnahmsweise noch am Samstag, 7. April, in der Zeit von 10 bis 12 Uhr im Rathaus, Bürgerbüro, sowie am Sonntag, 8. April, in der Zeit von 8 bis 15 Uhr, im Rathaus, Bürgerbüro, beantragt werden.

Ergebnisse am Sonntag ab 18 Uhr

Die Stimmen werden am Sonntagabend ab 18 Uhr in den jeweiligen Wahllokalen ausgezählt, die Briefwahl wird im Rathaus festgestellt. Alle Teilergebnisse werden unmittelbar in die Walzbachhalle weitergereicht. Dort werden sie ab 18 Uhr veröffentlicht. Die Bekanntgabe des Wahlergebnisses hat der Gemeindewahlausschuss auf 19 Uhr festgelegt, informierte dessen Vorsitzender Gerhard Fritscher.