SEIT ÜBER ZEHN JAHREN ist der Bahnübergang in Kleinsteinbach Thema: Komplette Beseitigung oder doch nur ein Umbau mit Aufweitung? Das Gremium entschied sich jetzt für die große Neuordnung.
Seit über zehn Jahren ist der Bahnübergang in Kleinsteinbach Thema: Komplette Beseitigung oder doch nur ein Umbau mit Aufweitung? Das Gremium entschied sich jetzt für die große Neuordnung. | Foto: Müller

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Bahnübergang in Kleinsteinbach soll jetzt doch weichen

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Bahnübergang Kleinsteinbach – die 15. Oder anders ausgedrückt: Seit 2006, als es auf dem Bahnübergang Kleinsteinbach zu einer Kollision zwischen einem Bus und einem Triebwagen der Bahn gekommen war, hat der Pfinztaler Gemeinderat 15-mal in öffentlichen und nicht-öffentlichen Sitzungen über die Beseitigung (oder „Ertüchtigung“) des schienengleichen Übergangs diskutiert, beraten und beschlossen.
Die „15. Klappe“ in der bald unendlichen Geschichte soll nun – wohlgemerkt mit Blick auf eine endgültige Entscheidung – die letzte sein. Mit 15 Ja-Stimmen sprach sich das Gremium bei seiner jüngsten Sitzung „endgültig“, so der Wunsch von Bürgermeisterin Nicola Bodner, für die „große Lösung“ aus. Grüne und ULiP stimmten dagegen.

Langes Hin und Her

Zur Erinnerung: Erst sollte eine umfassende, eben große Lösung her mit Unterführungen für Autos, Fußgänger und Radfahrer. Zu teuer, befand die Mehrheit des Gemeinderats. Mehr oder weniger zähneknirschend stimmte sodann wieder eine Gremiumsmehrheit für die von der Bahn favorisierte abgespeckte Lösung – im Grunde eine Aufweitung des bestehenden Übergangs, samt Abriss des alten Bahnhofgebäudes.

Unterführung und Überführungen

Das kann’s irgendwo aber auch nicht sein, hießt es dann sinngemäß im Gemeinderat. Eine neuerliche Entscheidung musste her. Und das ist nun doch die Rückkehr zur großen Lösung. Sie sieht Unterführungen, unter anderem mit Fahrstühlen, für Fußgänger und Radfahrer mit direkter Anbindung zu den Bahnsteigen vor. Diese werden an Ort und Stelle in der Burgstraße gebaut. Eine Überführung ist für die Autos vorgesehen. Diese soll einige 100 Meter entfernt in Richtung Söllingen über die Gleise hinweg auf der Rückseite des Friedhofs zur Industriestraße entstehen.

 

Sichere Variante – immense Kosten

Für Pfinztal, so die Verwaltung, würden Kosten zwischen fünf und sechs Millionen Euro entstehen. Zudem fordert die Bahn von der Gemeinde bisher entstandene Planungskosten in Höhe von 200 000 Euro.
Wiederholt habe sich seine Fraktion für die große Lösung ausgesprochen, erinnerte Reiner Kunzmann (SPD). „Bei der Durchsetzung der momentan geplanten Version („Aufweitung“) befürchten wir, dass wir in naher Zukunft nicht nur einen beschädigten Bus, sondern wirklich Menschenleben zu beklagen haben.“ Die Gemeinde müsse die sicherste Variante wählen, betonte Barbara Schaier (CDU), obwohl dadurch immense Kosten entstehen würden. Ähnlich sah es Andreas Hruschka (Bürgerliste), der aus seiner Sicht einräumte, dass es „damals“ falsch gewesen sei, gegen die große Lösung zu stimmen.

„Wir haben einfach nicht das Geld dafür.“

Keine Zustimmung fand die große Lösung bei Klaus-Helimar Rahn (ULiP): „Wir haben einfach nicht das Geld dafür.“ Überdies sieht er dann durch die deutlich schneller fahrenden Züge (derzeit 30 Kilometer pro Stunde, nach der Beseitigung über 100) Gefahren vor allem für Schüler auf dem Bahnsteig. Die Ausgabe, bemerkte dazu ebenso Artur Herb (Grüne), könne sich Pfinztal gar nicht leisten. Dass die Bahn Planungskosten von der Gemeinde zurückverlangt, hält er für eine „Frechheit“.

Die Bahn würde nach Auskunft von Bauamtsleiter Günter Knobloch die große Lösung mittragen. Bis zur Realisierung dauert es freilich. Allein das Planfeststellungsverfahren dürfte einige Jahre in Anspruch nehmen

Stichworte zum Bahnübergang:

  • Stark frequentiert wird der Übergang an Schultagen von rund 500 Schülern der Aloys-Henhöfer-Schule. Über die teilweise chaotischen Verhältnisse informierten sich Vertreter der Gemeinde und der Bahn im Frühjahr vor Ort.
  • Eine Vollschranken-Lösung lehnt die Bahn ab.
  • An einem Halbschranken-Bahnübergang liegt die Unfallhäufigkeit 30-mal höher als an einem Bahnübergang mit Vollschranken. Die Zahl präsentierte Knobloch. Er berief sich dabei auf eine Statistik des Bundes.
  • Bei der großen Lösung bleibt das Bahnhofsgebäude erhalten.

Von Klaus Müller

Nun also doch? Weg mit dem schienengleichen Bahnübergang in Kleinsteinbach? Endlich! Diese Entscheidung war schon die richtige, als sie vor Jahren zum ersten Mal im Gemeinderat von Pfinztal getroffen wurde. Und sie könnte wahrscheinlich schon – mindestens – im Bau sein, wenn man konsequent gewesen wäre. Das Hin und Her ist dem Projekt nicht wirklich bekommen. Die zuletzt in Betracht gezogene Aufweitung ist unter verkehrstechnischer Sicht nicht einmal eine Notlösung. Freilich sind fünf bis sechs Millionen Euro Eigenanteil, zumal im nicht wirklich auf Rosen gebetteten Pfinztal, kein Pappenstiel. Aber Zukunftsfähigkeit und Sicherheit haben nun mal ihren Preis. Beklagenswert ist, dass es jetzt doch noch geraume Zeit, geschätzt mehrere Jahre, dauern wird, bis die erforderliche Planfeststellung in die Gänge kommt und das Verfahren durchläuft. Immerhin ist sich der Gemeinderat jetzt mehrheitlich einig. Die Gemeinde tut gut daran, das Vorhaben mit Nachdruck mit der Bahn voranzutreiben. Und vor allem: Bei der jetzt getroffenen Entscheidung zu bleiben! Dietrich Hendel