Gestohlen und angezündet: Auf einem Acker abgebrannt wurde ein Kart des MSC Weingarten.
Gestohlen und angezündet: Auf einem Acker abgebrannt wurde ein Kart des MSC Weingarten. | Foto: pr

Vandalismus bleibt ein Problem

„Befriedung“ ist nie von langer Dauer

Die Reaktion kam schnell: In der Nacht auf Samstag, 19. Mai, sind Unbekannte ins Schulzentrum in Linkenheim eingedrungen und haben mehrere Räume systematisch verwüstet (die BNN berichteten). „Seit dem 20. Mai ist zusätzlich zum Gemeindevollzugsdienst bis auf Weiteres eine Sicherheitsdienstfirma insbesondere mit der zusätzlichen Bestreifung des Schulgeländes beauftragt“, teilt Linkenheim-Hochstettens Bürgermeister Michael Möslang mit.

„Neue Qualität“ des Vandalismus

Was man in den vergangenen Monaten in dieser Hinsicht erlebt habe, zeige eine „neue Qualität“, sagte er gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten. „Der Schaden durch Vandalismus  in unserer Gemeinde konzentriert sich derzeit auf das Schulzentrum in Linkenheim. Der Einbruch an der Albert-Schweitzer-Förderschule war der zweite dieser Art im Schulzentrum Linkenheim. Im September 2017 erfolgte bereits ein Einbruch in die GWRS, bei dem ein Getränke-Automat aufgebrochen und ein Laptop gestohlen wurde.“
Bei dem jüngsten Einbruch wurden ein Laptop und ein noch nicht bestimmter Bargeldbetrag entwendet, so Möslang. „Aufgrund der Ferienzeit konnte noch nicht genau bestimmt werden wie hoch der Schaden genau ist und ob noch weitere Objekte fehlen. Klar ist jedoch, dass der durch den Einbruch entstandene Sachschaden die gestohlenen Vermögenswerte übersteigt. Die unbekannten Täter verschafften sich Zugang zur Schule, indem sie zwei Fenster einschlugen. Anschließend gelangten sie ins Gebäude und haben dort mehrere Räume durchsucht, zwei Glastüren eingeschlagen, eine Holztüre aufgehebelt und einen Stahlschrank aufgebrochen. Alle betretenen Zimmer wurden durchwühlt und verwüstet.“

10000 Euro Schaden in fünf Wochen

Losgelöst von diesem Einbruch erlebe die Gemeinde seit April eine Serie von Vandalismus am Schulzentrum Linkenheim, die deutlich über das übliche Maß hinausgeht: „Insgesamt wurden an der Grundschule sieben Scheiben eingeschlagen oder beschädigt, zwei Oberlichter aus dem Flachdach herausgerissen und als Wurfwerkzeug gebraucht, an der Realschule und an der Albert-Schweitzer-Schule eine Scheibe eingeschlagen und Graffiti an einer eben erst frisch gestrichenen Wand angebracht“, so Möslang. „Die Schadenssumme durch Vandalismus summierte sich vom 13. April bis zum 19. Mai am Schulzentrum Linkenheim auf insgesamt rund 10 000 Euro. Hinzu kommen viele Hausmeisterstunden für die Beseitigung von Müll, Scherben und Geschmiere.“
„Seit die Sicherheitsfirma auf Patrouille ist, gab es keine Vorfälle mehr, die über Scherben auf dem Schulgelände hinausgingen“, sagt Michael Möslang. „Wie die Gemeinde weiter vorgeht, welche Maßnahmen dauerhaft oder ergänzend ergriffen werden, um in diesem Kontext zu agieren, wird der Verwaltungsausschuss des Gemeinderates in den kommenden Wochen beraten und entscheiden.“

Polizei fährt Jugendhäuser und Badeseen an

Auch in Linkenheim-Hochstettens Nachbargemeinde Eggenstein-Leopoldshafen wurde jüngst im Gemeinderat von Verwaltungsseite die Beauftragung eines Sicherheitsdiensts angesprochen. „Wir werden mit den üblichen Auswüchsen konfrontiert“, sagt Philipp Jänicke, Leiter Bürgerdienste im Rathaus. „Schmierereien auf Stromkästen und an Unterführungen, die wenige Tage, nachdem sie überstrichen wurden, von den nächsten Sprayern verunstaltet werden. Die Gemeinschaftsschule, das Jugendhaus, Badeseen und Bürgerpark bleiben beliebte Treffpunkte junger Menschen, an denen es zu Ruhestörungen oder unschönen Hinterlassenschaften kommt. Wir stehen in Kontakt mit dem Waldstadtrevier, die Hotspots anfahren und dort eine gewisse Befriedung erreichen. Die ist aber nie von längerer Dauer.“
„Wir haben nach dem 1. Mai und nach Himmelfahrt Anzeigen gegen unbekannt wegen Graffiti erstattet“, berichtet Pfinztals Hauptamtsleiter Wolfgang Kröner. „Auf dem Spielplatz Kohlerwiese in Berghausen wurden mehrere Spielgeräte mit Schmierereien verunstaltet. Die Unterführung in Berghausen hatten wir extra für eine Aktion im Pfinziwatz-Ferienprogramm frisch gestrichen.“ Ansonsten allerdings sei es in Pfinztal eher ruhig. Einen Sicherheitsdienst hatte die Gemeinde früher im Einsatz, die Situation habe sich danach aber so entwickelt, dass auf ihn verzichtet werden konnte.
„Wir haben natürlich ein gewisses Maß an Vandalismus“, sagt Dettenheims Bürgermeisterin Ute Göbelbecker. „Graffiti stehen vorne an, auch bei der Grillhütte sind immer wieder Schäden zu verzeichnen. Aber von einer steigenden Tendenz kann man nicht reden.“ In Dettenheim ist weder ein Sicherheitsdienst noch ein Gemeindevollzugsbediensteter im Einsatz.

Kart gestohlen und angezündet

In Weingarten fiel ein Einzelfall besonders auf: Ende April wurde aus einem Lagerraum des MSC Weingarten ein Kart gestohlen und auf einem Acker abgebrannt. „Insgesamt ist Vandalismus im Moment kein Problem“, sagt Hauptamtsleiter Oliver Russel. Weingarten hat keinen Sicherheitsdienst, aber zwei Gemeindevollzugsbedienstete gehen auch abends Streife.
„Wir haben seit mehreren Jahren einen Sicherheitsdienst im Einsatz“, sagt Thomas Schoch vom Ordnungsamt Stutensee. „Er sucht schwerpunktmäßig städtische Einrichtungen und die Schulen auf, patrouilliert auch am Wochenende und auf Anfrage abends. Unterstützt wird er vom Gemeindevollzugsdienst. Wir haben die üblichen Graffiti und Sachbeschädigungen, teilweise an den Schulen, aber vehement mehr geworden ist es nicht.“
Auch in Graben-Neudorf ist, mittlerweile im zwölften Jahr, ein Sicherheitsdienst im Einsatz. „Im Wesentlichen sind es kleinere Schäden, in der Art von Steinwurf gegen Sporthallenscheibe, und natürlich Graffiti, besonders in Bahnhofsunterführungen“, sagt Ulrich Notheis vom Ordnungsamt. „Aber bevor wir den privaten Sicherheitsdienst engagiert haben, war es viel schlimmer.“
Beim Polizeiposten in Walzbachtal hatte man in diesem Jahr und 2017 mit den bekannten Schmierereien an Bahnhöfen oder Haltestellen zu tun, aber diese hielten sich laut Polizei „in Grenzen“.