Es grünt so grün: Thomas Hennig, der eine riesige Hänger-Ladung Schnittgut abgibt, hat kein Problem mit den neuen Vorschriften im Wertstoffhof. Wie er halten auch die meisten anderen Anlieferer die Vorgehensweise der Gemeindeverwaltung für sinnvoll.
Es grünt so grün: Thomas Hennig, der eine riesige Hänger-Ladung Schnittgut abgibt, hat kein Problem mit den neuen Vorschriften im Wertstoffhof. Wie er halten auch die meisten anderen Anlieferer die Vorgehensweise der Gemeindeverwaltung für sinnvoll. | Foto: Waidelich

Kartonagen werden entsorgt

Bei der Wertstoffabgabe in Walzbachtal gelten wegen Corona-Krise strenge Regeln

Anzeige

Die Corona-Pandemie hat das Leben an vielen Stellen schwieriger gemacht. Dazu zählen auch die Wertstoffhöfe der Gemeinden. Für Sebastian Engel, Leiter des Walzbachtaler Baubetriebshofs, brachten die Verordnungen der Landesregierung ungewohnte Aufgaben.

Von Arnd Waidelich

Um die Abstandsregeln einhalten zu können, durften nur noch fünf Anlieferer gleichzeitig in den Wertstoffhof einfahren. Es musste eine Wartezone auf dem Parkplatz des TV Wössingen eingerichtet werden.

Dort ist seither eine Person positioniert, die den ersten wartenden Fahrzeugen grünes Licht gibt für die Fahrt zum Wertstoffhof. An dessen Eingang wiederum sitzt ein weiterer Mitarbeiter. Erst wenn er per Walkie-Talkie das endgültige Okay gibt, kann man Richtung Wertstoffhof starten. Das habe sich nur mit einem verdoppelten Personaleinsatz organisieren lassen, sagt Engel.

Zusätzlich zu der Stammbelegschaft habe er Aushilfskräfte aus den Kindergärten und Horten rekrutieren müssen. Erzieherinnen der kommunalen Kindertagesstätten hätten sich gern bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen.

An ihm müssen sie vorbei: Günter Mössner dirigiert die wartenden Autos und hält dabei Funkkontakt mit einem Kollegen.
An ihm müssen sie vorbei: Günter Mössner dirigiert die wartenden Autos und hält dabei Funkkontakt mit einem Kollegen. | Foto: Waidelich

Anlieferer müssen in Corona-Krise Einfahrtsregeln befolgen

Eine durchaus nicht ganz leichte Aufgabe, denn nicht jeder ist bereit, die strikten Einfahrtsregeln zu befolgen. Gerade ist der Amtsleiter dabei, diese Regeln zu erklären, da prescht ein fetter Wagen unaufgefordert durchs Tor, ohne sich in die Schlange der Wartenden eingereiht zu haben.

Da gerät er bei Andre Müller an den Falschen.

Er pfeift ihn zurück, lässt den Drängler einen U-Turn im Wertstoffhof machen und schickt ihn in die Reihe der Wartenden auf dem TV-Parkplatz. Das sei aber eher ein Einzelfall. Die weit überwiegende Mehrheit der Besucher akzeptiere die neuen Regeln. „Hin und wieder kommt es aber schon mal zu kleinen Auseinandersetzungen“, räumt Stefan Engel ein.

Für Thomas Hennig ein „No go“: „Das Warten hat ja seinen Grund“, meint er, während er mit einer riesigen Hänger-Ladung Grünschnitt kämpft. So sehen es durchweg alle Anlieferer. „Ordnung muss eben sein“, sagt Johann Töpfner, der direkt daneben den Rückschnitt eines Kirschbaums entsorgt.

Wer da nicht warten kann, für den habe ich kein Verständnis.

Barbara Losereit

„Wer da nicht warten kann, für den habe ich kein Verständnis“, sagt auch Barbara Losereit, die eine Menge Kartonagen in die Presse einwirft. Sie selbst fühlt sich nicht im geringsten beeinträchtigt durch die Wartezeit und sieht die neue Form des Anstehens fast noch praktischer als zuvor: „Die Idee gefällt mir sehr gut.“

Matthias Junker ist sogar noch ganz andere Kontrollmechanismen gewöhnt. Der junge Oberderdinger, der seiner Jöhlinger Freundin Marlene Köller hilft, fragt zunächst höflich nach, „wo ich mich registrieren muss“, um später Infektionsketten verfolgen zu können. So genau nehmen es die Wössinger dann doch nicht, und der Bauhofmitarbeiter reagiert mit verschmitztem Lächeln.

Kartonagen werden auf dem Wertstoffhof entsorgt

Dass nur fünf Fahrzeuge zum Abladen zugelassen werden sei akzeptabel, meint auch Peter Oberle, fügt aber hinzu, dass man die strengen Regeln mittlerweile durchaus wieder ein bisschen lockern könne. Die Wartezone beim TV Wössingen findet er super und könnte sich vorstellen, dass man das nach weiteren Lockerungen beibehalten könnte.

Mehr zum Thema: An Karlsruher Wertstoffstationen gibt es Wartezeiten bis zu 90 Minuten

Diesen Vorschlag sieht Sebastian Engel eher skeptisch. Er hat Zweifel daran, den doppelten Personaleinsatz später aufrechterhalten zu können. Eine andere Bilanz könne er indessen schon ziehen. Die Ablieferung von Kartonagen und Papier habe drastisch zugenommen. Die Menschen hätten sehr viel mehr über das Internet bestellt. Die Verpackungen werden jetzt über den Wertstoffhof entsorgt.

Da auch keine Altpapiersammlungen der Vereine mehr stattfinden, sei auch das um 100 Prozent angestiegen. Bei den Kartonagen sei es noch sehr viel mehr gewesen. Damit nicht genug, sei auch der Anteil an Altholz, der in einem Container entsorgt werden kann, stark angestiegen. Die Leute hätten sehr viel mehr Zeit gehabt, Keller und Speicher zu entrümpeln.