Ohne Unterstützung vom Elektro-Motor unterwegs: Folke Olesen (Mitte) zusammen mit Volker von der Linde und Wolfgang Pospich. Vergangenes Jahr hat Olesen rund 20 Radtouristik-Fahrten mitgemacht, beim Stadtradeln ist er zum dritten Mal dabei. | Foto: pr

Pedelecs

Beim Thema Elektro-Räder scheiden sich die Geister

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Bald wird wieder kräftig in die Pedale getreten. Die Aktion Stadtradeln startet in der Region am 28. Juni und sowohl Einzelpersonen als auch viele Gruppen sind mit dabei – und einige Kommunen im Verbreitungsgebiet der BNN-Hardtausgabe machen mit. 21 Tage Radfahren und dabei zeigen, wie man das Klima schützen kann. Dabei werden wahrscheinlich viele dabei sein, die nicht nur auf reine Muskelkraft setzen, sondern sich elektrisch unterstützen lassen und auf sogenannte Pedelecs setzen.

Allerdings gehen die Meinungen zu den Elektro-Rädern bei den Radsportlern auseinander, wie von Folke Olesen vom RV Badenia Linkenheim zu erfahren ist. Zumal man zwischen elektrisch unterstützten Tourenrädern und Mountainbikes mit Elektromotor unterscheiden müsse. Letztere seien in der Radszene umstritten, da sie mit ihren stärkeren E-Motoren dem Waldboden Schaden zufügten.

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Eigene Gruppe fürs Stadtradeln

Der 63-Jährige ist selbst nur mit Muskelkraft unterwegs. Der Verein habe für das Stadtradeln eine eigene Gruppe gegründet, erklärt Olesen, der bei den Linkenheimer Radlern für den Breitensport zuständig ist. Für ihn ist es seine dritte Teilnahme. Gut drei Wochen lang soll man so viele Alltagswege wie möglich auf dem Rad zurücklegen, wobei er ergänzt, dass es nicht nur Ersatzfahrten sein müssen.

„Es werden auch Spaßfahrten akzeptiert“, sagt er. Wann immer es geht, sei er mit dem Rad unterwegs. „Ich bin nie Rennfahrer gewesen“, betont Olesen.

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Reiseradler und Radtouristik-Fan

Er sei eher der Reiseradler, der in seinen Studienzeiten nach Schweden oder Finnland unterwegs war und ebenfalls schon über die Alpen geradelt ist. Vergangenes Jahr hat er rund 20 Radtouristik-Fahrten in der Umgebung mitgemacht. Bei dieser Art von Fahrten, die deutschlandweit stattfinden, startet die kleinste Tour, wie er sagt, bei 45 Kilometern. Die größte Tour ist 150 Kilometer lang.

Miteinander statt gegeneinander ist die Devise bei den Fahrten, so Olesen. „Wer zusammen losfährt, kommt auch zusammen an“, sagt er. Die Fahrten sollten für jeden machbar sein – es gebe ein Punktesystem, Kontroll- und Versorgungsstationen, aber kein Zeitlimit. Dieses Jahr fallen die Ausfahrten coronabedingt aus, erklärt er.

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Pedelecs in der Seniorengruppe

Der Radfahrerverein Graben wird sich nach Aussage des Vorsitzenden Klaus Kaiser „eher nicht am Stadtradeln beteiligen“. Der Verein hat eine Seniorengruppe, die jeden Donnerstag rund 20 Kilometer auf den Rädern abspult – darunter seien auch viele Pedelecs. Die Unfallgefahr für Pedelec-Fahrer sei stark gestiegen, sagt der 73-Jährige. Mit Motorunterstützung habe die Geschwindigkeit zugenommen, die Verhaltensweisen seien aber gleich geblieben.

Viele Senioren seien mit diesen Rädern zu schnell unterwegs. „Die fegen um die Ecke und merken nicht, wie lange der Bremsweg sein wird“, sagt er. Kaiser rät, den Fahrradhelm beim Tragen richtig einzustellen. Der Helm sollte zwei Finger breit über der Nasenwurzel beginnen.

Die fegen um die Ecke und merken nicht, wie lange der Bremsweg sein wird.

Klaus Kaiser, Vorsitzender Radfahrerverein Graben

Walzbachtal nimmt zum ersten Mal am Stadtradeln teil – und damit auch „Frisch auf“ Jöhlingen. 2005 habe man den Verein wiederbelebt, wie die stellvertretende Vorsitzende Sonja Birli berichtet. Da man am Wochenende oder in der Freizeit mit dem Rad unterwegs sei, habe man sich schon gefragt, ob man als Verein an der Aktion teilnimmt – es gehe ihnen aber um die Präsenz.

„Dabei sein ist alles“, sagt sie. Die Anzahl der Elektroräder im Verein sei in den vergangenen zwei Jahren sprunghaft angestiegen. Auch Birli setzt mittlerweile auf ein elektrisch unterstütztes Rad. „Es macht richtig Spaß.“

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Beim Stadtradeln will sie ebenso ein konventionelles Rad einsetzen. Sie sieht es als problematisch an, wenn Leute, die davor kaum Rad gefahren sind, auf ein Pedelec umsteigen. „Sie überschätzen sich oftmals“, sagt sie. Wenn man aber mit dem Fahrrad vertraut sei, sei es kein Problem auf eines mit E-Motor-Unterstützung umzusteigen.

Es macht richtig Spaß.

Susanne Birli, stellv. Vorsitzende „Frisch auf Jöhlingen“ über ihr Pedelec

Pedelec-Neukäufer sollten sich mit Fahrzeug vertraut machen

Pedelecs seien per se keine gefährlichen Fahrzeuge, so die ADFC-Landesvorsitzende, Gudrun Zühlke. Sie würden Geschwindigkeiten erreichen, die man mit nicht-motorisierten Rädern auch erreiche. Überdurchschnittlich viele Leute seien mit brandneuen Fahrzeugen unterwegs und unter den Pedelec-Nutzern gebe es einen erhöhten Anteil älterer Leute die sich bei Stürzen häufig schwer verletzen.

So lange es noch kein Fahrsicherheitstraining gebe, sollten sich Neukäufer von Pedelecs in einem geschützten Rahmen mit dem Fahrzeug vertraut machen, zuerst ohne Zuschaltung des Motors und dann mit.

Was heißt Pedelec?
Pedelec steht für Pedal Electric Cycle. Der Fahrer wird beim Treten in die Pedale seines Fahrrads von einem Elektromotor unterstützt. Man unterscheidet Pedelecs (Unterstützung bis 25 Kilometer pro Stunde), S-Pedelecs (Unterstützung bis 45 Kilometer pro Stunde) und Elektro-Rollern. S-Pedelecs und E-Roller laufen nach Aussage von Gudrun Zühlke, Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), als Kraftfahrzeuge und benötigen ein Kennzeichen. Wurden 2018 rund 980.000 E-Bikes verkauft, stieg die Anzahl 2019 auf rund 1,4 Millionen. Laut Innenministerium Baden-Württemberg hat der Trend Auswirkungen auf die Unfälle. 2019 waren bei 2.112 Unfällen Pedelecs involviert, im Jahr 2018 waren es noch 1.643. Bei den 62 getöteten Radfahrern im Straßenverkehr 2019 war rund ein Drittel auf Pedelecs unterwegs.
Laut Aussage von Gudrun Zühlke startet der ADFC in Kooperation mit dem Württembergischen Radverband in vier Landkreisen ein Pilotprojekt in puncto Schulungsleiter für Pedelecs. Nächstes Jahr soll das Projekt flächendeckend realisiert werden.