Mitglieder der Bürgerinitiative "Pro Jöhlingen" neben der Marienkapelle. | Foto: Waidelich

Kritik an Trassenplanung

B 293 Umgehung: Bewohner des Jöhlinger Baugebietes „Attental“ gründen Bürgerinitiative

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Von Arnd Waidelich und Manfred Spitz

Schon seit Jahrzehnten steht die B-293-Umgehung für Jöhlingen auf der Agenda der Gemeinde Walzbachtal. Doch alle Anstrengungen für ihre Realisierung verliefen bisher im Sand. Jetzt allerdings keimt bei Bürgermeister, Gemeinderat und den Anliegern der besonders betroffenen Jöhlinger Straße wieder Hoffnung. Die Umgehung wurde vom Bundesministerium für Verkehr in Berlin in den vordringlichen Bedarf eingestuft. Und da die Planung schon im fortgeschrittenen Stadium ist, sei damit zu rechnen, so unterrichtete Bürgermeister Karl-Heinz Burgey den Gemeinderat, dass bald mit der Vorentwurfsplanung begonnen werden könne.

Die bisher vorliegende Planung des Regierungspräsidiums Karlsruhe sieht die Anbindung an die alte B 293 aus Richtung Wössingen und die Unterführung der Bahnlinie Jöhlingen – Wössingen vor. Der Abstand der Trasse von der Wohnbebauung beträgt demnach in der Luftlinie zum Wielandweg 28 rund 250 Meter, zum Asternweg 215 Meter, zum Krokusweg 250 Meter sowie zum Wiesenweg 275 Meter.

„Bürgerinitiative Pro Jöhlingen“

In Jöhlingen war bisher die Stimmung einmütig: Die Umgehung muss her. Diese Position wurde mit mehrfachen, einmütigen Entscheidungen des Gemeinderats bestätigt. Jetzt aber rührt sich erstmals Widerstand. Aus Reihen der Bewohner des besonders betroffenen Baugebiets „Attental“ hat sich die „Bürgerinitiative Pro Jöhlingen“ (BI) gebildet. Bei der konstituierenden Sitzung wählten die zwölf Gründungsmitglieder ihre Führung unter der Vorsitzenden Sibylla Nordwig-Krauß und den Stellvertretern Ralf Schmid und Michael Zoller. Der Antrag auf den Status des eingetragenen Vereins wurde beim Amtsgericht Mannheim gestellt.

Zerschneidung des Naturdenkmals „Attental“ befürchtet

Schon im Vorfeld hatte die Gruppe ihr erstes Auftreten gründlich vorbereitet. So wurde unter dem Motto „Eine sinnvolle B-293-Lösung für Mensch und Natur“ eine Homepage eingerichtet (www.umgehung-joehlingen.de), auf der man sich das entsprechende T-Shirt im BI-Webshop bestellen kann. Als Logo prangt die Marienkapelle auf der Brust. Diese hat sich die Gruppe aus gutem Grund für ihren ersten Auftritt ausgesucht: Durch die Ortsumfahrung befürchtet sie eine Durchschneidung des Naturdenkmals „Attental“ und eine Abtrennung der Marienkapelle davon. Am Sonntag, 4. März, will sie sich erstmals bei einem Aktionstag der Öffentlichkeit präsentieren.

Nicht gegen B 293 Umgehung, sondern für eine umweltverträgliche Lösung

Die platte Forderung „Keine B-293-Umgehung“ findet man auf der Homepage der BI jedoch nicht. Ebenso wenig im persönlichen Gespräch mit den BNN. Die Aktiven sperren sich nicht grundsätzlich gegen eine Umgehungsstraße. Sie legen vielmehr Wert darauf, eine umweltverträgliche Lösung zu finden. Die sei ihrer Ansicht nach allerdings mit der aktuell vom Regierungspräsidium favorisierten Trasse nicht gegeben. Durch den geplanten Verlauf der B 293 sei die Idylle des flächenhaften Naturdenkmals „Attental“ gefährdet. Es müsse eine nachhaltige Lösung der Ortsumgehung Jöhlingen geben, ohne das Naturdenkmal „Attental“ für Mensch und Tier zu zerstören, so die BI.

„Tunnellösung“ wäre für BI nachhaltigste Alternative

Als die ökologische und nachhaltige Alternative für Mensch und Natur bezeichnet die BI die vom Regierungspräsidium ausgeschlossene „Variante eins“. Diese führt eng an die vorhandene Bebauung heran und als Tunnellösung der Bahn entlang unter dem „Attental“ hindurch. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Sibylla Nordwig-Krauß und verweist auf eine gemeinsame Begehung der geplanten Trasse mit Vertretern des Nabu (Naturschutzbund Deutschland), des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und des Landesumweltverbands. Demnach seien die Umweltschützer entsetzt gewesen von den zu erwartenden Auswirkungen auf das Naturdenkmal.

„Athmosphärisch sehr gutes Treffen“ mit Bürgermeister Burgey

Die Gruppe hat schon das Gespräch mit Bürgermeister Karl-Heinz Burgey gesucht. Von einem „atmosphärisch sehr gutes Treffen“ berichtet Ralf Schmid. So charakterisiert es auch der Bürgermeister. Wenn Bürger Interesse an dem Thema entwickeln, sei es grundsätzlich gut, meint das Gemeindeoberhaupt. Er habe allerdings darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Initiative intensiv mit den Plänen und Überlegungen befassen sollte, die in der Vergangenheit schon diskutiert und verworfen wurden. Dazu zählte Burgey insbesondere die von der BI favorisierte ortsnahe Tunnellösung. Diese sei dem Gemeinderat vorgestellt und vor allem aus technischen, aber auch aus finanziellen Gründen ausgeschlossen worden.

Im Januar Gespräch im Regierungspräsidium

Mitte Januar will sich die Gruppe nun mit Axel Speer, dem Leitenden Baudirektor im Regierungspräsidium Karlsruhe, treffen. Er wies auf Nachfrage der BNN darauf hin, dass zwei im Jahr 2012 anfangs erwogene Tunnellösungen aus guten Gründen nicht weiter verfolgt worden seien. Bei der ersten Variante, bei der der Tunnel dicht an der Bahn entlang führen würde, hätte man eine nicht akzeptable Steigung erhalten und hätte überdies ins „Gageneck“ hineinschwenken müssen. Die Planungen für dieses Neubaugebiet seien im Jahr 2012 allerdings schon so weit fortgeschritten gewesen, erklärte der Leiter des Referats Straßenplanung im Regierungspräsidium, dass eine Umkehr nicht mehr möglich gewesen wäre. Diese wie auch die „Tunnelvariante zwei“ hätte überdies das Projekt von der Kostenseite her derart aus dem Ruder laufen lassen, dass sie der Bund nicht mehr akzeptiert hätte.

Zahlen und Fakten zu den geplanten Ortsumfahrungen Jöhlingen und Berghausen: Die Planungen für die B-293-Ortsumgehungen von Jöhlingen und Berghausen laufen. Die Realisierung beider Projekte sollte im Zeitrahmen des aktuellen, bis zum Jahr 2030 fortgeschriebenen, Bundesverkehrswegeplans umgesetzt werden. Derzeit sind die Vorentwürfe für die Umfahrung Jöhlingen (Kosten: rund 28,5 Millionen Euro) und Berghausen (etwa 24,3 Millionen Euro) in der Bearbeitung. – Die favorisierten Varianten des Regierungspräsidiums Karlsruhe: B-293-Ortsumfahrung Jöhlingen (rund 2,9 Kilometer): Beginn westlich der Ortslage beim „Jöhlinger Buckel“ in der Nähe des Sportplatzes im Gewann „Lehrwald“ beziehungsweise „Prinzhölzle“, Ende südöstlich von Jöhlingen bei der Einmündung der Gemeindeverbindungsstraße Jöhlingen – Wössingen in die B 293. Die Ortsdurchfahrt der B 293 wird zur Landesstraße (L 559 neu) abgestuft. Diese wird zwischen Jöhlingen und der geplanten Anschlussstelle auf einer Länge von 780 Metern neu trassiert. Die Gemeindeverbindungsstraße „Wössinger Straße“ wird an den geplanten Knotenpunkt angepasst. Weil die neue B-293-Trasse einen Wildtierkorridor durchschneidet, soll beim Sportplatz am „Jöhlinger Buckel“ eine rund 50 Meter lange Grünbrücke gebaut werden. Um den Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet und Flächen-Naturdenkmal „Attental“ zu minimieren, soll eine etwa 155 Meter lange Talbrücke gebaut werden. Weitere Bauwerke, unter anderem zur Kreuzung der Bahnlinie Grötzingen – Bretten, werden ebenfalls erforderlich. – B-293-Ortsumfahrung Berghausen (etwa 1,8 Kilometer): Die Neubaustrecke umfährt Berghausen nordwestlich. Die bestehende Einmündung B 10/Weiherstraße wird zum Kreisverkehr umgebaut. Auf Höhe des Vogelparks wird ein weiterer Kreisverkehr errichtet, an dem auch die Weiherstraße angeschlossen wird. Die Anbindung des Wohngebietes „Untere Au“ erfolgt durch eine neue Gemeindestraße und mittels Brücke über die Pfinz (parallel zur bestehenden Brücke). An die Gemeindestraße werden auch die Kläranlage sowie der Vogelpark angebunden. Die Gewerbestraße wird zur Sackgasse. – Vorentwürfe, und wie geht’s dann weiter? Die Vorentwürfe gehen an die Landesregierung, danach landen die Planpapiere bei der zuständigen Bundesbehörde zur Genehmigung. Ist die erfolgt, startet das Planfeststellungsverfahren. Auf einen konkreten Zeitpunkt, wann es mit den Arbeiten los gehen kann (veranschlagte Bauzeit etwa drei Jahre), will man sich beim Regierungspräsidium nicht festlegen.