In 102 Meter Höhe lässt sich Walzbachtals Bürgermeister Timur Özcan (links) von Opterra-Werkleiter Stephan Schenk die Aussicht erklären.
In 102 Meter Höhe lässt sich Walzbachtals Bürgermeister Timur Özcan (links) von Opterra-Werkleiter Stephan Schenk die Aussicht erklären. | Foto: Waidelich

Umweltschonendes Werk

Biotop mit Wildschweinen und Uhu: Walzbachs Bürgermeister besucht Zementwerk

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Ohne Zement läuft in unserem Alltag nichts: Ob Eisenbahntunnel, Wellenbrecher, Talsperren, Häuser oder Brücken – überall ist Beton – und damit auch Zement – drin. Das erfuhr Walzbachtals Bürgermeister Timur Özcan bei seinem Besuch im Zementwerk Opterra von Jörg Heimburg, im Wössinger Unternehmen für die Bereiche Steinbruch, Umwelt und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

In dem Werk, das in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, sind 124 Mitarbeiter, darunter über ein Drittel Walzbachtaler, beschäftigt. Sie produzieren bis zu 800.000 Tonnen Zement pro Jahr und erwirtschaften damit rund 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Für Özcan besonders erfreulich: Opterra zahlt „einen bedeutenden sechsstelligen Betrag“ an die Gemeinde – und ist damit der zweitgrößte Gewerbesteuerzahler im Ort.

Damit nicht genug: Das Unternehmen engagiert sich vielfältig im sozialen und gesellschaftlichen Bereich, veranstaltet mit dem TV Wössingen den Zementwerkslauf, hat Kooperationen mit dem THW, der Johanniter-Hilfe, der Polizei und der Bundeswehr – und wirkt bei der Verkehrserziehung der Schulen und Kindergärten der Gemeinde mit.

Umweltmanager Heimberg bezeichnet das Werk zudem als „eines der energieeffizientesten und umweltschonendsten Zementwerke Deutschlands“ sowie als „Vorreiter bei der Reduktion von Stickoxiden“ und verweis stolz auf die umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen.

So gebe es inzwischen im einstigen Steinbruch Böhnlich die bedrohten Kreuzkröten, acht Arten von Fledermäusen, jede Menge Füchse, Hasen und zwei Wildschwein-Rotten mit insgesamt 50 Tieren. Und im Turm, dem Herzstück der Industrieanlage, hätten sich mittlerweile Turmfalken eingenistet.

Technik und mächtige Anlagen

Beim Rundgang mit Werkleiter Stephan Schenk geht es um viel Technik – und mächtige Anlagen. Allein drei Zementmühlen, darunter die älteste aus dem Jahr 1956, mahlen den Kalkstein, der 85 Prozent des Zements ausmacht.

Dieser wird auf einer Fläche von 50 Hektar in den Wössinger Steinbrüchen gewonnen. Weitere „Zutaten“, wie Gips, Aschen oder Eisen stammen aus der Region. Und der Opterra-Beton ist denn auch „nicht in München oder Mainz“ zu finden, so Schenk, sondern ebenfalls in einem Radius von unter 100 Kilometern um das Wössinger Werk. Das geht natürlich nur mit zahlreichen Lkw, die aber laut Heimburg nicht durch den Ort rollen.

Wie es denn mit E-Mobilität oder alternativen Antrieben aussieht, will Özcan wissen. Schenk: „Wir diskutieren innerhalb des Konzerns, ob wir Wasserstoff-Lkw einsetzen sollen. Es geht auch darum, bei Kunden ein Signal zu setzen.“ Zur Frage, wie lange die Steinbrüche noch Kalkstein lieferten, erklärt Heimburg: „Wir haben noch mehrere Dekaden Reserven.“

Der Höhepunkt des knapp einstündigen Rundgangs ist natürlich der Turm. Mit dem Aufzug geht es auf etwa 90 Meter, die restlichen zwölf Meter müssen auf Metalltreppen erklommen werden. Hoch oben bietet sich eine fantastische Aussicht, die an diesem Tag allerdings der diesige Himmel etwas trübt. Opterra war das zweite Unternehmen, das Özcan besuchte. Nun hat er weitere Firmen im Blick, um sein Projekt „Vernetzung“ weiter voran zu treiben.