Eine neue Mitte will Bürgermeister Eric Bänziger in Weingarten entwickeln und bis zum Ende seiner in Kürze beginnenden zweiten Amtszeit realisiert haben. | Foto: del

Visionen für Weingarten

Bürgermeister Eric Bänziger will neue Mitte am Walzbach

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Am Sonntag ist Eric Bänziger als Bürgermeister von Weingarten mit überwältigender Mehrheit im Amt bestätigt worden. Nach einer kurzen Verschnaufpause stellt er sich am Dienstag zum Interview und blickt auf die Themen, Pläne, Ideen und Visionen für die bevorstehenden acht Jahre voraus.

Wie fühlen Sie sich  zwei Nächte nach dem Wahlsonntag?
Bänziger: Die Spannung hat sich gelöst, und ich freue mich, meiner täglichen Arbeit wieder nachgehen zu können.

Was steht als erstes auf dem Plan?
Bänziger: Montagabend war bereits Ältestenratssitzung, bei der wir die Ergebnisse der Wahl analysiert haben. Am Dienstagmorgen musste die liegen gebliebene Post abgearbeitet werden, und das Quartalsgespräch mit dem Personalrat habe ich geführt. Am Nachmittag folgte die wöchentliche Amtsleiterrunde.

Was sind die vordringlichsten Aufgaben für das laufende Jahr?
Bänziger: Wir müssen unsere drei großen Straßensanierungen koordinieren, und die Strukturierung der Elternbeiträge für unsere Kindertagesstätten ist versprochen.

Wie sieht es mit dem brandaktuellen Thema Breitband aus?
Bänziger: Gerade haben wir die ersten zwei Übergabepunkte des Backbones in Betrieb genommen und werden kontinuierlich mit dem Ausbau weiter machen. Die Gewerbebetriebe werden dieses Jahr abgefragt und dann auch vorgezogen.

Die Erweiterung der Gemeinschaftsschule steht in diesem Jahr auch noch auf der Agenda. Wie geht es da voran?
Bänziger: Wir stehen in den Startlöchern mit der Planung. Sobald mit der evangelischen Gemeinde die Standortfrage geklärt ist, werden wir loslegen, um unsere weiterführende Schule zu sichern.

Welche Strukturen geben Sie Ihrer zweiten Amtszeit?
Bänziger: Wir wollen unsere Verwaltung immer stärker auf die Anforderungen unserer Informations- und Kommunikationsgesellschaft weiter entwickeln. Heißt zum Beispiel, alle Dienstleistungen soweit wie möglich online anzubieten und auf Anfragen innerhalb von 24 Stunden zu reagieren. Städtebaulich wollen wir die innerörtliche Entwicklung durch Bebauungspläne so steuern, dass modernes Wohnen für Jung und Alt möglich wird. Insgesamt möchten wir über eine Agenda 2030 unsere Leistungen zielorientiert ausrichten.

Im Wahlkampf haben Sie davon gesprochen, die obere Bahnhofstraße attraktiver zu machen. Wie konkret ist diese Vision?
Bänziger: Wir haben bereits mit dem Gemeinderat über die „Mitte“ von Weingarten beraten und es für wichtig erachtet, „Frequenzbringer“ im Einzelhandel zu bündeln. Das Ganze sollte noch mit Gastronomie wie einer Vinothek, einem Straßencafé und vielleicht einer Brauerei angereichert werden und durch eine teilweise Öffnung der Walzbach und Reduzierung des Verkehrs zu mehr Aufenthaltsqualität führen.

Wohin soll Weingarten Ihrer Meinung nach einwohnermäßig wachsen?
Bänziger: Der Einwohnerzuwachs ist nicht mein Ziel. Natürlich ist Weingarten als Wohnort sehr begehrt, und wir werden weitere Nachverdichtungen bekommen. Mir kommt es sehr darauf an, die gewachsene Dorfgemeinschaft, in der man sich noch gegenseitig grüßt, zu bewahren und fortzuentwickeln.

Welchen Stellenwert haben für Sie dabei die Vereine im Ort?
Bänziger: Ich glaube, dass unsere Vereinsvielfalt als selbstverständlich galt und der Stellenwert unserer Vereine in der Vergangenheit insgesamt unterschätzt wurde – gerade bezogen auf die Sozialisierung unserer Kinder und Jugendlichen, aber auch im Hinblick auf die Integration
von Zugezogenen. Daher hat die Vereinsförderung für mich erste Priorität.

Wo sehen Sie Weingarten im Jahr 2026?
Bänziger: Wir werden unsere großen Straßensanierungen abgeschlossen haben, ein Konzept für die Ringstraße, um auch dort Tempo 30 zu bekommen, ist auf dem Weg, und die Südrandstraße wird gerade fertiggestellt – mit Unterführung. Weingarten ist noch lebenswerter und familienfreundlicher, die „Neue Mitte“ ist eine attraktive Flaniermeile und zieht viele Besucher an, wovon der Einzelhandel profitiert. Wir haben kein Parkplatzproblem mehr, das Elektro-Fahrrad hat das Auto innerörtlich abgelöst, und unsere Weinmanufaktur hat am Ortseingang von Karlsruhe her einen neuen Standort mit Gastwirtschaft bezogen.