Mit dem Ehrenteller der Gemeinde, die zweithöchste und selten verliehene Auszeichnung, würdigte Jutta Belstler (links) die Arbeitsleistung des scheidenden Bürgermeisters Karl-Heinz Burgey (mit seiner Frau Waltraud) bei der Verabschiedung in der Böhnlichhalle. | Foto: Rake Hora

Abschied nach 16 Jahren im Amt

Bürgermeister Karl-Heinz Burgey geht in den Ruhestand

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Alles hat seine Zeit: Eine Zeit ist für Karl-Heinz Burgey vorbei. Er ist am Freitagabend als Bürgermeister von Walzbachtal verabschiedet worden. Jetzt beginnt eine neue Zeit für ihn, für seine Familie, für seine Freunde. Eine Zeit, in der er mehr Zeit haben will für alle diejenigen, für die er 16 Jahre lang nicht genug davon hatte, und für das, was er gerne machen will, und wofür eben des Amts und der Arbeit wegen die Zeit nicht ausreichte.

Abschied mit Respekt und Lob

Eine große Schar von Wegbegleitern seiner Amtszeit bereitete Burgey einen gebührenden, stil- und würdevollen Abschied. Anerkennung, Lob und Respekt zollten ihm die Grußredner, die seine Tatkraft, Sachlichkeit, gute Vorbereitung auf die Themen wie auch seine Kompromissbereitschaft auf dem Weg zu einer für alle tragbaren Lösung hervorhoben. Die Würdigung nahm er gerne entgegen, besonders aber hat ihn gefreut, dass die Vereine über die Ortsgrenzen hinweg gemeinsam das Programm gestalteten.

30.08.2019 Verabschiedung BM Burgey in der Wössinger Böhnlichhalle

Wegweisender Tanz

Neben der Musikschule waren dies die Gesang- und Musikvereine samt Feuerwehrkapelle wie auch die jungen Sportlerinnen von TV, Wössingen, TSV Jöhlingen und Freier Gymnastikgruppe Walzbachtal in T-Shirts mit Herzen in den Gemeindefarben und einem wegweisenden Tanz: „We Go Together“.

Vertrauen voll gerecht geworden

Bürgermeister-Stellvertreterin Jutta Belstler geleitete durch den Abend: Burgey sei der erste aus der Gemeinde kommende Bürgermeister gewesen. Viel Zustimmung habe er erhalten, und diesem Vertrauensvorschuss sei er voll gerecht geworden. Er habe beide Ortsteile gleichermaßen weiterentwickelt, ganz ohne Ortsteildenken.

Kommunalpolitik mit Herzblut

Karl-Heinz Burgey habe Kommunalpolitik mit Herzblut gemacht, über Orts- und Parteigrenzen hinweg, sagte Belstler. Bürgermeister und Gemeinderat hätten konzentriert, sachlich und vertrauensvoll zusammengearbeitet, um gemeinsam das Beste für die Gemeinde zu erreichen. Burgey habe stets auf die zukunftsfähige Entwicklung der Gemeinde geschaut und sei immer ein „Bürgermeister für alle“ gewesen.

Zukunftsorientierter Vorausblick

„16 gute Jahre für Walzbachtal“, hob Landrat Christoph Schnaudigel hervor, der Burgeys ausgleichende Art, seinen Fleiß und sein Fingerspitzengefühl, aber auch seine klaren Aussagen und seinen wegweisenden Vorausblick – Beispiele Natur-, Arten- und Klimaschutz sowie Glasfaserversorgung – schätzte. Kinderbetreuung, Seniorenangebote und soziale Vernetzung hob Schnaudigel zudem hervor. Bei seiner ersten Wahl 2003 habe die Zeitungsschlagzeile noch gelautet: „Ortsteildenken  entschied die Wahl“. Acht Jahre später konnte sich Burgey auf eine überwältigende Mehrheit aus beiden Walzbachtaler Dörfern stützen, merkte der Landrat an.

Dynamisch und kreativ

Einen „dynamischen, kreativen Macher“ nannte Landtagsabgeordneter Joachim Kößler (CDU) den scheidenden Bürgermeister. Sachlich und konsequent habe er viele Projekte realisiert, diejenigen im Umwelt- und Klimaschutz hob Kößler im Auftrag der Landtagsabgeordneten Andrea Schwarz (Grüne) besonders hervor. Ein Bürgermeister, so Kößler, sei ein Allroundmanager, dessen Arbeit schwieriger werde, wie die Kommunalpolitik insgesamt, für Hauptamtliche wie für Ehrenamtliche.

30.08.2019 Verabschiedung BM Burgey in der Wössinger Böhnlichhalle

Politisch-kritisch, auch in den eigenen Reihen

Karl-Heinz Burgey sei ein engagierter, überparteilicher wiewohl politisch kritischer Mensch, auch in den eigenen Reihen, sagte Thomas Nowitzki, Bürgermeister in Oberderdingen und Vorsitzender des Kreisverbands des Gemeindetags. Auch er lobte die gute Zusammenarbeit interkommunal unter den Bürgermeistern und im Kreistag.

Partnerschaft auf vielen Ebenen

Burgeys maßgeblichen Einsatz für die Partnerschaft mit dem ungarischen Bacsbokod würdigte dessen Bürgermeister Laszlo Kovacs, der dies erkennbar freudig in deutscher Sprache tat. Diese Partnerschaft funktioniere auf vielen Ebenen, vor allem auch abseits der offiziellen Delegationen, etwa im Austausch von Schulen und Vereinen wie auch mit privaten Freundschaften.

Ökumenische Worte als Kirche am Ort

Die Ortsgeistlichen beider Konfessionen wünschten dem scheidenden Gemeindeoberhaupt musikalisch eine gute Zukunft und Gottes Segen mit ihre ökumenisch-gemeinsamen Worten als „Kirche am Ort“. Dankesworte für Unterstützung und gutes Zusammenarbeitet richteten Ernst Reichert für die Ortsvereine, Silke Meyer für den Gemeinderat der Amtsperiode 2014 bis 2019 sowie Katharina Prümm-Zimmer an Burgey.

Schon mal in die Nesseln gesetzt

„Bürgermeister und Gemeinderat sind der Allgemeinheit verpflichtet“, sagte Burgey in seiner Ansprache: So habe er bewertet, entschieden und gehandelt, auch wenn er sich dabei schon mal „in die Nesseln gesetzt“ habe. Er gehe freiwillig und überlegt, wenn auch mit ein bisschen Wehmut, weil es noch so viel zum Gestalten und viele spannende Themen  gebe, auch wenn diverse Vorgaben den Spielraum einengten. Zum Klimaschutz sagte er: „Die Notwendigkeit steigt rapide. In Brasilien brennt der Regenwald, und wir diskutieren, ob die Kinder beim Einsatz ,Friday for Future‘ die Schulpflicht verletzen.“

Dank für Auszeichnungen

Die Auszeichnung mit dem Ehrenteller der Gemeinde, den ihm Jutta Belstler überreichte, mache ihn verlegen, er habe seine Arbeit gemacht, sagte Burgey. Aber er freue sich über diese Anerkennung. Die Auszeichnung, die ihm sein ungarischer Kollege überbrachte freue ihn ebenfalls sehr. Die Partnerschaft sei ihm sehr wichtig und er hoffe darauf, dass sie weitergeführt werde. Dank richtete Burgey an seine Wegbegleiter, an sein „tolles Team im Rathaus“, an seine verständnisvolle Familie und besonders an seine Frau Waltraud, die ihn immer mit viel Geduld unterstützt habe.