Alles hat seine Zeit, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Burgey. Nach 16 Jahren als Bürgermeister in Walzbachtal hat er diesen Freitag seinen letzten Arbeitstag. Am Abend wird er verabschiedet. | Foto: Rake Hora

Abschied aus dem Rathaus

Bürgermeister Karl-Heinz Burgey scheidet nach 16 Amtsjahren aus der Kommunalpolitik aus

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16 Jahre – seit 2003 – hat Karl-Heinz Burgey in Walzbachtal als Bürgermeister die Geschicke der 10.000-Einwohner-Gemeinde und die Gemeindeverwaltung geleitet. Jetzt hört er auf. Nach zwei Amtszeiten geht der 64-Jährige in den Ruhestand. Aus der Kommunalpolitik will er sich künftig raushalten, und um ein Mandat für den Kreistag im Landkreis Karlsruhe hat er sich im Mai nicht mehr beworben.

Letzter Arbeitstag im Rathaus

Diesen Freitag wird Karl-Heinz Burgey in den Ruhestand verabschiedet. Dann sind zwei Amtsperioden – 16 Jahre – als erster Bürger der Gemeinde Walzbachtal und als Leiter der Gemeindeverwaltung vorbei. Der scheidende Bürgermeister hat einiges zu erzählen, wenn er im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Dietrich Hendel zurückblickt. Und er hat – wer wollte etwas Anderes erwarten – gute Ideen, was er mit der neuen Freiheit und Freizeit anfangen will.

Wie fühlt sich das an, nach einer doch recht langen Zeit den Chefposten im Rathaus und die Funktion des obersten Entscheiders abzugeben?

Burgey: Gemischte Gefühle. Ich habe die Arbeit in der Gemeinde immer sehr gerne gemacht, auch sehr engagiert, mit Herzblut und so gut, wie es mir möglich war. Sozusagen nach bestem Wissen und Gewissen. Dennoch: Bürgermeister ist ein Wahlamt auf Zeit, und es hat eben alles seine Zeit. Insofern blicke ich dankbar zurück, dass ich diese Arbeit machen konnte. Ich freue mich aber auch darauf, jetzt einen neuen Lebensabschnitt beginnen zu dürfen. Ich gebe zu, dass mit dem Abschied eine Portion Wehmut verbunden ist. Zum einen, weil man auf örtlicher Ebene viel gestalten kann. Da sind noch viele spannende Themen, die mich gereizt hätten. Zum anderen habe ich in den vergangenen Jahren in der Zusammenarbeit sehr viele Menschen erlebt, die sehr engagiert, offen und verantwortungsbereit waren und an vielen Themen mitgearbeitet haben.

Welche wesentliche Erkenntnis nehmen Sie aus Ihrer Amtszeit mit in den Ruhestand?

Burgey: Man kann es nicht allen Menschen recht machen, wie sehr man sich auch darum bemüht. Die Erwartungshaltung einzelner Bürger zeigt, dass immer mehr Gewicht auf Einzel- und Gruppeninteresse gelegt wird. Im Gegenzug schwindet die Bereitschaft, Sachverhalte oder Entscheidungen zu akzeptieren, die nicht im eigenen Interesse liegen. Der Bürgermeister ist für alle gleichermaßen da. Und ist per Amtseid auf das Wohl der Gemeinde – aller Bürger – verpflichtet.

Würden Sie aus dem Rückblick noch einmal Bürgermeister von Walzbachtal werden wollen?

Burgey: Ja, Bürgermeister ist der schönste Beruf der Welt, sagt man. Es ist eine besondere Auszeichnung durch die Einwohner, mit dem Amt betraut zu werden. Zum zweiten ist die Gemeinde der unmittelbare Lebensbereich der Bürger, und nur da hat man die direkten Gestaltungsmöglichkeiten. Das war damals ein wesentliches Entscheidungskriterium. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Würden Sie nicht doch noch eine dritte Amtszeit anhängen wollen?

Burgey: Klares Nein. Alles hat seine Zeit. Meine Entscheidung habe ich zu Beginn der zweiten Amtszeit schon getroffen. Und dazu stehe ich. Mit 64 Jahren darf man jüngeren Leuten Platz machen. Ein Wechsel tut einer Gemeinde durchaus gut.

Was war Ihre beste Entscheidung in Ihrer Amtszeit?

Burgey: Klare Prioritäten zum Ausbau der Kinderbetreuung in der Gemeinde zu setzen. Die Gemeinde hat in meiner Amtszeit viel Geld investiert, um die Kinderbetreuung auf ein qualitativ hohes Niveau zu bringen. Die Zahl der Plätze wurde deutlich erweitert, und wir haben immer sehr gutes Personal gewinnen können. Wir haben damit eine wichtige Zukunftsvorsorge getroffen, eine Investition in die Zukunft.

Was würden Sie anders machen?

Burgey: Ich würde aus meiner Erfahrung heute Standpunkte und Lösungen noch deutlicher formulieren und die Diskussion mit den Bürgern noch intensiver führen.

Wie beurteilen Sie den Umgang mit Gremien und mit den Bürgern?

Burgey: Mit den Gremien, speziell im Gemeinderat, war der Umgang sehr gut. Gerade der Gemeinderat war allen anstehenden Themen gegenüber offen und kritisch, aber sachlich und ohne Animositäten. Es herrschte ein Klima gegenseitigen Vertrauens und der Wertschätzung zwischen Verwaltung und Bürgervertreter. Das hat der Arbeit gutgetan. Die Arbeit im Kreistag war sachlich, konstruktiv und angenehm. In den meisten Fällen war der Umgang mit den Bürgern auch bei schwierigen Themen sachlich und fair. Bisweilen gab es Situationen, in denen der Umgang mit Einzelnen schwierig wurde, weil man nicht alle Wünsche erfüllen und alle Ansichten teilen konnte.

Die Entscheidung für ein neues Rathaus war nicht einfach und nicht unumstritten. War sie dennoch richtig und gut?

Burgey: Absolut richtig und sehr gut. 2000 hat der damalige Gemeinderat schon beschlossen, dass Erweiterung und Generalsanierung des Rathauses unabdingbar waren. Die Realisierung wurde aber verworfen, weil die Kosten zu hoch schienen. Die Notwendigkeit war immer da. Mit der Verpflichtung, den Brandschutz aufzurüsten, blieb einfach keine Alternative, als ein neues Verwaltungsgebäude zu bauen. Nachdem sich ein Neubau letztlich als wirtschaftlicher erwiesen hatte, fiel die Grundsatzentscheidung 2012 für ein schlichtes Rathaus in der Dorfmitte. Das Ergebnis ist eine technisch zeitgemäße und zukunftsfähige sowie wirtschaftliche und repräsentative Visitenkarte für die Gemeinde. Ganz entscheidend für den Erfolg des Projektes war auch die interne Mitarbeit, allen voran Björn Heimann für die Technik und Anja Leyerle für die Organisation des Hauses.

Umweltschutz hat in Ihrer Amtszeit doch ziemlich an Bedeutung gewonnen. Wie sind Sie damit umgegangen?

Burgey: Klima- und Artenschutz sind eine Frage des Überlebens. Wir müssen überall, auch in einer kleinen Gemeinde, mit den Möglichkeiten, die wir haben, dabei mitmachen, um unserer Verantwortung gerecht zu werden. Wir haben in Walzbachtal früh angefangen, zum Beispiel mit der Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, um Energie zu sparen, mit dem Anlegen von Blühstreifen, mit Biotopvernetzung. Wir hatten das Glück, dass unser langjähriger Hauptamtsleiter Klaus Dehm seinen Beruf in der Verwaltung und seine Leidenschaft in der Freizeit verbunden hat und in der Gemeinde Natur-, Umwelt- und Artenschutz mit viel Engagement vorangetrieben hat. Davon haben wir profitiert. Diese Vorarbeiten hat dann unser langjähriger Bauhofleiter Bernd Scholer konsequent fortgeführt, zum Beispiel mit Projekten zur Biodiversität. Natur- und Umweltschutz hängen sehr häufig stark mit den Menschen zusammen, die sie betreiben.

Was kommt jetzt mit dem neuen Lebensabschnitt?

Burgey: Die Erwartung auf ein Ende des spürbaren Ergebnis- und Zeitdrucks. Ich werde mich aus der Kommunalpolitik konsequent heraushalten, aber nicht untätig sein. Vor allem freue ich mich auf mehr Zeit mit meiner Frau Waltraud und mit meiner Familie. Zum Beispiel Reisen, Städtetouren, Radfahren, viele Dinge, die in den vergangenen 16 Jahren zu kurz gekommen sind. Und dann auch Zeit zu haben für andere Dinge wie Lesen, Schachspielen, Singen, Wandern. Und ich möchte mich einbringen in die Aufarbeitung der Ortsgeschichte.