Ferienruhe ist bei Dettenheims Bürgermeisterin Ute Göbelbecker nicht eingekehrt. Neben laufenden Projekten werden derzeit Dauervorhaben wie Kanalsanierungen vorbereitet. | Foto: Alexander Werner

In Dettenheim wird viel gebaut

Bürgermeisterin Ute Göbelbecker blickt auf aufwendige Projekte

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Kindergartenerweiterung, Ortskernsanierung, neues Wohnbaugebiet, die künftige Nutzung der inzwischen zur Grundschule geschrumpften Pestalozzi-Schule – eine ganze Menge, vorwiegend bautechnische Aufgaben und Projekte beschäftigt derzeit und vor allem absehbar zukünftig die Gemeinde Dettenheim.

Von Alexander Werner

Bürgermeisterin im BNN-Interview

Aktuell steht in Dettenheim der Abschluss der Erweiterung des Kindergartens „Sternschnuppe“ bevor. Weitere Großprojekte wie „Betreutes Wohnen“ in Rußheim, das Neubaugebiet „Hagäcker/Weglangenäcker“ sowie die Ortskernsanierung in Liedolsheim sind am Laufen. Was aber beabsichtigt die Gemeinde, absehbar an größeren Vorhaben anzugehen? Dazu äußerte sich jetzt Bürgermeisterin Ute Göbelbecker im Interview.

 

Im Gemeinderat wurden vor geraumer Zeit Schülerentwicklung und Zustand der Liedolsheimer Pestalozzischule behandelt. Was ist hier zu erwarten?

Göbelbecker: Das Gebäude der Pestalozzischule stammt aus den 1960er Jahren. Der Sanierungsbedarf ist beachtlich. Eine Besonderheit ist, dass die Schule ursprünglich als Grund- und Hautschule erbaut wurde. Jetzt dient sie nur noch als Grundschule, was auch auf absehbare Zeit so bleiben wird. Eine weiterführende Schule wird es nicht geben. Auch dafür hatten wir neben der Schülerentwicklung eine ausführliche Untersuchung in Auftrag gegeben, die im Gemeinderat vorgestellt wurde. Das heißt, dass bei einer Sanierung der veränderte und angemessene Bedarf berücksichtig werden muss.

Was heißt das konkret?

Göbelbecker: Das bedeutet schlicht, dass das bestehende Schulgebäude für eine reine Grundschule zu groß dimensioniert ist. In einer weiteren Studie hatte sich zudem ergeben, dass aus energetischer Sicht großer Modernisierungsbedarf besteht. Auch bei diesem Aspekt spielen die räumlichen Verhältnisse eine wesentliche Rolle. Zwei grobe Entwürfe zu einem möglichen weiteren Vorgehen waren bereits diskutiert worden. Allerdings werden mittlerweile auch weitere Varianten behandelt und gesucht. Spruchreif ist jedenfalls noch nichts. Sicher ist, dass es sich um ein sehr großes Projekt handeln wird. Dabei kann man von Beträgen in siebenstelliger Höhe ausgehen. Mit dem Rat sind wir in einer Phase, in der über geeignete Vorgehensweisen und Varianten gesprochen wird. Wird befinden uns damit in einem Prozess, der sich noch einige Zeit hinziehen wird.

Wie gehen Sie neben solchen Projekten mit großen, längerfristig laufenden Aufgaben wie der Kanalsanierung um?

Göbelbecker: Mit der Sanierung der Liedolsheimer Friedrichstraße haben wir in dieser Hinsicht bereits einen sehr aufwendigen Posten abgearbeitet. Aus der erfolgten hydraulischen Kanalberechnung hatte sich schon weiterer Handlungsbedarf ergeben. Aktuell haben wir den Zustand der Kanäle über Befahrungen untersucht. Die Ergebnisse liegen vor und werden derzeit mit denjenigen der hydraulischen Untersuchung abgeglichen. Daraus wird eine Prioritätenliste erstellt.

Sollte es nicht schon früher weitergehen mit den Sanierungen?

Göbelbecker: Tatsächlich wollten wir schon weiter sein und dieses Jahr Arbeiten angehen. Allerdings gab es Verzögerungen, weil sich die Untersuchungen länger als erwartet hinzogen. Vielleicht schaffen wir es dennoch, noch in diesem Jahr weiterzumachen. 2020 wird das auf alle Fälle geschehen. Die Kanalsanierungen werden uns wohl noch mindestens zehn Jahre beschäftigen. Dies wird mit erheblichen Kosten verbunden sein. Wir müssen sehen, wo aufgegraben werden muss oder eine Sanierung über Inliner-Verfahren möglich ist. Teils ergaben die Untersuchungen Bedarf an Aufdimensionierungen von Leitungen. In manchen Bereichen lassen sich Verbesserungen durch eine Änderung der Fließrichtung erreichen. Ein Beispiel dafür gibt die Jahnstraße, für die bereits ein Baubeschluss vorliegt. Um das Kanalnetz zu entlasten, muss bei Neubauten – soweit dies möglich ist – Niederschlagswasser auf dem Grundstück versickern. Im Ganzen handelt es sich jedenfalls um eine Dauergroßaufgabe, die erhebliche Ressourcen bindet.
Gilt das nicht auch für die Überplanungen von Bereichen ohne oder ohne qualifizierten Bebauungsplan?
Göbelbecker: Ja, dabei folgen wir dem Konzept, die alten Ortskerne nach und nach zu überplanen. Zurückliegend hat die Erweiterung des Kindergartens „Sternschnuppe“ als vordringliches Vorhaben viel Zeit und viele Ressourcen beansprucht. Bei den Überplanungen haben wird mit dem von seiner Struktur her sehr komplexen Plangebiet „Friedrichstraße“ begonnen. Mit dem vom Gemeinderat beschlossenen Bebauungsplan „Ortsmitte I“ ist nun der Startschuss in Rußheim gefallen.

Im Fall der Friedrichstraße hatten sich bis zur einvernehmlichen Lösung bei der Anwohnerbeteiligung recht divergente Interessenslagen und Diskussionen herauskristallisiert. Beeinflusste das das künftige Vorgehen?

Göbelbecker: Zum Bebauungsplan Friedrichstraße hatten wir früh eine schriftliche Befragung der Anwohner vorgenommen. Jetzt sind wir dazu übergegangen, eine Bürgerversammlung an den Anfang zu stellen. Zu „Ortsmitte I“ fand diese im Frühjahr statt. Dies folgte dem Anliegen, die Beteiligung zu optimieren. Resonanz und Rückläufe waren dann auch sehr groß. Wir wollen betroffene Bürger grundsätzlich frühzeitig einbeziehen, über Planungen sowie Verfahren informieren und die Eigentümerinteressen in der Planung zeitig berücksichtigen. Wie sich am Zuspruch zeigte, ist eine Versammlung ein besseres Mittel dafür als eine Befragung. Sehr wichtig ist, einen Konsens zwischen Gemeinde- und Bürgerinteressen zu erreichen. Wir möchten den Bürgern schon vorab verständlich nahebringen, dass die Gemeinde mit Überplanungen eine geordnete städtebauliche Entwicklung ermöglichen will.

Stehen andere Themen wie beispielsweise „Breitband“ auf der Tagesordnung?

Göbelbecker: Beim Thema „Breitbandversorgung“ folgen wir weiter der Linie, Leerrohrinfrastruktur bei allen Straßenbauvorhaben mitzuverlegen. Neubaugebiete wie „Hagäcker/Weglangenäcker“ werden grundsätzlich mit einem Glasfasernetz ausgerüstet. Ansonsten laufen die Planungen für die Erweiterung des Rußheimer Gewerbegebiets „Waldteiler“. Das „Mönchfeld“ gewerblich zu erschließen, bleibt für die Zukunft unser Ziel. Vorerst aber gilt es dabei, die Ergebnisse der beauftragten Bedarfsanalyse für Dettenheim, Linkenheim-Hochstetten und Graben-Neudorf abzuwarten, die von der kommunalen Wirtschaftsförderung in Bruchsal begleitet wird.