Hat’s ausgetüftelt: Christopher Fuhrhop, 36, ist der Vater von Restube. Das Sicherheitssystem fürs Wasser im Taschenformat, das sich in kritischen Situationen sekundenschnell zur Restube-Boje aufblasen lässt, findet weltweit Beachtung. | Foto: Manfred Spitz

Aus Pfinztal in die Welt

Rettungs­schwimmer weltweit setzen auf Restube

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„Gerade vor ein paar Tagen hat sich ein Rettungsschwimmer aus Indien gemeldet, der Restube bekommen, und schon beim dritten Einsatz damit jemandem aus einer Notsituation im Wasser geholfen hat“, erzählt Christopher Fuhrhop. Das, meint er nicht ohne Stolz, sei doch der schönste Lohn, und zeige, „dass man das Richtige macht“. Christopher Fuhrhop, 36, ist der Erfinder von Restube, einem Sicherheitssystem fürs Wasser.

Und er ist Chef des gleichnamigen jungen Unternehmens, das sich vor sieben Jahren in Pforzheim gegründet und  2014 im Pfinztaler Ortsteil Berghausen angesiedelt hat. Restube zählt zu den besten Startups der Wirtschaftswoche und wurde unter anderem mit dem Deutschen Gründerpreis sowie fünf Ispo Awards ausgezeichnet.

Die Idee von Restube: „Der Auftrieb ist immer dabei“, verdeutlicht der gebürtige Pforzheimer, der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Maschinenbau studiert hat. Zusammengefaltet und verstaut in einer kleinen Tasche kann das von ihm ausgetüftelte System beim Schwimmen an einem schmalen Gürtel um die Hüfte getragen oder aber beispielsweise auch direkt am sogenannten Surftrapez befestigt werden.

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Auftrieb und Sichtbarkeit

„Wenn man in einer kritischen Situation ist, zieht man am Auslöser. Der Auftriebskörper, die Restube-Boje, füllt sich von selbst in Sekunden, sorgt für Auftrieb und Sichtbarkeit im Wasser“, erklärt der 36-Jährige.  „Wichtig: Es ist keine Schwimmhilfe und kein Ersatz für eine Rettungsweste“, betont Fuhrhop. „Aber ein sinnvoller Zusatz für mehr Sicherheit bei allen Aktivitäten im Wasser.“

Erfinder und Unternehmensgründer Christopher Fuhrhop

Wer im Wasser in Panik gerate, könne in weniger als einer Minute ertrinken, sagt Christopher Fuhrhop: „Selbst wenn man noch über genügend Kraftreserven verfügen würde, könnte man in einer Paniksituation seine Schwimmbewegungen nicht mehr koordinieren und würde beginnen, Wasser zu schlucken.“

In der Schweiz offizielles Rettungsgerät

Restube greife früh ein, quasi als erste Hilfe. Fuhrhop: „Man kann sich daran festhalten und die Situation sofort entspannen. Oder – ohne Panik – warten, bis Hilfe kommt. Aber auch anderen helfen und in Sicherheit bringen.“ So ist Restube bei der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft, kurz SLRG, seit vier Jahren als offizielles Rettungsgerät im Einsatz. Die SLRG war auch an der Entwicklung mitbeteiligt.

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Bis zu 100 Mal verwendbar

Nach dem Benutzen wird die Restube-Boje wieder zusammengerollt und eingepackt in das kleine Täschchen. „Man schafft’s unter einer Minute, wenn man trainiert ist“, meint Christopher Fuhrhop schmunzelnd. Bis zu 100 Mal könne das System ausgelöst werden, verdeutlicht er, es brauche dafür nur jedes Mal wieder eine neue, speziell für das Produkt zugelassene CO2-Patrone. Man könne die Restube-Boje allerdings auch mit dem Mund aufblasen, „das geht auch“, sagt er.

„Vor ein paar Jahren, als wir angefangen haben, hat sich kaum einer um die Sicherheit im Wasser geschert“, meint Christopher Fuhrhop. „Doch das Thema wird immer wichtiger – und wir wollen das Bewusstsein dafür schärfen.“ Die Initialzündung für Restube war eine eigene Grenzerfahrung im Wasser, die Fuhrhop machte. Beim Kite-Surfen weit draußen auf dem Meer ist sein Kite (der Lenkdrachen) kaputt gegangen. „Ich bin eine gefühlte Ewigkeit geschwommen, bis ich in Sicherheit war. Da hätte ich mir ein kleines, robustes, persönliches Wasserrettungsgerät gewünscht.“

Restube seit 2014 international am Markt

Als angehender Ingenieur entwickelte er die Idee und hat darüber am KIT seine Diplomarbeit geschrieben: Restube war geboren. Es erfolgte die Firmengründung in Pforzheim, am 1. Juni 2012 ging’s los. „Und seit 2014 sind wir international am Markt.“

Für Sportler genauso wie für Familien

Restube sei für Wasseraktivitäten mit der Familie, in der Freizeit, beim Surfen, Kanu fahren, Tauchen, Angeln oder als Zusatz auf einem Schiff. Bisher wurden rund 110 000 Stück verkauft. Die Kunden kommen aus allen Bereichen. „Wassersportler, aber auch ganz normale Familien“, macht Fuhrhop deutlich. Restube gebe es in verschiedenen, der Nutzung angepassten Varianten, inzwischen in 25 Ländern, allein in Deutschland „in einigen hundert Geschäften“. Aber auch Online.

Das junge Restube-Team: Gegründet wurde das Unternehmen, das sich 2014 in Pfinztal-Berghausen angesiedelt hat, zwei Jahre zuvor in Pforzheim von Restube-Erfinder und Firmenchef Christopher Fuhrhop (vorne).

In der eigenen Entwicklungsstube in der Berghausener Dieselstraße wird entworfen, genäht und geschweißt. „Jeder Einsatzbereich hat andere Aspekte“, so Fuhrhop. Die Einzelteile werden extern hergestellt. „Die Hochzeit des Produkts ist dann in Pfinztal, hier wird es zusammengebaut. Das liegt uns gerade auch unter dem Aspekt der Qualitätssicherung am Herzen.“

Aus dem Sport komme man immer mehr in den Massenmarkt und in den Bereich Rettung, sagt Christopher Fuhrhop. „Sinn macht das System an der Person getragen, als Selbstschutz. Jetzt aber sind auch Drohnen ein Thema bei der Rettung. Das öffnet neue Möglichkeiten.“

DLRG Konstanz rettet Schwimmer mit Drohne und Restube

Am Bodensee testet die DLRG Konstanz eine mit „Restube automatic“ (eine gelbe Boje, die sich bei Wasserkontakt binnen Sekunden selbst aufbläst und direkt Auftrieb gibt) ausgerüstete Drohne zur Personenrettung. Mitte Juni konnte ein 13-Jähriger so vor dem Ertrinken gerettet werden.

Der Junge war mit Freunden auf dem Rückweg von einem Floß zum Ufer, als sie auf halber Strecke in Panik gerieten. Ein Mitglied der DLRG-Ortsgruppe Konstanz flog die Drohne mit der sich selbst aufblasbaren Restube-Boje in Richtung der Schwimmer und ließ diese über den Jugendlichen ab. Die Situation konnte so schnell entschärft werden, ein weiterer Einsatz der Rettungskräfte war nicht nötig.

Die DLRG Konstanz testet eine mit Restube automatic ausgestattet Drohne zur Personenrettung. Die Resube-Boje wird von der Drohne abgeworfen, bläst sich bei Wasserkontakt blitzschnell auf und gibt direkt Auftrieb. Einem im Bodensee in Panik geratenen Jungen konnte so geholfen werden. | Foto: pr

Nicht nur am Bodensee, überall in der Welt, werden Restube-Bojen, die von Drohnen abgeworfen werden, inzwischen von Rettungsschwimmern mit den Tüftlern aus Berghausen erprobt. Zum Teil sind sie bereits erfolgreich im täglichen Einsatz. So konnten im vergangenen Jahr zwei Menschen an der australischen Küste mit einer Drohne gerettet werden.

Brasilien, China, Ungarn – und Mecklenburg-Vorpommern

In Sao Paulo, Brasilien, setzen Feuerwehr und Polizei das System ein. Aber auch hierzulande werden Drohnen mit dem Restube-System eingesetzt: Von der Wasserwacht Mecklenburg-Vorpommern an der Ostsee und den Binnenseen. Und vom ASB Ostholstein. In Ungarn und China sind Systeme bei den Wasserrettern und der Feuerwehr im Test.

Die Idee zum Abwurf eines „Auftriebsmittels“ von einer Drohne hatte Christopher Fuhrhop bereits 2009, also einige Jahre vor Gründung seines Startup-Unternehmens. Für seine Studienarbeit am Institut für Produktentwicklung Karlsruhe (IPEK) entstand ein funktionstüchtiger Prototyp. Damals wurde allerdings noch eine Rettungsweste abgeworfen und die Drohnentechnologie war noch nicht stabil genug für den professionellen Einsatz.

Wir haben noch einen weiten Weg vor uns

„Einige Zeit später und nach Anfragen vieler professioneller Rettungsschwimmer wurde das Thema wieder aus der Schublade geholt und umgesetzt“, verdeutlicht Christopher Fuhrhop. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns“, sagt der 36-Jährige, aber schon bald könnten Wasserrettungsdrohnen zum Bild unserer Strände und Seen gehören. „Innovative Technik wird dabei helfen, noch mehr Menschen vor dem Ertrinken zu retten“, ist er überzeugt.

Stichwort
Restube ist ein wiederverwendbares System für mehr Sicherheit im Wasser – für Freizeitschwimmer im Baggersee ebenso wie für Profi- Surfer auf dem offenen Meer. Zusammengefaltet und verstaut in einer kleinen Tasche kann Restube an einem Gürtel um die Hüfte getragen oder direkt am Sportequipment befestigt werden. Mit einem Zug am Auslöser bläst sich ein Auftriebskörper („Boje“) sekundenschnell mittels einer CO2-Patrone selbst auf. Die gelbe Boje sorgt in einer kritischen Situation für Auftrieb und Sichtbarkeit im Wasser. Erfinder von Restube und Hauptgeschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens in Berghausen ist Christopher Fuhrhop (36).
Restube zählt zu den besten Startups der Wirtschaftswoche und wurde unter anderem mit dem Deutschen Gründerpreis sowie fünf Ispo Awards ausgezeichnet. (www.restube.com.de)