Setzt einen Sud an: Dass Bier wegen des Klimawandels zu einem Luxusgut werden könnte, wie Forscher meinen, das glaubt "Andreasbräiu"-Chef Andreas Philipp aus Leopoldshafen-Eggenstein nicht. | Foto: Manfred Spitz

Klimawandel schadet Gerste

Wird Bier zum Luxusgut: Andreasbräu-Chef Philipp glaubt es nicht

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Das schlägt doch dem Fass den Boden aus. Der Klimawandel, warnen Forscher, werde in Zukunft für einen weltweiten Biermangel sorgen. Weil Trockenheit und Hitze zu Ernteausfällen bei Gerste führe. Deutschland, vermuten sie, werde dabei mit am stärksten betroffen sein. Andreas Philipp schmunzelt.  Dass Bier zum Luxusgetränk werden könnte, sagt der Braumeister und Chef des „Andreasbräu“ in Leopoldshafen, glaube er nicht. „Man sollte die Leute nicht verrückt machen“, meint Philipp.

Bier könnte zum Luxusgut werden

Warum aber könnte Bier irgendwann Mal zum Luxusgut werden? Der Klimawandel mit häufiger auftretenden trocken-heißen Sommern beeinträchtige die Erträge der Landwirtschaft, erklären die Forscher und weisen darauf hin, dass auch die Produktion eines beliebten Genussmittels unter zunehmender Dürre und langen Hitzeperioden leiden könnte: Bier. Gerste, eigentlich ein anspruchsloses Getreide, sei extremen Wetterereignissen gegenüber sehr empfindlich. Und Gerste ist neben Wasser sowie Hefe nun Mal wichtigste Zutat für Bier.

Tierfutter wichtiger als Bier

Die Erntemengen würden sich verringern, andere Verwendungszwecke wie die Erzeugung von Tierfutter dann Vorrang haben, und Bier ebenso knapp wie teuer werden lassen, hält ein Agrarwissenschaftler und sein Team von der Universität Peking allen Freunden des Gerstensaftes nüchtern vor Augen. Ein kühles Pils oder Weizen zum Feierabend: behalten die chinesischen Forscher recht, wäre das in Zukunft nicht mehr selbstverständlich.

Hitzestress: Zunehmende Trockenheit könnte in Zukunft die Erntemengen von Gerste verringern – und als Folge Bier knapp werden lassen. | Foto: dpa/Seeger

„Vielleicht wird Bier zum Luxusgetränk, wobei ich das nicht so recht glaube“, sagt Andreas Philipp. „Man würde sicher wieder Sorten finden, die die Witterung aushalten. Die Wissenschaft bleibt ja auch auf diesem Gebiet nicht stehen“, meint er. 2003 wäre ein Extremjahr gewesen, erzählt Andreas Philipp, der Brauer und Mälzer gelernt hat.

Andreasbräu-Chef Philipp: Braugerste teurer geworden

„Auch in diesem Jahr ist die Braugersteernte schlecht ausgefallen“, sagt der Leopoldshafener. „Seit Oktober gehen die Preise nach oben. Hopfen wurde ebenfalls teurer, aber da blieb die Qualität, anders als bei der Gerste, stabil.“ Fürs Bier würde hauptsächlich Sommergerste verwendet, Wintergerste zum Verfüttern. Doch einige Brauereien würden für den einen oder anderen Sud auch darauf zurückgreifen; um Kosten zu sparen.

Hausbrauerei in Leopoldshafen seit 1996

Im Sommer vier bis fünf Mal, im Winter zwei bis drei Mal die Woche setzt Andreas Philipp, der 1996 mit einem (vor acht Jahren verstorbenen) Geschäftspartner den „Andreasbräu“ eröffnete, einen Sud – ergibt 1000 Liter Bier – an. Das Malz (kurz gekeimtes und wieder getrocknetes Getreide) bezieht er aus Heidelsheim, den Hopfen aus dem Schwäbischen. Sein Bier wird in der Hausbrauerei am Donauring,  bei Straßenfesten und in je einem Lokal in Graben, Neudorf, Bruchsal, Karlsruhe, im Vereinsheim der TSG Blankenloch, sowie seit kurzem, so Philipp, in einem Vereinslokal in Waldbrücke ausgeschenkt.

Die Verbraucher sind sensibel

Und wie sieht’s mit Alternativen zur Gerste aus? „Schwierig“, betont Philipp. Mais oder Reis, wie in anderen Ländern nicht unüblich, wäre zwar erlaubt. „Aber dann würde man aus dem Reinheitsgebot rausfallen.“ Und da sei der Verbraucher sensibel. Philipp: „Die Deutschen bevorzugen zu 99 Prozent Biere gebraut nach dem Reinheitsgebot.“

Weniger Bier – höhere Preise

Um das Szenario weiter zu spinnen: Weniger Bier – höhere Preise. Global gesehen würde sich der Bierpreis verdoppeln, heißt es. So könnten in Irland für eine 0,5-Liter-Flasche vier Euro, für einen Sixpack sogar 18 Euro mehr als jetzt fällig werden, lassen Herr Xie und seine Forscherkollegen die Biertrinker schlucken.

Wo liegt die „Schmerzgrenze“?

Was meint Andreas Philipp dazu, wo setzt er bei der Preisschraube die „Schmerzgrenze“ an? Der Leopoldshafener lacht. „Schwer zu sagen, ich weiß es beim besten Willen nicht“, sagt Philipp. „Beim Oktoberfest in München hat die Maß in diesem Jahr 11,50 Euro gekostet – die Leute zahlen es.“

Ein kühles Bier zum Feierabend – in Zukunft könnte das nicht mehr selbstverständlich sein. | Foto: dpa/Tirl

Ob Brau- oder Futtergerste, 2018 sei alles knapper gewesen, bestätigt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Karlsruhe, Werner Kunz: „In Süddeutschland gab es zwar eine normale Ernte. In Nord- und Ostdeutschland, in Schweden und in Polen wurde aber sehr wenig eingefahren. Das führte zu einer starken Verknappung.“ Eine „gewisse Trockenheit“ würde die Gerste schon vertragen, „aber irgendwann geht bei allem die Luft aus“, sagt der Kreisbauernchef und sieht durchaus eine „Konkurrenz zwischen Futter und Brauen“.

Kreisbauernverbandschef Kunz: Stärkere Ertragsschwankungen wahrscheinlich

Stärkere Ertragsschwankungen hält Kunz wegen der vorhergesagten Zunahme von Trockenheit und Dürreperioden in Zukunft für wahrscheinlich. Man habe den Mälzereien angesichts des Rückgangs bei der Sommergerste Angebote gemacht, dass sie auch Wintergeste bekommen könnten, erklärt Werner Kunz, fügt aber hinzu: „Spezielle Futtergerstesorten sind zum Brauen nicht geeignet. Da legt man sich vorher fest.“ Braugerste die in Deutschland gebraucht werde, komme zu 50 Prozent aus heimischem Anbau, der Rest aus dem nahen EU-Ausland.

Braugerste typische Kraichgau-Kultur

„Bei uns in der Region ist die Braugerste eine typische Kultur für den Kraichgau mit seinen leicht erwärmbaren, Wasser haftenden Lößlehmböden“, sagt Werner Kunz. Auf Sandstandorten dagegen hätten schon zwei, drei Wochen Trockenheit Ertragseinbußen zur Folge. Kunz: „Der Anbau von Braugerste muss aber auch finanziell attraktiv sein. Für 2019 ziehen die Preise an, ich denke das könnte vielleicht wieder mehr Kollegen dafür begeistern.“ Andreas Philipp, der Chef des Leopoldshafener „Andreasbräu“, harrt derweil der Dinge – und setzt einen Sud Schwarzbier, eine seiner Winterspezialitäten, an.