Baggerbiss für das Bauprojekt Jöhlinger Straße in Weingarten - der umgeleitete Verkehr sorgt für starke Belastungen in der Berghausener Ortsmitte. | Foto: Lother

Gesperrte L 559 in Weingarten

Dauerstau in Berghausen

Ein aktuell viel gebrauchtes Wort für die Situationsbeschreibung zum Verkehr in der Ortsdurchfahrt Berghausen ist „Chaos“. Auch am Donnerstagnachmittag: Von der Autobahnausfahrt Karlsruhe-Nord bis hinein nach Berghausen staut sich der Verkehr. Dieses „Chaos“ ist die Folge der gesperrten Ortsdurchfahrt Weingarten.

Umleitung über Pfinztal

Der Umleitungsverkehr führt durch Berghausen – und dort gibt es nun fast einen Dauerstau. Rainer Waltz aus Söllingen pendelt nach Heidelberg. Er sagt: „Ich brauche so lange bis zur Autobahn wie für die Fahrt auf der A5 selbst.“ Petra Ringwald wohnt am westlichen Ortsende und bringt ihr Kind in den Kindergarten in der Ortsmitte. Wenn sie dann wieder zur Arbeit nach Karlsruhe fährt, steckt sie im Stau – „ein Mega-Zeitproblem“ bekommt sie dadurch. Die beiden Stimmen stehen für viele, die die Situation beobachten: „Morgens ist Stau, abends genauso.“ Das Ganze könnte drei Jahre dauern, denn so lange bleibt die Ortsdurchfahrt Weingarten gesperrt.

Über die Feldwege?

Die Pfinztaler CDU will, dass die Gemeinde Weingarten eine innerörtliche Umleitung über die Feldwege freigibt. Doch das ist nicht möglich, macht Weingartens Bürgermeister Eric Bänziger deutlich.

Populismus

Er ärgert sich über den „Populismus“ des Pfinztaler CDU-Vorsitzenden Frank Hörter, der auch ehrenamtlicher Stellvertreter der Bürgermeisterin ist. „Die Gemeinde Pfinztal war an den Vorbesprechungen beteiligt. Es war klar kommuniziert, was kommen wird“, berichtet Bänziger auf BNN-Nachfrage.

8700 Fahrzeuge

Der Bürgermeister sagt, dass in der Weingartener Ortsdurchfahrt Jöhlinger Straße 8 700 Fahrzeuge täglich unterwegs sind, für die es jetzt angesichts der Sperrung der L559 keine parallele Ausweichroute gibt. Alternativen über Feldwege gebe es allenfalls in der Theorie. Diese Wege seien aber keinesfalls ausreichend leistungsfähig für den Verkehr mit seinem Lkw-Anteil in zwei Richtungen.

Begrenzter Einfluss

In Pfinztal spricht Bürgermeisterin Nicola Bodner von begrenzten Einflussmöglichkeiten in der Sache. Sie setzt nach dem Baustellenstart und den erheblichen Folgen auf nochmalige Gespräche mit den Verkehrsbehörden und der Polizei. In der kommenden Woche schon will sie mit Bürgermeister Bänziger und dem Walzbachtaler Kollegen Burgey zusammenkommen. Die beteiligten Behördenvertreter sollen dazu gebeten werden. Klar macht sie, „dass wir diesen Kapazitäten nicht gewachsen sind“.
Anwohner in Berghausen bemerken aktuell auffällig viele Lkw auf der B10. Das kann mit der Weingartener Baustelle, aber stets auch mit Umleitungen nach Unfällen auf der Autobahn zusammenhängen.

Baustellenstart

Beim „Baggerbiss“ am Donnerstagabend für die Baustelle Jöhlinger Straße erläutert Bürgermeister Bänziger die drei Jahre dauernde Vorhaben. Zwar werde letztlich auch der Belag der Straße neu gemacht, aber im Zentrum der aufwendigen Arbeiten stünden die Versorgungsleitungen. Der Hauptabwasserkanal werde neu gemacht, die teilweise über 100 Jahre alten Hausanschlüsse werden neu verlegt. Hinzu kämen Kanäle für die „Versorgungsmedien“.

Komplexe Baustelle

Schwierig seien die Arbeiten auch wegen einer im Ort verlaufenden Gashochdruckleitung. Zudem müsse in Richtung Ortsmitte ein zwei Meter starker „Bypass“ für den Hochwasserschutz eingebaut werden – all das helfe, die lange Bauphase zu erklären. Unterbrochen werden die Arbeiten im Winter planmäßig nicht. Nur Frost könne zu Verzögerungen führen.