Anfeuerung fürs deutsche Team: Wie viele Handballfans verfolgt auch die B-Jugend der SG Stutensee-Weingarten zurzeit gespannt die Heimweltmeisterschaft und hofft, dass die deutsche Nationalmannschaft ins Endspiel kommt. | Foto: Manfred Spitz

Handball: B-Jugend im WM-Modus

SG Stutensee-Weingarten: Daumen drücken für Gensheimer und Co

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„Deutschland gegen Dänemark, das wäre für mich das absolute Traumfinale“, schwärmt Phillip. „Und wenn wir dann noch in Kopenhagen gegen die Dänen den Weltmeistertitel holen würden – hammermäßig“, fügt Robin rasch hinzu. Wie so viele landauf, landab sind auch Phillip, Robin und ihre Mannschaftskameraden von der B-Jugend der SG Stutensee-Weingarten zurzeit im Handballfieber. Es ist ja gerade auch die Heim-WM in Deutschland und Dänemark.

Klar schauen wir Handball-WM

„Klar schauen wir Handball-WM“, betont Robin. „Außer wenn wir Training haben.“ An diesem Donnerstag wird das so sein. Wie sich die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) in ihrem letzten Vorrundenspiel gegen Serbien schlägt, das werden Robin und Co nicht live vor dem Fernseher mitverfolgen können. Denn zur gleichen Zeit lassen die SG-B-Jugend-Trainer Ralf Hildenbrand, Vedran Dozic und Luka Jurisic ihre Jungs schwitzen.

Auch B-Jugend der SG Stutensee-Weingarten hat viel vor

Schließlich hat auch die B-1 der SG Stutensee/Weingarten etwas vor, sie will Meister in der Landesliga werden. Und in knapp zwei Wochen, am 26. Januar, wird für den bisher ungeschlagenen Tabellenführer wohl das „Endspiel“ bei der mit zwei Minuspunkten belasteten zweitplatzierten SG Heidelsheim/Helmsheim/Gondelsheim anstehen.

Vom deutschen Team begeistert

Von den bisherigen Auftritten der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der zusammen mit Dänemark ausgerichteten Heim-WM sind die Jungs der SG Stutensee/Weingarten begeistert. Ziemlich jedenfalls. Denn dass gegen Russland trotz vieler Chancen der Sieg in den Schlusssekunden noch hergeschenkt worden und nur ein 21:21 herausgesprungen ist, sei unnötig gewesen, meinen sei.

„Enge Kiste“ erwartet

Dass die Partie gegen Titelverteidiger Frankreich eine „enge Kiste“ werden würde, das war allen klar. „Deutschland gewinnt mit zwei Toren mehr“, lautete ein Tipp nach dem Dienstagstraining in der Sporthalle Friedrichstal. „Nein, Deutschland verliert mit einem Treffer Unterschied“, meinte ein anderer der SG-Jungs, schnappte seine Sporttasche, und hatte es eilig, um rechtzeitig zum Anpfiff des mit Spannung erwarteten Duells zuhause zu sein.

Traum vom „Wintermärchen“ lebt

Die deutschen Handballer lieferten dann in einem dramatischen Spiel dem amtierenden Weltmeister einen packenden Kampf, gaben aber Sekunden vor der Schlusssirene den Sieg erneut aus der Hand. Durch das 25:25 im Hexenkessel von Berlin steht die DHB-Vertretung dennoch vorzeitig in der Hauptrunde – der Traum von einer Medaille, mehr noch, von einem „Wintermärchen“ wie 2007, als Gastgeber Deutschland unter Heiner Brand im Finale Polen besiegte und seinen bislang letzten WM-Titel holte, er lebt weiter.

WM im eigenen Land für Handballsport enorm wichtig

„Die Weltmeisterschaft im eigenen Land ist für den Handballsport enorm wichtig“, betont Ralf Hildenbrand. „Die Nationalmannschaft ist ein Katalysator für die Entwicklung des Handballs in Deutschland, da teile ich die Meinung von Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar. Berlin, Hamburg, Köln, München: Dass keine Spiele, wie 2007 beispielsweise in der Mannheimer SAP-Arena, in der Nähe zu sehen sind, findet Hildenbrand „schade“. Aber das sei natürlich der Tatsache von zwei Ausrichtern geschuldet. Wenigstens würden die Spiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen. Bei Bundesligapartien ist das nicht der Fall. Die werden derzeit nur im Bezahlfernsehen übertragen.

Trainer im Jugendbereich fehlen

Fest steht: Erfolge der Nationalmannschaft steigern das Interesse, am Ligaspielbetrieb und an der Nachwuchsarbeit. „Nach dem Titel 2007 hat sich das bei uns schon ein bisschen bemerkbar gemacht“, sagt Hildenbrand, der seit elf Jahren Jugendtrainer bei der SG ist. Ein Problem sei, dass „viele Trainer fehlen, beziehungsweise niemand den Trainerschein machen will“.

Eine „hochmotivierte Truppe“

Handball-WM 2007 „reloaded“, Wintermärchen 2.0? „Möglich ist jetzt alles“, meint Ralf Hildenbrand mit Blick auf die am Samstag beginnende Hauptrunde. „In Köln, mit 19 000 Leuten im Rücken, das pusht, das kann Berge versetzen.“ Die Mannschaft präsentiere sich als Einheit, „das ist eine hochmotivierte Truppe“, sagt er. Die Chemie zwischen ihr und Bundestrainer Christian Prokop stimme, das sei zu spüren und auf dem Feld zu sehen. Vergessen sind die Disonanzen nach dem frühen Scheitern bei der EM 2018. „Die Spieler wollen mehr mitgenommen werden, Prokop tut das. Er macht klare Ansagen und bindet das gesamte Team mit ein“, meint Hildenbrand.

Von Groetzki, Fäth und Kohlbacher begeistert

„So wie wir unsere eigenen Spiele analysieren, reden wir auch über die Partien der Nationalmannschaft“, verrät Hildenbrand. Robin, der mit einem Nationaltrikot von Patrick Groetzki, dem aus Pforzheim stammenden Rechtsaußen der Rhein-Neckar-Löwen, ins Training gekommen war, erzählt, dass er noch nicht ganz zufrieden mit seinem Idol sei: „Er verwirft zu viel“, meint der SG-Nachwuchshandballer kritisch. Max ist von Groetzkis Löwen-Kollegen im Rückraum, Steffen Fäth, begeistert. „Weil er jeden Wurf rein macht“, meint er und lacht. Und Alexander findet am Kreis Jannik Kohlbacher, den dritten Löwen-Akteur im Nationalkader, cool: „Wenn der den Ball bekommt ist er drin – oder es gibt Siebenmeter.“

„Zaubertore“ von Gensheimer und „Hexer“ Wolff im Tor

Einig sind sich alle darin: Uwe Gensheimer liefert bisher ein Klasseturnier ab. Der noch bei Paris St. Germain sine Gled verdienende Mannheimer, der vor der Rückkehr in die Bundesliga zu seinen Rhein-Neckar-Löwen steht, mache „Zaubertore unter höchstem Druck“, meint Mika. „Und er gehe damit ganz lässig um.“ Paul Louis schlielich, Torhüter bei der B-Jugend der SG Stutensee-Weingarten, ist begeistert von seinem „Kollegen“ Andreas Wolff im deutschen Kasten und den „unglaublichen Paraden“ des Hexers.