Perfekte Illusion: Eine Zuschauerin aus dem Publikum "schweben" zu lassen, ist ein Höhepunkt bei den Shows von Magier Ralf Gagel. | Foto: Bianca Heinzelbecker

Über 300 Shows in Hollywood

Magier Ralf Gagel aus Graben: Von kleinen Dingen und großen Wundern

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Aufgeregt vor dem ersten Mal sei er schon gewesen, meint Ralf Gagel schmunzelnd. „Ich bin immer aufgeregt. Daran hat sich nichts geändert. Bis heute nicht“, fügt er hinzu und lacht. Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Die Rede ist natürlich von seinem ersten Auftritt als Zauberkünstler – und den seither folgenden. Vor 25 Jahren, im November 1994, hat sich der Magier aus Graben als professioneller Zauberkünstler selbstständig gemacht.

Das Wort „Zauberkünstler“ sei die Berufsbezeichnung. Mehr nicht. „Ich bin der Magier und ich verstehe mich als Magier“, betont Ralf Gagel. Er ist einer der ganz wenigen Deutschen, die es in das legendäre Magic Castle von Los Angeles geschafft haben. In den Club, in dem die besten Zauberkünstler – oder Magier – der Welt auftreten.

Jede Vorstellung ist wie ein Blind Date

„Lampenfieber ist der Respekt vor dem Publikum“, sagt Magier Ralf Gagel. „Jede Vorstellung ist wie ein Blind Date. Du weißt nicht, was auf dich zukommt und mit was für Leuten Du es zu tun bekommst.“ Erst vor kurzem war der Mann aus Graben zum zwölften Mal im Magic Castle engagiert – seit 2001 begeisterte der 55-Jährige mit über 300 Shows das Publikum in der amerikanischen Traumfabrik Hollywood.

Illusionen und Emotionen

Er mache seinen Job nicht, weil er „Tricks“ liebe. Überhaupt würde er nie von „Tricks“ reden: „Als Magier haben wir die großartige Aufgabe, Illusionen zu kreieren, wundervolle Augenblicke zu schaffen, die Menschen zu begeistern, sie zum Staunen und Lachen zu bringen“, sagt Gagel. Er sei ein sehr visueller Mensch, der viel aufnehme. „Wenn ich aus dem Fenster schaue und die Herbstblätter im Wind wiegen sehe, das sind die magischen Momente im Leben.“

Sein Publikum in eine Welt zu entführen, „in der die kleinen Dinge die großen Wunder sind“, ist Ralf Gagels Credo. Am Herzen liege ihm, den Fokus der Leute wieder auf das Wesentliche zu lenken. „Die Illusion ist nicht der Trick und nicht unsere Fingerfertigkeit, sondern sind die Bilder, die Gedanken und Gefühle, die wir in uns und in unseren Zuschauern entstehen lassen und die dort auch weiterleben….“

Erstes Kunststück mit einem roten Tuch

Schon den Zehnjährigen Ralf hat die Kunst des Zauberns in den Bann gezogen. Reader’s Digest Bücher habe er damals förmlich verschlungen, „da waren immer einige Seiten mit Zauberei drin. Inklusive Bastelanleitungen – und ich habe angefangen, zu basteln“, erzählt Gagel. Auch an sein erstes Kunststück erinnert er sich noch ganz genau: „Ich habe ein rotes Tuch in die Faust gesteckt und es verschwinden lassen“, sagt er und lacht.

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Gagel ist deutschlandweit und im benachbarten Ausland unterwegs

Die Familie, Freunde und die Schule, das Copernicus-Gymnasium in Philippsburg, waren fortan seine Bühne. „Dann hat sich das sukzessive weiter entwickelt.“ Heute ist er mit seiner Magic Diner Show (Essen und Zauberkunst), seinem Zaubertheater (Abendprogramm für Kleinkunstbühnen), oder für private Anlässe gebucht deutschlandweit, aber auch im benachbarten Ausland, unterwegs.

Vom „Schweben lassen“ fasziniert

Dinge schweben zu lassen, hat Ralf Gagel immer besonders interessiert. Mit einer Zigarette fing’s an. Dann ein Geldschein. Schließlich, und längst so etwas wie sein magisches Markenzeichen, die „schwebende Zuschauerin“, die er bei seinen Shows aus dem Publikum. Diese Illusion habe er so perfektioniert, „das macht mir keiner nach“, sagt Gagel stolz. Bisweilen werde, verrät er augenzwinkernd, zuhause auch schon Mal am lebenden Objekt trainiert. Überhaupt: „Viele Sachen, die ich neu entwickelt habe, teste ich erst mal im kleinen Familien- oder Freundeskreis.“

Von 1990 bis 1994 als Sozialpädagoge bei der Lebenshilfe

Bevor sich Magier Ralf Gagel 1994 als Zauberkünstler selbstständig machte, arbeitete er als Sozialpädagoge bei der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten. Für sie gab er Benefizveranstaltungen, für die Kinderkrebshilfe war und ist er ebenso engagiert wie für das Kinderhospiz Karlsruhe, als Unicef-Pate für Deutschland, oder mit Oberbürgermeister Frank Mentrup, für Karlsruhe. 1985 wurde Gagel in den Magischen Zirkel Deutschland (Vereinigung der Zauberkünstler zur Pflege und Förderung der magischen Kunst) aufgenommen.

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Über 300 Shows im Magic Castle Hollywood

1998 und 2000 war er bei den Weltmeisterschaften für Close-Up-Zauberkunst – dann nahm seine Karriere so richtig Fahrt auf. „An Weihnachten 2000 hat mich der Entertainment-Direktor des Magic Castle zaubern gesehen und sofort gefragt, wann ich dort auftreten wolle – drei Monate später war es soweit“, erzählt Ralf Gagel. Seit 2001 gab Gagel schon über 300 Shows in „LA“, wurde inzwischen zwölf Mal engagiert. Zuletzt im September.

„Im Magic Castle zu arbeiten, war immer ein Traum.“ Das schaffen nur wenige und wenn, dann auch nur nach einem langen Bewerbungs- und Entscheidungsprozedere. Nach zwei, drei Jahren könne man dann damit rechnen, dass man vielleicht mal auftreten kann.

Gagel wurde übrigens 2002 in Los Angeles von Siegfried und Roy direkt in ihre Show nach Las Vegas eingeladen. (Die deutsch-amerikanischen Zauberkünstler und Dompteure wurden durch ihre Auftritte mit weißen Tigern und Löwen weltbekannt. Von 1990 bis zu dem durch eine Verletzung herbeigeführten Ende ihrer Bühnenkarriere am 3. Oktober 2003  galt die Show „Siegfried & Roy at The Mirage“, als die als meistbesuchte in Las Vegas). 2013 hat Ralf Gagel er im Magic Castle auch die US-Zauberkunstlegende David Copperfield getroffen.

Jubiläumsshow  am 2. November in Linkenheim

Seine 25-jährige Bühnenpräsenz feiert Ralf Gagel allerdings in Linkenheim-Hochstetten. Dort tritt er am Samstag, 2. November, mit seinem Zaubertheater im Bürgerhaus auf und verspricht dem Publikum – ganz nach seinem Credo – einen „Abend voller Wunder“.

Termin: Magier Ralf Gagel. Internationales Zaubertheater; Kulturkalender Linkenheim-Hochstetten; Samstag, 2. November, 19.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr), Bürgerhaus Linkenheim, Karlsruher Straße 41; Karten (23 Euro) im Bürgerbüro Linkenheim-Hochstetten oder online (tickets@ralfgagel.com). Mehr: www.ralfgagel.com