Auf Achse: ein Silofahrzeug von Mahler Transporte unterwegs. Die Transportunternehmen behandeln die Maut wie eine Steuer und geben sie eins zu eins an die Kunden weiter. | Foto: Klein

Maut auf allen Bundesstraßen

„Ein Schritt in die richtige Richtung“

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Was früher nur auf Autobahnen und besonders ausgebauten Bundesstraßen galt, ist seit dem 1. Juli auf allen Bundesstraßen Fakt: die Maut für den Lkw-Verkehr. Über die Auswirkungen dieser Ausweitung sprachen die BNN mit Alexander Meinzer, dem Geschäftsführer von Mahler Transporte, einem Mittelstandsunternehmen in Friedrichstal, der 50 Sattelzüge und 60 Auflieger für Silo- und Tankwagen in Betrieb hat.

Spediteure begrüßen Erhöhung der Maut

„Bis jetzt ist die Änderung nicht so gravierend für uns“, sagt er. Die Fahrzeuge der Firma seien ohnehin vorwiegend auf Autobahnen und mautpflichtigen Strecken wie der B9 oder der B36 unterwegs. Das „große Beben“ komme zum 1. Januar 2019, wenn die Maut von bisher 13 Cent pro gefahrenem Kilometer auf 20 Cent erhöht wird. Dann zahle er statt 480 000 Euro im Jahr einen Betrag von rund 700 000 Euro. Aber: „Wir Spediteure begrüßen die Mauterhöhung. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Kosten der Maut werden an Kunden weitergegeben

Erstaunlich? Die Aussage der Politik, die Erhöhung werde sich nicht auf die Verbraucher durchschlagen, hält Meinzer für falsch. Ein Transportunternehmer behandle die Maut wie eine Steuer und gebe sie eins zu eins an seine Kunden weiter. „Letztlich soll der bezahlen, der den Transport haben will“, sagt er. Auch zeichne sich mittlerweile ein zunehmender Mangel an qualifizierten Fahrern ab, die ein Silo- oder Tankfahrzeug mit fünf Achsen steuern könnten und überdies die deutsche Sprache beherrschen, was für derartige Transporte unabdingbar sei. Der Schienenverkehr sei keine Alternative, da er nur langfristig planbar und wenig verlässlich sei und sich auch hier schon zusätzlicher Raumbedarf abzeichne.

Logistik geht nicht zum Nulltarif

Aus einer Mitteilung des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) beziffert Meinzer die Zunahme des Lkw-Verkehrs von 1950 bis 2014 um das rund 25-fache an gefahrenen Milliarden Tonnenkilometern. Gleichzeitig sei aber durch die Senkung der Emissionsgrenzwerte für Dieselmotoren auf Euro VI der Schadstoffausstoß in allen Bereichen um ein Vielfaches reduziert worden. Das Haus Mahler begrüße die Mauterhöhung, denn sie sei auch ein Gewinn für die Ökologie. Außerdem hätten Transport und Logistik lange Zeit keine Wertschätzung erfahren, der Kunde habe geglaubt, Logistik sei zum Nulltarif zu haben.

Fahrermangel macht Frachtraum knapp

Mitverschuldet habe das auch der immens wachsende Online-Handel, der Pakete versandkostenfrei auf die Straße bringe. Aufgrund des Mangels an Fahrern werde Frachtraum knapp und mit dieser Straßennutzungsgebühr zusätzlich teuer. Jetzt merke die Industrie, dass sie für diesen Dienst mehr einplanen müsse. Der BGL rechne mit einer Steigerung von über zehn Prozent beim Güterverkehr auf der Straße bis 2020. Entscheidend sei jetzt, sagt Meinzer, dass die daraus resultierenden Einnahmen politisch richtig investiert werden, soll heißen, der Infrastruktur Straße auch wieder zugute kommen. Das müsse die Politik leisten, dann würden die Mauterhöhung und die Euro-VI-Einführung eine saubere Autobahn fördern.

 

Marianne Lother