Pumpen und Gießkannen zu füllen, ist bei den de Sousas in ihrem Garten beim Blankenlocher Vogelpark ein Familienereignis.
Pumpen und Gießkannen zu füllen, ist bei den de Sousas in ihrem Garten beim Blankenlocher Vogelpark ein Familienereignis. | Foto: Klaus Müller

Gartenarbeit statt Reise

Der Schrebergarten bietet Erholung vom Corona-Alltag

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Der Kleingarten ist wieder „in“. Und wie. „Wir haben derzeit unglaublich viele Anfragen – vor allem von Familien“, berichtet Christian Hofmeister, Vorsitzender des Kleingartenvereins Weingarten. Ob es an der Corona-Pandemie liegt? Möglich. Wirklich „out“ waren die Schrebergärten aber eigentlich nie. Was man an dem Stück Land hat, das in schwierigen Zeiten mitunter wie eine schützende Insel anmuten mag, dürfte sich gerade jetzt zeigen.

Von unserem Mitarbeiter Klaus Müller

Keine Sorge, hier soll nix verklärt werden. Aber so ein bisschen Eigenleben im eigenen Grün hat was, könnte was haben – für viele. Um dem nachzugehen, trat BNN-Mitarbeiter Klaus Müller eine kleine Reise durch Kleingärten in der Hardt-Region an.

Urlaub kann man dieses Jahr eh vergessen.

Benjamin Kühn, Kleingarten-Besitzer

„Doch, es ist mehr los als sonst“, erzählt Benjamin Kühn. Der Blick schweift über die Nachbargärten in der Kleingartenanlage „Drei Eichen“ in Linkenheim-Hochstetten. Auf der neuen Tisch- und Bankgarnitur hat es sich der Mann mit seiner Familie gemütlich gemacht. „Eine Neuanschaffung.“ In nächster Zeit soll ein kleiner Pool folgen. Zum Abkühlen in den hitzigen Coronazeiten.

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„Urlaub kann man dieses Jahr eh vergessen“, meint Kühn. Zum Glück gibt’s den Garten – wenige Minuten von der Wohnung entfernt. „Der Kleine muss raus“, sagt er und deutet auf den Sohnemann.

Die Verbundenheit zur Natur zählt

Nebenan werkeln Sabine und Patrick Palau in ihrem Garten herum. Für das Paar bedeutet das Tapetenwechsel – und ein wenig das Gefühl, in einer eigenen kleinen Welt leben zu können. Was immer wieder erstaunt: Im Grunde genommen sitzt man in so einer Schrebergartenkolonie recht eng aufeinander und kann von vielen Seiten aus beobachtet werden. Wen stört’s?

Der Flecken Erde, das gepachtete Stück Land zählt. Und die Verbundenheit zur Natur. Das schafft Bindung. Das Gute daran: „Die Kinder haben was zu tun“, freuen sich Wescley Tiago Batista de Sousa und seine Frau Bernice. Ihren Kleingarten beim Blankenlocher Vogelpark nutzen sie derzeit reichlich.

Wir wüssten nicht, was wir ohne den Garten machen würden.

Wescley Tiago Batista de Sousa, Kleingarten-Besitzer

Gartentechnisch gesehen locker geht es bei ihnen zu. Die Kinder helfen mit, wenn sie wollen – spielen dürften sie eh im Garten. „Für Johannes und Alexander ist es hier wirklich toll. Wir wüssten nicht, was wir ohne den Garten machen würden“, meint Papa Batista.

Corona-Regeln verhindern sonst übliche Gartenfeste

Zurück nach Weingarten, zu Christian Hofmeister. Er ist einer, der sich ein Leben ohne Garten – Corona hin oder her – gar nicht vorstellen kann. „Es ist doch alles da. Wir kommen raus, für die Kinder ist es was und man trifft Leute.“ Klar, Regeln würden auch in den Gärten gelten. Vor Corona habe es gerade um diese Jahreszeit viel mehr Gartenfeste gegeben. „Das wird aber wieder irgendwann kommen.“

Es gibt immer was zu tun: Der begeisterte Kleingärtner Christian Hofmeister arbeitet in seinem Gartenstück in Weingarten.
Es gibt immer was zu tun: Der begeisterte Kleingärtner Christian Hofmeister arbeitet in seinem Gartenstück in Weingarten. | Foto: Klaus Müller

Außerdem gebe es im Garten immer was zu tun – hier ein kleiner Pool, dort eine Solaranlage aufs Dach. Noch mal nachgefragt: Wie lange ist zurzeit die Warteliste? Hofmeister überlegt kurz. „Mit einer Wartezeit von fünf Jahren müsste man schon rechnen.“

Gartenarbeit als Alternative zur ausgefallenen Reise

An solche zeitlichen Dimensionen verschwendet Dietrich Hendel keine Gedanken. Er darf einen Feldgarten (keine Schrebergartenanlage) sein Eigen nennen. Eigentlich wäre er jetzt auf einer Urlaubsreise. Die findet nicht statt. Corona lässt grüßen. Nun tauscht der BNN-Redakteur Kuli, Block und PC gegen Hacke, Schaufel und Rechen.

Und das, wie er selbst sagt, mit viel Begeisterung – von Kindesbeinen auf. Die Oma infizierte ihn mit dem „Garten-Virus“. Stundenlang könne er in seinem Feldgarten arbeiten; auch verstanden als Ausgleich und als treffliche Möglichkeit, abzuschalten.

So lässt es sich leben: Familie Kühn in Linkenheim-Hochstetten hat es sich auf ihrer neuen Tisch- und Bankgarnitur in den „Drei Eichen“ bequem gemacht.
So lässt es sich leben: Familie Kühn in Linkenheim-Hochstetten hat es sich auf ihrer neuen Tisch- und Bankgarnitur in den „Drei Eichen“ bequem gemacht. | Foto: Klaus Müller

Langsam wird es Abend. Vielerorts hängt Grillluft über den Gärten. Sicher, jetzt im Urlaub zu sein, wäre fast noch ein bisschen schöner, verrät Anna Kühn. Egal. Auf und an der neuen Tisch- und Bankgarnitur sitzt es sich nicht schlecht. Und nebendran sprießen Tomaten und Co. – auch nicht schlecht.

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Im Kleingarten der Familie de Sousa ist derweil pumpen und gießen angesagt – ein feuchtfröhliches Vergnügen. Und Christian Hofmeister hat sich nach getaner Arbeit ein kühles Getränk verdient – am Gartentisch, versteht sich.

Wer denkt in diesen Augenblicken schon an das vermaledeite Coronavirus? Nee, dann erfreut man sich lieber – wenigstens für kurze Zeit – gedanklich an der Ernte, an der Aussicht auf volle Einweckgläser. Dietrich Hendel scheint innerlich mit dem Kopf zu nicken. Dann mal weiter – weiterwerkeln in der eigenen, kleinen Welt, fernab von der Corona-Krise.