Von Brandkatastrophen verschont geblieben sind die Kleingärtner in Weingarten, die Vorsitzender Christian Hofmeister immer wieder darauf hinweist, welche Gefahr von Holzöfen ausgehen kann.
Von Brandkatastrophen verschont geblieben sind die Kleingärtner in Weingarten, die Vorsitzender Christian Hofmeister immer wieder darauf hinweist, welche Gefahr von Holzöfen ausgehen kann. | Foto: Lother

Brände in Gartenhütten

Der Schwedenofen kann zur Falle werden

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Knapp fünf Wochen ist es her, dass ein 76-jähriger Mann einem Brand in seiner Gartenlaube in Berghausen zum Opfer fiel. Ursache war entweder ein an der Tür defekter Schwedenofen oder eine Petroleumlampe. Eineinhalb Wochen später entkam ein 60-Jähriger ebenfalls in Berghausen nur knapp dem Tod, weil Nachbarn Flammen aus seiner Gartenhütte schlagen sahen. Der Mann schlief, während sein Holzofen in Brand geriet. Und am letzten Januarwochenende schockte die Tragödie im bayerischen Arnstein, bei der sechs Teenager durch das aus einem defekten Stromaggregat ausgetretene Kohlenmonoxid in einer Gartenhütte ums Leben kamen. Wieso kommt es zu solchen Tragödien und wie wird versucht, diese zu verhindern?

Lauben dürfen nicht als Wohnsitz genutzt werden

Das Problem an den Fällen in Berghausen ist: Die Besitzer hatten weder die Berechtigung, in den Gartenhütten zu wohnen noch dort eine Feuerstelle zu errichten. „Beide Grundstücke liegen in sogenannten Gartenhaus- und Hüttengebieten, wie wir sie in allen vier Ortsteilen haben“, erklärt Peter Willi vom Bauamt der Gemeinde Pfinztal, wo es keine ausgewiesene Kleingartenanlage gibt. Auf Grundstücken innerhalb dieser Gebiete dürfen nur Hütten mit einer Grundfläche von maximal 20 Quadratmetern errichtet werden. Lediglich auf einer begrenzten Anzahl von Grundstücken unterhalb des Fraunhofer Instituts sei es erlaubt, massivere Häuser zu bauen, in denen dann auch übernachtet werden darf, so Willi. Zu kontrollieren, ob Besitzer ihre Hütten als Wohnsitz nutzen – dazu ist die Gemeinde selbst aber gar nicht berechtigt. „Wir sind keine Baurechtsbehörde“, sagt Willi. „Das fiele in die Verantwortung des Landratsamtes. Aber – regelmäßig alle Gartenhütten im Landkreis zu kontrollieren, das geht auch schlichtweg nicht.“

Es ist gut zu wissen, dass ab und zu jemand vor Ort ist.

In ausgewiesenen Kleingartenanlagen ist das die Aufgabe des jeweiligen Vereinsvorstands. Auch dort ist es in der Regel verboten, in den Hütten zu übernachten. Aber Siegfried Wagner, Vorsitzender des Kleingartenvereins in Eggenstein, gibt zu: „Wir nehmen es da nicht so genau. Wenn im Kleingarten gefeiert wird und anschließend mal jemand dort übernachtet, ist das kein Verbrechen.“ Ähnlich sieht es Christian Hofmeister, Vorsitzender der Kleingärtner in Weingarten. Dahinter steckt auch ein gewisses Sicherheitsdenken. „Wir lesen immer wieder von Einbrüchen in Kleingärten. Es ist gut zu wissen, dass ab und zu jemand vor Ort ist.“ Probleme mit Pächtern, die ihre Parzelle dauerhaft bewohnen, gab es dagegen bisher weder in Weingarten noch in Eggenstein.

Holzöfen sind verboten

Aber auch der Harmonie wegen zeigen sich die Vorstände tolerant. „In früheren Zeiten wurde im Verein kein Wert auf eine Satzung gelegt. In den vergangenen vier Jahren haben wir sie dann nach und nach erneuert. Trotzdem machen wir keinen radikalen Schnitt“, so Hofmeister. Holzöfen beispielsweise seien – genau wie in Eggenstein – inzwischen verboten. Denn von ihnen scheint nicht nur die größte Brandgefahr, sondern auch eine erhöhte Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung auszugehen. „Mit dem Gasofen heize ich die Bude an und schalte ihn dann wieder aus“, sagt Wagner. Holz dagegen kokelt länger vor sich hin.
„Aber wir zwingen niemanden, umzurüsten – zumal die betroffenen Lauben keine Bretterbuden sind, sondern gemauerte Hütten“, sagt Hofmeister wohlwissend, dass auch Mauerwerk etwaige Katastrophen nicht abwenden könnte. „Die meisten Pächter sind inzwischen sowieso auf Gasöfen umgestiegen. Die, die noch mit Holz heizen, weisen wir regelmäßig daraufhin, dass das laut Satzung verboten ist. Damit ist auch klar, dass sie im Fall eines Schadens keinen Versicherungsschutz genießen“, ergänzt Wagner.

Kohlenstoffmonoxid
Kohlenmonoxid (CO) ist ein giftiges Gas, das bei der unvollständigen Verbrennung kohlenstoffhaltiger Kraft- und Brennstoffe entstehen kann – insbesondere bei der Verbrennung unter Sauerstoffmangel. Es ist farb-, geschmack- und geruchlos und bindet sich an den Proteinkomplex Hämoglobin. In der Folge sind die roten Blutkörperchen nicht mehr in der Lage, Sauerstoff zu transportieren. Eine Kohlenmonoxidvergiftung führt innerhalb weniger Minuten zum Tod.