Der katholische Kinergarten St. Elisabeth in Jöhlingen ist im kommenden Jahr das größte Projekt, das Walzbachtal zu schultern hat. Dort wird die Sanierung weitergeführt. | Foto: Arnd Waidelich

Haushalte setzen auf Doppik

Die Gemeinden buchen jetzt in Soll und Haben

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Die Kommunen in der Hardt stehen vor einschneidenden Veränderungen für ihre Finanzwirtschaft: Die jahrzehntelang in öffentlichen Verwaltungen geübte Haushaltsführung weicht der „Doppelten Buchführung in Konten (Doppik)“: Alle Geschäftsvorgänge werden in Soll und in Haben gebucht, wie das bei Wirtschaftsunternehmen angewandt wird. Walzbachtal praktiziert dieses System schon. Jetzt stellen Dettenheim, Graben-Neudorf, Eggenstein-Leopoldshafen und Linkenheim-Hochstetten auf Doppik um, die anderen drei der acht Kommunen folgen zum 1. Januar 2020. Denn bis dahin soll das neue System flächendeckend eingeführt sein.

Entwürfe im Januar

Noch nicht alle Gemeinden im Hardtgebiet haben ihre Haushaltspläne entworfen. „Wir beginnen mit den Haushaltsberatungen erst im Januar“, teilt Bürgermeister Christian Eheim in Graben-Neudorf mit. Die Gemeinde stellt ebenfalls auf Doppik um. Er werde dem Gemeinderat einen Haushalt ohne Kreditaufnahme vorlegen. Abgesehen von einem zinslosen KfW-Darlehen bleibe die Gemeinde weiterhin schuldenfrei.

Satzung wohl erst im März

Auch Eggenstein-Leopoldshafen (mittelfristige Großinvestition ist die Erweiterung des Rathauses) beginnt erst im neuen Jahr mit den Beratungen, informiert Kämmererin Tanja Eickel, die derzeit die Umstellung auf die Doppik vorbereitet. In Weingarten ist der Entwurf schon gemacht, verabschiedet wird laut Bürgermeister Eric Bänziger im neuen Jahr. Dort liegt der Verwaltungshaushalt (die Doppik wird 2020 eingeführt) bei 25,6 Millionen Euro, der Vermögenshaushalt bei 8,6 Millionen Euro. Im Kernhaushalt ist Weingarten mit neun Millionen Euro, bei den Eigenbetrieben mit 17,2 Millionen Euro verschuldet.


Doppik im dritten Jahr

Walzbachtal, seit zwei Jahren bei der Doppik, verabschiedet den Haushalt ebenfalls im neuen Jahr, teilt Bürgermeister Karl-Heinz Burgey mit. Dort ist der Ergebnishaushalt mit 24,4 Millionen Euro angesetzt, wobei ein Defizit von 2,3 Millionen Euro zu tragen ist. Die Verbindlichkeiten steigen über das Jahres von acht auf 9,6 Millionen Euro an. Dazu trägt auch die Investition in den katholischen Kindergarten in Jöhlingen bei. Die Eigenbetriebe sind mit 4,8 Millionen (Wasser) und sechs Millionen Euro (Abwasser) belastet.

Linkenheim-Hochstetten liegt vorn

Trotz Umstellung der Haushaltsrechnung ist Linkenheim-Hochstetten an der Spitze: Dort wird der Etat kommende Woche verabschiedet, berichtet Bürgermeister Michael Möslang. „Wir bleiben schuldenfrei, auch in den kommenden Jahren“, sagt er und verweist dabei auf die geplanten Investitionen von 8,8 Millionen Euro bei 27 Millionen Euro im Ergebnishaushalt. Selbst bei den beiden Eigenbetrieben sind die Verbindlichkeiten gering: „Beide Eigenbetriebe haben Verbindlichkeiten an den Kernhaushalt der Gemeinde. Beim Eigenbetrieb ,Energieerzeugung‘ sind das 533 000 Euro, bei der Wasserversorgung 728 000 Euro.“

Gute Ausgangslage

Dettenheim – 15 Millionen Euro im Ergebnishaushalt, 3,7 Millionen Euro im Finanzhaushalt – will seine Haushaltssatzung in der darauf folgenden Woche beschließen. Auch dort sehen die Finanzen gut aus: 155 000 Euro Schulden im Kernhaushalt werden bis Ende 2019 auf 94 000 Euro abschmelzen. Die Eigenbetriebe sind schuldenfrei, im Lauf des kommenden Jahres sind 1,5 Millionen Euro als Darlehen eingeplant, berichtet Rechnungsamtsleiter Viktor Schmidt.

Neues Recht ab 2020

Die beiden größten Kommunen im Hardtgebiet, Stutensee und Pfinztal, wechseln die Haushaltsführung 2020. Pfinztal hat im zu Ende gehenden Jahr einen Doppelhaushalt für 2018 und 2019 beschlossen. Der Nachtrag für 2019 beläuft sich laut Kämmerer Thomas Sturm auf 53,9 Millionen Euro und soll noch im Dezember beschlossen werden. Pfinztal hat im Kernhaushalt 4,9 Millionen Euro Schulden, im Eigenbetrieb Wasser ebenfalls so viel, und im Eigenbetrieb Abwasser sind es 13,2 Millionen Euro.

Noch vor Weihnachten

Stutensee will ebenfalls noch dieses Jahr seinen Etat vor Weihnachten verabschieden. 88,2 Millionen Euro beträgt das Haushaltsvolumen. Die Schulden steigen 2019 von 12,1 Millionen Euro zu Jahresbeginn auf 15,9 Millionen zum Jahresende 2019. Laut Oberbürgermeisterin Petra Becker werden sie nach der mittelfristigen Planung wieder auf zwölf Millionen Euro zurückgehen. Beim Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung werden die Verbindlichkeiten 2019 um 1,7 Millionen Euro auf 15,6 Millionen Euro anwachsen.