Kreuzkröten sind streng geschützt. In Liedolsheim hatten die Tiere eine Baugrube als Laichplatz ausgesucht - sie wurden in geeignete Gewässer umgesiedelt. | Foto: Archiv Lechner

Kreuzkröten wurden umgesiedelt

Tierische Überraschung in Liedolsheim: Baugrube als Laichplatz

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Was tun, wenn eine Baugrube plötzlich zum Biotop wird? Diese Frage beschäftigte vergangene Woche das Landratsamt und das Regierungspräsidium (RP): Denn Kreuzkröten hatten sich die Baustelle im Liedolsheimer Baugebiet „Erikaweg II“ zum Laichen auserkoren. Die stark bedrohte Kreuzkröte (Bufo Calamita) ist europaweit geschützt nach der FFH-(Fauna-Flora-Habitat)-Richtlinie der EU und streng geschützt nach dem Bundesnaturschutzgesetz.

Von unserem Mitarbeiter Alexander Werner

Auf dem 2 600 Quadratmeter großen Grundstück im Dettenheimer Ortsteil Liedolsheim machten sich im März die Bagger ans Werk. Zwei große Mehrfamilien- und fünf Reihenhäuser sollen dort die letzte große Lücke im Areal schließen. Geraume Zeit ruhten die Arbeiten, denn beim Erdhaushub war nach Durchstoßen einer Lehmschicht Grundwasser aufgestiegen. Auch unter Einfluss zurückliegend stärkerer Regenfälle hatte sich auf der relativ großen Baufläche ein kleiner See gebildet.

Tierische Überraschung: Eine Baugrube im Liedolsheimer „Erikaweg“ hatten Kreuzkröten als Laichplatz auserkoren. | Foto: Alexander Werner

Ruf der Kreuzkröte weithin zu hören

Einem in „Erikaweg II“ wohnenden Mitglied des örtlichen Vogel- und Naturschutzvereins war das aufkeimende Leben im künstlichen Teich in besonderer Weise aufgefallen. In der Laichzeit von April bis Mai sind die Rufe der Kreuzkröten weithin zu hören. Umweltdezernent Jörg Menzel vom Landratsamt begutachtete die Lage vor Ort mit dem Kreisökologen und dem Bauherrn.

Lösung mit Regierungspräsidium und Gutachter

Gesichtet worden waren zuvor ebenso schon Uferschwalben. Die steilen Ränder der Grube aber hatten Vögel noch nicht in Beschlag genommen. Kurzfristig wurden vom Bauherrn Planen angebracht. Diese beugen einem Nestbau vor, erläutert Menzel. Mit dem Regierungspräsidium und einem Gutachter wurde als Lösung beschlossen, das Wasser abzupumpen und die Kaulquappen abzufangen.

Wasser abgelassen und Krötenzaun angelegt

Der kooperative Bauherr machte sich umgehend ans Werk. Wasser wurde bis auf den Baugrund über Schläuche abgelassen. Zudem legte er einen Krötenzaun ums Gelände an. Prinzipiell hätten sonst sogar noch weitere Tiere einwandern und laichen können. Dies ist somit an den verbliebenen Restwasserstellen im Boden nicht mehr möglich.

Konzertierte Aktion statt Baustopp

Mit dem Bauherrn habe volles Einvernehmen geherrscht, erläuterte Umweltdezernent Jörg Menzel. Deswegen habe es auch keinen förmlichen Baustopp gegeben. Die Aktion ging zudem erstaunlich schnell über die Bühne. Geeignete Gewässer, um den Krötennachwuchs umzusiedeln, habe man vorab ausgesucht, so Menzel.

Von Kaulquappen bis zu Altkröten

Letztlich aber waren es keineswegs nur die Kaulquappen, die dorthin versetzt wurden. Beim Abfischen wurden – von Laichsträngen angefangen – Tiere in sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen eingesammelt. Dazu kamen auch noch präsente Altkröten, die in ihrem natürlichen Kreislauf ansonsten üblicherweise nach getaner Laicharbeit wieder ihrer Wege gehen.

Im Bebauungsplan war darauf hingewiesen worden

Prinzipiell könnte schon vorbeugend ein Krötenzaun um eine Baustelle gelegt werden. Wie Jörg Menzel informierte, war im Bebauungsplan auf das Thema hingewiesen worden und das Vorkommen von Kreuzkröten bekannt. Gerade im Hinblick auf die speziellen Umstände mit Grundwasser und Regen sei damit aber nicht unbedingt zu rechnen gewesen, fügt er hinzu.

Die Kreuzkröte: In der Laichzeit von April bis Mai sind die Kreuzkröten-Rufe manchmal über zwei Kilometer weit zu hören. Die Weibchen geben wie alle Krötenarten Laichschnüre ab, die aus 2800 bis 4000 Eiern bestehen können.
Merkmale: Gut zu erkennen sind die mittelgroßer Froschlurche am typisch weißlich-gelber Streifen auf dem Rücken. Die Kreuzkröte ist ein mittelgroßer Froschlurch, welcher eine Größe von vier bis acht Zentimetern erreichen kann. Die oberflächlich warzige Haut ist auf hellen Grund grünlich-braun marmoriert. Auf dem Rücken befindet sich meist ein typisch weißlich-gelber Streifen.
Verbreitung: Innerhalb Europas ist die Kreuzkröte von der Iberischen Halbinsel an bis nach Südschweden und Weißrussland verbreitet. Innerhalb Deutschlands ist die Art zerstreut verbreitet und beispielsweise in den Bergbaufolgelandschaften häufig anzutreffen.
Lebensraum: Die Kreuzkröte benötigt als Lebensraum trockenwarme Gebiete mit lockeren und sandigen Böden. Das Vorhandensein offener, vegetationsarmer bis freier Flächen mit ausreichenden Versteckmöglichkeiten als Landlebensraum sowie weitgehend vegetationsfreie Gewässer (Flach- bzw. Kleinstgewässer) als Laichplätze sind Voraussetzung für die Existenz der Art.
Gefährdung: Die Zerstörung oder Beeinträchtigung von Kleingewässern durch Zuschüttung oder Eintrag von Müll, Dünger und Umweltgiften, wie auch die aufkommende Sukzession gefährden und zerstören viele Lebensräume der Kreuzkröte.
Schutzstatus: Europaweit geschützt nach der FFH-Richtlinie (Anhang IV) und „streng geschützt“ gemäß Bundesnaturschutzgesetz. Streng geschützte Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Außerdem ist es verboten, sie durch Aufsuchen ihrer Lebensstätten zu beunruhigen.