Freuen sich auf ihre Aufgabe: Heike Hafner (links) und Wiebke Steinbach helfen Ratsuchenden am Pflegestützpunkt Stutensee in Blankenloch. | Foto: Rake Hora

Im Rathaus Blankenloch

Pflegestützpunkt Stutensee eröffnet: Lotsen durch den Pflegedschungel

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Pflege und Betreuung – angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft gewinnt das Thema an Bedeutung. Bereits 2009 hat der Kreistag des Landkreises Karlsruhe deshalb auf seine Fahne geschrieben, fünf Pflegestützpunkte in kommunaler Trägerschaft als neutrale Anlaufstelle für die Bevölkerung einzurichten. Jetzt ist der Landkreis auf der Zielgeraden: An diesem Freitag wurde – nach Bruchsal, Ettlingen und Bretten – in Stutensee (bisher von Bretten mitbetreut) der vierte Pflegestützpunkt eingeweiht. Nummer fünf, in Waghäusel, folgt dann Anfang Mai.

Zentrale Anlaufstelle im Rathaus Blankenloch

Als zentrale Anlaufstelle ist der neue Pflegestützpunkt Stutensee im Rathaus Blankenloch untergebracht. Barrierefrei zu erreichen, im Erdgeschoss nach dem Eingang gleich links. „Die Leute können an uns nicht vorbei“, meint Wiebke Steinbach und lacht. Zusammen mit ihrer Kollegin Heike Hafner wird sie im Zimmer „008“ Ansprechpartnerin für alles rund um Pflege und Betreuung sein. „Unser Anspruch ist, dass das Päckchen leichter wird, wenn die Ratsuchenden die Bürotür wieder verlassen“, sagt die 24-Jährige. „Ich freue mich tierisch auf diesen Job…“, verdeutlicht Wiebke Steinbach. „…und auf viele Kontakte“, fügt Heike Hafner hinzu.

Pflegestützpunkt Stutensee: Rathaus Blankenloch, Rathausstraße 3, Erdgeschoss, Zimmer 8.
Die Mitarbeiterinnen Wiebke Steinbach und Heike Hafner stehen dort Ratsuchenden persönlich sowie telefonisch unter  (07 21) 93 67 16 80 zur Verfügung.
Sprechzeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr, zusätzlich Dienstag von 13.30 bis 16 Uhr und Donnerstag von 13.30 bis 18 Uhr.  Außerdem werden Sprechzeiten in Eggenstein-Leopoldshafen, Linkenheim-Hochstetten, Weingarten und Pfinztal angeboten (die genauen Zeiten werden in den jeweiligen Amtsblättern veröffentlicht).

„Wir waren der erste Landkreis mit drei Stützpunkten und wir werden der erste mit fünf sein“, machte Landrat Christoph Schnaudigel bei der Eröffnungsfeier im Rathaus Blankenloch deutlich. „Ich freue mich“, so Schnaudigel, „dass es dann in einem großen Landkreis ein flächendeckendes Angebot gibt.“ Er dankte den Kranken- und Pflegekassen sowie dem Landkreistag für die gemeinsamen Bemühungen, „dieses neutrale, umfassende, Wohnort nahe und kostenlose Beratungsangebot einzurichten“.

Ratsuchende durch den Pflegedschungel lotsen

Schnaudigel: „Das Pflegethema heute ist nicht nur ambulant oder stationär, das ist sehr viel differenzierter als früher. An allen Stützpunkten gibt es qualifizierte Mitarbeiterinnen, die Ratsuchende durch den Dschungel lotsen. Ganz wichtig ist: Wir wollen dezentral arbeiten, auch mit Sprechstunden im Umland, damit wir zu den Menschen kommen.“

Der Bedarf wird zunehmen

Über 10 000 Beratungsgespräche wurden in den bisherigen Stützpunkten schon geführt. „Der Bedarf wird zunehmen, weil das Thema Pflege an Bedeutung gewinnt“, so der Landrat, der das Angebot nicht als Konkurrenz zu bisherigen Beratungsstellen sieht.

Den Neuen Pflegestützpunkt Stutensee eröffnet: Von links Landrat Christoph Schnaudigel, Wiebke Steinbach, Heike Hafner, Sutensees OB Petra Becker, Dietmar Herdes, Harald Röcker, Angela Postel. | Foto: Rake Hora

„Heute ist ein guter Tag für die Menschen in Stutensee und in der Region“, betonte Stutensees Oberbürgermeisterin Petra Becker. „Die Mitarbeiterinnen des Pflegestützpunktes kennen die Bedürfnisse der Ratsuchenden und haben Antworten auf Fragen, die oft plötzlich auftreten. Schnelle Hilfe, einfühlsam und bedarfsorientiert, das ist wichtig.“

Landkreis Karlsruhe vorbildlich

Baden-Württemberg habe sich für das kommunale Initiativrecht zur Errichtung von Pflegestützpunkten auf Bundesebene stark gemacht und dieses anschließend im Landesrecht verankert, betonte Angela Postel, Referatsleiterin im Ministerium für Soziales und Integration in Stuttgart. Der Landkreis Karlsruhe habe als einer der ersten Kreise von dieser neu geschaffenen Möglichkeit Gebrauch gemacht. Postel: „Der Landkreis Karlsruhe ist nicht nur bei den Pflegestützpunkten vorbildlich. Er ist auch bei innovativen Pflegestrukturen an vorderster Stelle dabei.“

Erfolgsmodell Pflegestützpunkt

Dietmar Herdes vom Landkreistag Baden-Württemberg bescheinigte dem Ministerium „Weisheit, das Geld an der richtigen Stelle zu investieren“. Herdes: „Mit dem beschlossenen Ausbau der Pflegestützpunkte ist eine gute und richtige Entscheidung getroffen worden, die bundesweit einzigartig ist. Auch wenn die Prämissen wohnortnah und neutral von den Wettbewerbern bisweilen kritisch gesehen würden. Pflegestützpunkte sind ein Erfolgsmodell, so Herdes.

Das wird die Form der Zukunft sein

Zu den Betroffenen gehen, habe sich bewährt, „das wird die Form der Zukunft sein“, konstatierte auch Harald Röcker, Geschäftsführer der AOK Mittlerer Oberrhein und gesteht: „Am Anfang, als wir uns über Pflegestützpunkte unterhalten haben, war das etwas ganz Neues und hat schon für Verwunderung gesorgt.“ Doch letztlich, so Röcker, „müssen die individuellen Bedürfnisse der Menschen unsere Antriebsfeder für Innovation sein.“

Kommentar: Schon früh vertraten Kreistag und Kreisverwaltung die Auffassung, dass eine flächendeckende Einrichtung von Pflegestützpunkten in kommunaler Trägerschaft sinnvoll ist. Sinnvoll, um umfassend und neutral zu den Themen „Pflege und Versorgung im Alter“ zu beraten. Sinnvoll, um alle für die wohnortnahe Versorgung relevanten pflegerischen und sozialen Hilfs- sowie Unterstützungsangebote zu koordinieren. Mit Einrichtung seiner Pflegestützpunkte in Bruchsal (2010) und Ettlingen (2011) gehörte der Landkreis Karlsruhe zu den Pionieren unter den Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg. Mit Bretten folgte 2016 Stützpunkt Nummer drei, jetzt in Stutensee und Waghäusel die Standorte vier und fünf – und wieder nimmt der Landkreis Karlsruhe eine Vorreiterrolle ein: Er wird der erste Kreis im Land sein, der flächendeckend über Pflegestützpunkte verfügt.
Ob Pflegeversicherungsgesetz, Tagespflege oder Betreutes Wohnen – angesichts der demografischen Entwicklung ist der Informationsbedarf groß. Plötzlich pflegebedürftig, haben Betroffene und pflegende Angehörige viele Fragen und sind mit der Situation oft überfordert. Sie dann nicht allein zu lassen, darauf kommt es an.
Pflegestützpunkte als verlässliche Anlaufstellen für Ratsuchende, für wohnortnahe Beratung aber auch als Ansprechpartner für Selbsthilfegruppen und Ehrenamtliche, das ist die Intention. Nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ sollen Senioren so lange es geht in ihrer vertrauten Umgebung, bleiben können. Die Wohnraumberatung wird deshalb immer mehr an Bedeutung im Aufgabenfeld der Pflegestützpunkte gewinnen.
Wie Betroffene Informationen über gesetzliche und kommunale Leistungen, Auskünfte über regionale Betreuungsangebote und Hilfestellung bei der Inanspruchnahme der Leistungen bekommen, das hängt vom Angebot vor Ort ab. Mit den neuen Beratungsstellen in Stutensee und Waghäusel werden Lücken in der Kreis-Landkarte zwischen Ettlingen und Bruchsal geschlossen, Wege verkürzt und Strukturen effizienter. Das dürfte nicht nur im Sinne der Bürger, auch im Interesse der Kassen sein.