Der Refraktometer ist noch immer ein wichtiges Arbeitsgerät, um diie Süße der Trauebn zu bestimmen. Dies tut hier der Kellermeister der Weingartener Weinmanufaktur in den Weinbergen auf dem Kirchberg. | Foto: Marianne Lother

Höherer Ertrag als 2017

Die Weinlese in Weingarten wird wohl Ende August beginnen

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Sonne satt und Hitze. Für den Weinbau sind das offenbar sehr gute Bedingungen. Aber auch da gilt: nicht übertreiben. Volker Hartmann, Kellermeister der Weinmanufaktur Weingarten, erwartet „vom jetzigen Zeitpunkt ausgehend“ insgesamt einen sehr guten Jahrgang und 25 Prozent mehr Ertrag als 2017.

Trockenheit unproblematisch

Noch sieht er in der Trockenheit kein Problem. Aber er muss den Reifegrad der Trauben im Auge behalten und zum richtigen Zeitpunkt reagieren. Dazu ist Hartmann nicht nur mit den Winzern im Kontakt und hört deren Meinung, sondern macht auch häufige Stichproben, um den Zeitpunkt der Weinlese zu bestimmen.

Proben auf dem Kirchberg

An diesem Morgen ist er im Weingartener Kirchberg unterwegs und misst die Öchslegrade mit dem Refraktometer. Auch wenn Öchslegrade nicht mehr das alleinige Qualitätsmerkmal des Weins sind, sind sie immer noch die Basis für die Bezahlung der Winzer. 63 Grad ermittelt er beim Müller-Thurgau, mit diesem Ergebnis ist er zum jetzigen Zeitpunkt sehr zufrieden. „Mit 66 Grad liegen wir schon im Qualitätsweinbereich“, erklärt er.

Etwas Regen wünschenswert

Dennoch wünscht er sich ein bis zwei Regentage pro Woche. Denn sei der Flüssigkeitsgehalt in den Trauben zu gering und der Zuckergehalt zu hoch, so entstehe gerade bei durchgegorenen Weinen zu viel Alkohol, was nicht erwünscht sei. Dann müsse rasch zur Weinlese gerufen werden.

Bereit für die Weinlese

Die Reinigung der Tanks sei fertig, und auf die Traubenannahme sei er vorbereitet, sagt er. Bleibt das Wetter jedoch im grünen Bereich, so nennt der Kellermeister „voraussichtlich die letzte Augustwoche“ als Lesebeginn der frühen Sorten Müller-Thurgau und Regent. Grauburgunder, Weißburgunder und die Weingartener Spezialität Auxerrois, die sehr gut nachgefragt werde, haben noch etwas Zeit.

Spätburgunder wird später geerntet

Die Spätburgundertraube sei ein lockerbeeriger Klon, der weniger fäulnisgefährdet sei und darum erst am Schluss gelesen werde. „Alles unter Vorbehalt“, betont er immer wieder.

Anhaltende Nässe wäre schädlich

Eine länger anhaltende Regenperiode wäre allerdings genauso nachteilig. Denn die Trauben würden platzen und Fäulniserreger ließen sie verderben. Auch dann müsse schnell gehandelt werden.

Wieder zurück

Nach vierjähriger Unterbrechung, die er in einem Weinbaubetrieb verbracht hat, ist Hartmann an den alten Wirkungskreis zurückgekehrt. Mit der Einführung der Weinlinien „Tradition“, „Elegance“ und „Exklusiv“ durch seinen Vorgänger Daniel Moschell ist er sehr zufrieden und will diese Richtung beibehalten.

Schwerpunkt Burgundersorten

Der Schwerpunkt des Anbaus auf den knapp 60 Hektar Ertragsfläche im Einzugsgebiet der Manufaktur liege nach wie vor auf den Burgunderweinen mit Auxerrois und Chardonnay, die er zu frischen, fruchtig-spritzigen Weinen ausbauen will. Beim Rotwein habe er noch die eine oder andere Idee, verrät Hartmann schmunzelnd.

Marianne Lother